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Der gute Stalin
Roman
Aus d. Russ. v. Beate Rausch
- Einband: Kartoniert/Broschiert
- Broschiertes Buch
Produktinformation
- Verlag: Bt Bloomsbury Taschenbuch Verlag
- 2006
- Ausstattung/Bilder: 2006. 362 S.
- Seitenzahl: 362
- BVT Bd.336
- Deutsch
- Abmessung: 187mm x 118mm x 27mm
- Gewicht: 282g
- ISBN-13: 9783833303364
- ISBN-10: 3833303360
- Best.Nr.: 14497120
26.11.2004
Erzählte Leben
ALS SCHILLER 1789 seine Antrittsvorlesung in Jena hielt, glaubte er
noch, daß "die Tat lebt und weiter eilt", während der
Name ihres Urhebers hinter ihr zurückbleibt. Heute, da auch Taten
oft Schall und Rauch sind, zählt die Biographie zu den beliebtesten
Genres. Ein Mann auf der Kippe - so zeigt Rüdiger Safranski
Friedrich Schiller. Safranskis Buch ist die Biographie des Jahres,
nicht nur, weil das Schiller-Jahr bevorsteht, sondern vor allem,
weil es Safranski gelungen ist, sich von den ungezählten Titeln und
Früchten der Schiller-Literatur freizumachen, ohne sie schlicht zu
ignorieren.
Nachdem Harry Graf Kessler gleich für zwei Biographen nicht recht
zu fassen war, sollen Selbstzeugnisse für Abhilfe sorgen. In seinen
Tagebüchern zeigt sich jetzt eine Gestalt, die unserer Zeit auf
faszinierende Weise den Spiegel vorhält, indem sie demonstriert,
welch armselige Mischung Selbstbezogenheit und falsch verstandene
Weltläufigkeit abgeben. Pflichtlektüre für die Sklaven des guten
Geschmacks. Eine Biographie ganz eigener Art hat Viktor Jerofejew
geschrieben: Er erzählt einen dramatischen Vater-Sohn-Konflikt im
Schatten Stalins und seiner Nachfolger als bewegende
Doppelbiographie.
igl
Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
22.03.2004
Es ballert die rote Fahne im Winterwind
Ein Fall von brutaler Gutmütigkeit: Viktor Jerofejew erklärt Stalin zum Gesamtkunstwerk
Die „goldene Jugend Moskaus” – so nannte man die Söhne und Töchter von Mitgliedern der Nomenklatura der Sowjetunion. Dank der Privilegien ihrer Eltern lebten sie ein in materieller Hinsicht leidlich süßes Leben – zumindest nach dem Maßstab der kommunistischen Mangelwirtschaft. Auch Viktor Jerofejew, 1947 geboren, wuchs unter solchen Verhältnissen auf. Sein Vater war sowjetischer Diplomat, zuletzt vertrat er sein Land bei den Vereinten Nationen in Wien, vorher arbeitete er über Jahre an der sowjetischen Botschaft in Paris. Viktor Jerofejew hat den größten Teil seiner Kindheit in Frankreich verbracht, nur in den Sommerferien kehrte die Familie in die Heimat zurück – in jene Ferienhaussiedlung, in der die Politbüromitglieder ihre Datschen hatten.
In Jerofejews neuem Roman „Der gute Stalin” wird Vladimir Nabokov dreimal auf missgünstige Weise angegangen. Da Jerofejew selbst einige Bücher Nabokovs herausgegeben hat, kann von einer grundsätzlichen literarischen Feindseligkeit nicht ausgegangen werden. …
04.05.2004
Ein schlechter Romancier und ein glänzender Essayist sei Viktor
Jerofew, eröffnet Ulrich M. Schmid seine Besprechung mit einem
Rundumschlag. Sein jüngstes Buch bezeichnet Jerofejew, dem Kritiker
trotzend, dennoch als Roman; Schmid allerdings meint, die
Genrebezeichnung "autobiografischer Essay" werde dem Text
am ehesten gerecht. Insofern lässt Schmid den Text auch als
gelungen gelten. Die Provokation sei das Markenzeichen des
russischen Autors, und diese Attitüde behalte er auch in diesem
Buch bei oder durch, indem er seine eigene Kindheit als
stalinistisches Paradies inszeniere. Jerofejew stammt aus der
Kaderklasse, sein Vater - im Buch der "gute Stalin" - war
Diplomat, der allerdings für die Aufmüpfigkeit seines Sohnes büßen
musste und aus dem diplomatischen Dienst abberufen wurde. Den Text
könne man einerseits als Hommage an den Vater lesen, der mit
Anerkennung und zugleich kritisch porträtiert werde, meint der
Rezensent, sowie als pfiffige Analyse der Bewusstseinsmechanismen
der staatstragenden Intellektuellenkaste - besser als jedes
soziologische Lehrbuch, lobt Schmid. Wirklich ärgerlich seien nur
Jerofejews pubertären sexuellen Anspielungen.
© Perlentaucher Medien GmbH
Autorenporträt zu "Viktor Jerofejew"
Viktor Jerofejew, 1947 in Moskau geboren, gilt als einer der führenden Autoren Russlands. Er schreibt regelmäßig für den New Yorker sowie für Geo, Die Zeit und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
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