Der Himmel ist kein Ort - Wellershoff, Dieter

Dieter Wellershoff 

Der Himmel ist kein Ort

Roman

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Der Himmel ist kein Ort

Die Summe seines Erzählens: der neue Roman von Dieter Wellershoff.

Nach seinem hochgelobten Bestseller Der Liebeswunsch und dem berührenden Erzählungsband Das normale Leben erweist sich der 83-jährige Dieter Wellershoff erneut als Meister der subtilen Einfühlung und der insistierenden Infragestellung von Üblichkeiten und Gewissheiten.

Der Roman beginnt wie ein Krimi und entwickelt sich zu einem figurenreichen Gesellschaftsdrama. Hauptfigur ist ein junger Landpfarrer, der eines Nachts zu einem Unfallort gerufen wird. Ein Auto ist von der Straße abgekommen und in einen See gestürzt. Der Fahrer hat sich gerettet, seine Frau und sein Sohn werden leblos geborgen. Wie das geschehen konnte, ist unklar. Schon bald nimmt das angebliche Unglück unheimliche Züge an. Der Pfarrer hält trotzdem an der Unschuldsvermutung fest und bringt fast alle Gemeindemitglieder gegen sich auf.

Das ist der Ausgangspunkt einer sich ausweitenden Sinnkrise. Die Erfahrung einer abgründigen Vieldeutigkeit greift auf immer neue Lebensbereiche über. Sie erfasst die religiösen Glaubensvorstellungen ebenso wie die Freundschaftsverhältnisse und die sich über unerwartete suggestive Briefe anbahnende Beziehung zu einer Frau, die dem Pfarrer in diesen Tagen wachsender Bedürftigkeit als unklare Verheißung erscheint.

Dieter Wellershoff erzählt mit ausgeprägtem Gespür für Stimmungen und Gefühle, wie ein Mann, der in der Gewissheit einer sinnstiftenden Ordnung gelebt hat, an Grenzen gerät - seine eigenen und die einer Institution, deren Anspruch es ist, Orientierung zu bieten und Halt zu gewähren. Die szenische Spannung eines sich verselbständigenden Prozesses, die Stimmenvielfalt der darin verstrickten Figuren und die subtile Einfühlung in einen Menschen, der allmählich erkennen muss, dass er auf brüchigem Boden steht und damit zurechtkommen muss, machen diesen Roman zu einem außergewöhnlichen Leseerlebnis.


Produktinformation

  • Abmessung: 210mm x 135mm x 30mm
  • Gewicht: 428g
  • ISBN-13: 9783462041347
  • ISBN-10: 3462041347
  • Best.Nr.: 26366518
Die hohe Kunst von Dieter Wellershoff ist es, die Macht der Gefühle der Kraft der Vernunft zu unterziehen. -- Ijoma Mangold, WDR, über Das normale Leben

Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Als "Elegie des Zweifels" und "Abgesang auf jegliche Gewissheit" hat Dieter Hildebrandt dieses "Alterswerk" von Dieter Wellershoff gelesen, dessen Reiz sich ihm allerdings erst auf den zweiten Blick erschlossen hat. Denn auf den ersten Blick erschien Hildebrandt dieser Roman über die tödlichen Irrungen und Wirrungen eine Pfarrers des von ihm als "präzisen" und "klugen" Stilisten so geschätzten Autors zu seiner großen Enttäuschung sehr "betulich". Doch dann spürt er hinter dem Kriminalfall, der sich zum Sündenfall auswächst, nicht allein Stimmen, die in seinen Ohren zu einem "Symposion" zu alten und neuen Glaubensfragen anschwellen. Auch lässt das Buch aus seiner Sicht eine "politische" Lesart zu, nämlich als Plädoyer für eine historische Erfahrung, die sich in Brüchen und Umbrüchen bildet, womit der Autor aus Sicht des Kritikers auf den "karteileichenfleddernden Rigorismus" reagiert, mit dem sich in den letzten Jahren mancher Nachgeborene auf die Grass-Wellershoff-Walser-Generation gestürzt habe, die in den letzten Zügen des NS-Regimes als Jugendliche noch SS- oder NSDAP-Mitglieder geworden seien. Dennoch trübt die Kenntnis früherer Wellershoff-Bücher samt ihres ungleich differenzierteren Reflexionsniveaus für Hildebrandt die Sicht auf dieses jüngste Buch.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 19.01.2010

Im Labyrinth der Unschuldsvermutung
Ein Landpfarrer als Detektiv – warum nicht? Dieter Wellershoffs neuer Roman „Der Himmel ist kein Ort”
Beinahe jede Provokation, die sich bevorzugt in feuchten und SS-Gebieten bewegt, ist es nur noch dem Namen nach. Bereitwillig wird dann geschrien und geschrieben, es handle sich um ein Wagnis, sich in diese oder jene Figur zu versetzen, doch schon lange ist man sich der mehr oder minder wohlwollenden Aufmerksamkeit des Publikums sicher. Ein Landpfarrer als Held ist dagegen derart abseitig, dass man die Wahl nur bewundern kann. Spätestens seit dem renouveau catholique der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts gehört sich so etwas für ernstzunehmende Schriftsteller nicht, und die hohe Zeit des Abbé Prévost und seiner literarischen Verwandten ist erst recht vorbei.
Aber wie gelingt es dann in „Der Himmel ist kein Ort”, den eigenwilligen Protagonistentyp anfangs so selbstverständlich als den richtigen hinzustellen? Der rheinische Protestant Dieter Wellershoff verwickelt seinen jungen Pfarrer Ralf Henrichsen, der seit anderthalb Jahren in einer Landgemeinde tätig ist und deswegen von seiner Freundin verlassen …

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Die hohe Kunst von Dieter Wellershoff ist es, die Macht der Gefühle der Kraft der Vernunft zu unterziehen. Ijoma Mangold, WDR, über Das normale Leben
Dieter Wellershoff, 1925 in Neuss geboren, schreibt Romane, Erzählungen und Essays, Filmdrehbücher und Hörspiele. Heinrich-Böll-Preis 1988. Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg 2001, Joseph-Breitbach-Preis der Akademie der Wissenschaften und Literatur 2001. 2007 erhielt Dieter Wellershoff den Großen Kulturpreis der Sparkassen-Kulturstiftung.

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