Der Colonel - Doulatabadi, Mahmud

Mahmud Doulatabadi 

Der Colonel

Roman

Aus d. Pers. u. mit e. Nachw. v. Bahman Nirumand
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Produktbeschreibung zu Der Colonel

Eine pechschwarze Regennacht in einer iranischen Kleinstadt, ein altes Haus. Der Colonel hängt seinen Gedanken nach.
Erinnerungen stürmen auf ihn ein. An seine Jahre als hochdekorierter Offizier der Schah-Armee. An seine Kinder, die ihren eigenen Weg gingen, sich den Revolutionsgardisten Khomeinis angeschlossen haben und in den Krieg zogen, in die Leidenschaften der Revolution und des Todes. Durch die
Gassen werden die gefallenen »Märtyrer« getragen, in der Stadt werden ihnen Denkmäler gebaut. Es herrscht Krieg »diese giftige, fleischfressende Pflanze«. Und im Haus sind Geheimnisse verborgen: Ein Sohn versteckt sich im Keller, gepeinigt von den Albträumen seiner Erinnerungen. Da klopft es an die Tür. Der Colonel wird abgeführt, zur Staatsanwaltschaft

Produktinformation


  • Verlag: Unionsverlag
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 222 S.
  • Seitenzahl: 222
  • Deutsch
  • Abmessung: 21 cm
  • Gewicht: 357g
  • ISBN-13: 9783293004023
  • ISBN-10: 3293004024
  • Best.Nr.: 25659985
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 17.06.2009

Eine kalte, bleierne Zeit

Mahmud Doulatabadi ist der wichtigste iranische Autor der Gegenwart. Sein 1983 verfasstes Historiendrama "Der Colonel" durfte dort bis heute nicht erscheinen.

Es ist eine shakespearesche Inszenierung, ein düsteres Historiendrama, bei dem sich Jahrhunderte Geschichte zum blutrünstigen Geschehen einer einzigen finsteren Nacht verdichten. Es regnet, es ist kalt, die Kleider kleben an den Körpern, an den lebenden und an denen der Toten. Gräber werden im Dunkeln geschaufelt. Das einzige gleißend-grelle Licht verströmen die allgegenwärtigen Märtyrerdenkmäler. Zu Beginn der Handlung steht die überstürzte Grablegung der Leiche einer jungen Frau, ein Kind noch, hingeschlachtet und bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Am Ende treten die Helden der Geschichte von der Bühne ab, ihre abgehackten Köpfe mit blutverkrustetem Haarschopf unterm Arm. In den Akten dazwischen erleben wir eine Hiobstragödie, einen Vater, der hilflos zusehen muss, wie eine Toten-Seilschaft aus alten Regimeschergen und neuen Revolutionswächtern in vereinter Grausamkeit und mit atemberaubendem Tempo seine fünf Kinder vernichtet.

Wir sind im Jahr …

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Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Düster und nicht leicht zu lesen ist dieses Werk nach Ansicht von Rezensent Andreas Fanizadeh, der es den Lesern als "Dokument für das iranische Desaster" trotzdem sehr empfiehlt. Denn es handele sich um eine "brutale Erzählung" von einer Familie, die vom Lauf der Geschichte zermalmt werde. Mahmud Doulatabadi erzähle, wie sich privates und gesellschaftliches Unglück im Iran nach 1979 unheilvoll verstrickten, weshalb der Roman im Iran bisher auch nicht habe erscheinen können.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 03.07.2009

Die Krümmung der Fragezeichen
Nachrichten aus dem beschädigten Leben: Der iranische Autor Mahmud Doulatabadi und sein Roman „Der Colonel”
Wie viel hält ein Mensch aus? Gleich am Anfang des Romans läutet es mitten in der Nacht. Der aus der iranischen Armee ausgeschlossene Colonel wird von zwei Dunkelmännern abgeholt. Er erfährt, dass eine seiner Töchter tot ist. Er soll sie selber begraben, es muss schnell gehen. Der Teenager-Sohn kommt als Märtyrer der islamischen Revolution um. Eine andere Tochter ist mit einem brutalen Anhänger des Regimes verheiratet. Amir, der ältere Sohn, lebt seit einiger Zeit im Keller und schweigt. Auch, weil er, was allmählich herauskommt, beobachten musste, wie der Colonel seine Frau erschoss, weil sie oft fremdging und betrunken nach Hause kam.
Der Colonel, einst ein angesehener liberaler Offizier und Anhänger des Reformers Mossadegh, ist keine einfache Sympathiefigur. Aber weil Doulatabadi ihn von vorneherein als Wrack konzipiert,als einen, der alles verloren hat, folgt man seinem aussichtslosen Versuch, bei allem um ihn herum und zugleich in ihm wachsenden Wahnsinn „Ruhe” zu bewahren, sich gerade noch aufrecht zu …

