Der Klang der Fremde - Thúy, Kim

Kim Thúy 

Der Klang der Fremde

Aus d. Französ. v. Andrea Alvermann u. Brigitte Große
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Der Klang der Fremde

"Man glaubt immer, das Leben von Einwanderern sei nur schwer. Und vergisst dabei, dass ihre Erfahrungen auch wunderbare, lustige, bewegende und oft ganz absurde Momente umschließen " Die kleine Kim ist zehn, als ihre Familie aus Vietnam fliehen muss. Auf einer abenteuerlichen Odyssee gelangen sie übers Meer, vegetieren in überfüllten Flüchtlingslagern, finden schließlich im Westen, im fernen Kanada eine neue Heimat. Wenn der Schock der Fremdheit überwältigend ist, lässt sich die Welt nur über die Sinne erschließen. An Klängen, Farben, Gerüchen entfalten sich deshalb die Erinnerungsbilder, an denen Kim Thúy dreißig Jahre später der Spur ihres Lebens nachgeht eine lose Kette, mäandernd zwischen Einst und Jetzt, Krieg und Frieden, Verstörung und überraschendem Glück. Da ist die Kindheit im goldenen Käfig einer großbürgerlichen Familie in Saigon. Die Flucht im lichtlosen Unterdeck eines maroden Schiffes. Ein Kinderarmband aus rosa Plastik, in dem die Eltern Edelsteine schmuggelten. Der erste Anblick von Schnee in Québec, der Krach, den fremde Stimmen machen, auch wenn sie freundlich sind. Die Komik zahlloser Missverständ nisse. Die Wiederbegegnung mit der alten Heimat, in die man als Fremde zurück kehrt. Mit selbstverständlicher Meisterschaft hat Kim Thúy einen überraschenden, ganz und gar persönlichen Lebensroman einer Emigration geschrieben. In unvergesslichen, sinnlichen Bildern erzählt er von Flucht, Vertreibung und Neubeginn, von Schmerz und Lust der Erinnerung und dem täglichen Glück, sein Leben zu wagen.


Produktinformation

  • Verlag: Kunstmann
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 158 S.
  • Seitenzahl: 158
  • Deutsch
  • Abmessung: 198mm x 131mm x 20mm
  • Gewicht: 242g
  • ISBN-13: 9783888976797
  • ISBN-10: 3888976790
  • Best.Nr.: 29690870

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Für vielfach gewinnbringend hält Andreas Breitenstein dieses autobiografische Buch von Kim Thuy. Wenn sich die Autorin an eine Kindheit in Saigon zur Zeit der Tet-Offensive der Amerikaner sowie Vertreibung und Flucht erinnert und das Glück eines Neubeginns im kanadischen Exil, sieht Breitenstein nicht nur eine Wahrnehmungslücke geschlossen. Die bitterschönen Bilder, der achronologische, traumartige Gang der anekdotenreichen Erzählung, die dem Rezensenten einzigartig erscheinende Dankbarkeit gegenüber dem Aufnahmel - all das versteht er als große Poesie. Dass darunter irgendwo der Schmerz anhält, wie Breitenstein vermutet, macht den Text nur noch kostbarer.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 20.11.2010

Saigon, mon amour
Kim Thúy erinnert sich an ihre Flucht nach Kanada

Von Anja Hirsch

Kim Thúy ist zehn, als sie mit der Familie aus Saigon flieht. Sie tauscht Art-déco-Fauteuils gegen Flüchtlingslager. Kommunistische Inspektoren hatten nach Abzug der Amerikaner eine Wand durchs Haus gezogen. Die Familie musste plötzlich zusammenrücken. Irgendwo auf dem Weg von Vietnam über Malaysia nach Kanada, wo Kim Thúy heute mit zwei Kindern lebt, schnurrte ihr Leben und das der anderen Überlebenden zusammen auf einen winzigen Punkt, bevor es sich wieder weitete. Jetzt hat sie über diese Zeit ein Buch geschrieben, ihr erstes - im französischen Original schon ein Bestseller, dem man auch hier viele Leser wünscht.

Die Splitter ihrer Wirklichkeit sind unterschiedlich groß, manche erzählen vier Seiten lang eine Geschichte, andere reichen nur über vier Zeilen. Ein Splitter beschreibt den ersten Übergangsraum: das Warten im Bauch des Bootes, das die Flüchtlinge außer Landes bringt. Kim Thúy sitzt einer Frau mit krankem Baby gegenüber, die Luft stinkt nach Erbrochenem. In diesem Laderaum des Schiffes greifen Hölle und Paradies …

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Kim Thúy wurde in Saigon geboren und floh als Zehnjährige zusammen mit ihrer Familie in den Westen. Sie arbeitete als Übersetzerin und Rechtsanwältin und war Gastronomin und Gastrokritikerin für Radio und Fernsehen. Kim Thúy lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Montréal.

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