Der Roman erzählt von der Kameradschaft zwischen Augustin Meaulnes
und Francois Seurel und einer romantischen Liebe zwischen Meaulnes
und Yvonne de Galais. Augustin Meaulnes verändert Seurels Leben
schlagartig. Bewegung wird hineingetragen: es beginnen die im
Widerspiel von kindlicher Traumwelt und Alltagswirklichkeit
stehenden Abenteuer der suchenden Seele nach dem Glück.
Mit der Ankunft des schweigsamen, bäuerisch gekleideten Augustin
Meaulnes in der Oberschule von Sainte-Agathe bricht für seine
Mitschüler, vor allem für den jüngeren François, eine Zeit der
zarten Träume und der wilden Abenteuer an. An einer Hochzeitsfeier
auf einem geheimnisvollen Schloss verliebt sich Meaulnes in die
schöne Yvonne de Galais. Doch unmittelbar nach der Feier verliert
er sie aus den Augen und als er sie nach einer langen Suche
wiederfindet, haben er und seine Freunde sich bereits so sehr in
ein Wechselspiel von Liebe, Treue und Verrat verstrickt, dass es
scheint, als könne Meaulnes nur noch hilflos dem Scheitern seiner
Träume zusehen Kunstvoll verflicht Alain-Fournier in seinem
einzigen Roman Traum und Wirklichkeit, Realität und Phantasie. Das
1913 erschienene Buch beschreibt wie nur wenige Werke die Stimmung
jener Generation, die im Ersten Weltkrieg zugrunde gehen sollte
zwischen Geborgenheit und Unbehaustsein, zarter Kindheitsnostalgie
und ungestümem Tatendrang.
Henri Alain-Fournier macht Eltern in seinem Roman "Der große Meaulnes" unsichtbar
Henri Alain-Fourniers 1913 erschienener Roman "Der große Meaulnes" ist eine der wenigen französischen Geschichten, in denen sich der Protagonist im Wald verirrt, wieder herausfindet und nicht mehr weiß, wo er im Wald sein Glück gefunden hatte. In Frankreich verirrt man sich nämlich nicht im Wald, und wenn doch, holen einen René Descartes oder Mama und Papa wieder raus. Nicht jedoch die 17-jährigen Jungen Augustin Meaulnes und François Seurel. "Er kam an einem Sonntag im November 189. . . in unser Haus", heißt es im ersten Satz über Augustin. Der Schüler ist neu in der nordfranzösischen Kleinstadt, er wohnt bei François' Eltern. Was folgt, ist einerseits französisch bis auf die Knochen: Herbstlicht und eine Liebesgeschichte ohne Logik. Andererseits ist der Stoff aber so amerikanisch wie Walt Whitman: Die Eltern sind da, spielen aber keine Rolle. Junge Leute suchen sich einen Weg, von dem sie nichts wissen und den sie nicht erinnern, nachdem sie ihn beschritten haben. Dazu sind die Personen im Roman unfertig geschnitten: subjektlose Individuen im Herbstwind. Was bestimmt einer der Gründe ist, dass Alain-Fourniers einziger Roman bis heute Leser findet, ohne sie zu suchen. Er selbst starb 1914, ganz zu Beginn des Ersten Weltkriegs, bei Verdun.
Henri Alain-Fournier (eigtl. Henri-Alban Fournier), geboren 1886 in La Chapelle d'Angillon bei Bourges, fiel am 22.9.1914 im Ersten Weltkrieg in einem Wald bei Saint-Rémy. Mit seinem 1913 erschienenen Roman 'Der große Meaulnes', in dem er meisterhaft Traum und Wirklichkeit verflicht, eröffnete er den Weg in die moderne Erzählkunst und ging in die Weltliteratur ein.