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Mahmud Doulatabadi wurde 1940 im Nordosten Irans geboren. Er arbeitete in der Landwirtschaft und als Handwerker. Später absolvierte er die Theaterakademie in Teheran und war eine Zeit lang Schauspieler. Aus politischen Gründen war er zwei Jahre in Haft. Heute lebt er mit Frau und drei Kindern in Teheran als freier Schriftsteller und Universitätsdozent für Literatur. Er hat zahlreiche Romane, Erzählungen, Theaterstücke und Essays veröffentlicht und gilt als wichtigster Vertreter der zeitgenössischen persischen Prosa.

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Kundenbewertungen zu "Der Colonel" von "Mahmud Doulatabadi"

Durchschnittliche Kundenbewertung 4 von 5 Sterne bei 1 Bewertungen ***** sehr gut
(aus 1 Bewertung)

Bewertung von Ruth Justen aus Leipzig am 25.11.2011 ***** sehr gut
Der Iran sorgt immer wieder für Schlagzeilen. Die zweifelhafte Nutzung von Atomenergie die Manipulation von Wahlen und die blutige Niederschlagung von Protesten macht einen nachdenklich. Woher kommt die Gewaltbereitschaft von Regierungsseite? Wie hält die Bevölkerung den Terror gegen sich aus?

Doulatabadi unternimmt in seinem Werk "Der Colonel" eine Reise zum Beginn der islamischen Revolution 1979. Die Hauptfigur war ein hoher Offizier im Schah-Regime. Als solcher hatte er Schuld auf sich geladen. Seine Söhne kämpften für die Revolution und er ließ sie diesen Weg gehen, weil er seine Schuld abtragen wollte. Einer von ihnen kehrt völlig gebrochen aus der Haft des Schah zurück. Seine anderen Kinder werden Stück für Stück von der Revolution "gefressen".

Die Regierungen wechseln sich in ihren Grausamkeiten lediglich ab und basieren auf der Ohnmacht und Wut der ehemaligen Verlierer. Die Familie hält den Terror der beiden Gewaltherrschaften auf Dauer nicht Stand. Sie erleidet sie, wehrt sich auf unterschiedlichen Wegen und bleibt doch bis zum jeweils eigenen Tod ohne große Hoffnung auf bessere Verhältnisse.

Ein düsterer Roman, der den Leser um einiges klüger aber auch mutloser entlässt.

Unionsverlag 2009

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiertes Buch

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Eine pechschwarze Regennacht in einer iranischen Kleinstadt, ein altes Haus. Der Colonel hängt seinen Gedanken nach.
Erinnerungen stürmen auf ihn ein. An seine Jahre als hochdekorierter Offizier der Schah-Armee. An seine Kinder, die ihren eigenen Weg gingen, sich den Revolutionsgardisten Khomeinis angeschlossen haben und in den Krieg zogen, in die Leidenschaften der Revolution und des Todes. Durch die
Gassen werden die gefallenen »Märtyrer« getragen, in der Stadt werden ihnen Denkmäler gebaut. Es herrscht Krieg »diese giftige, fleischfressende Pflanze«. Und im Haus sind Geheimnisse verborgen: Ein Sohn versteckt sich im Keller, gepeinigt von den Albträumen seiner Erinnerungen. Da klopft es an die Tür. Der Colonel wird abgeführt, zur Staatsanwaltschaft

17.06.2009

Eine kalte, bleierne Zeit

Mahmud Doulatabadi ist der wichtigste iranische Autor der Gegenwart. Sein 1983 verfasstes Historiendrama "Der Colonel" durfte dort bis heute nicht erscheinen.

Es ist eine shakespearesche Inszenierung, ein düsteres Historiendrama, bei dem sich Jahrhunderte Geschichte zum blutrünstigen Geschehen einer einzigen finsteren Nacht verdichten. Es regnet, es ist kalt, die Kleider kleben an den Körpern, an den lebenden und an denen der Toten. Gräber werden im Dunkeln geschaufelt. Das einzige gleißend-grelle Licht verströmen die allgegenwärtigen Märtyrerdenkmäler. Zu Beginn der Handlung steht die überstürzte Grablegung der Leiche einer jungen Frau, ein Kind noch, hingeschlachtet und bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Am Ende treten die Helden der Geschichte von der Bühne ab, ihre abgehackten Köpfe mit blutverkrustetem Haarschopf unterm Arm. In den Akten dazwischen erleben wir eine Hiobstragödie, einen Vater, der hilflos zusehen muss, wie eine Toten-Seilschaft aus alten Regimeschergen und neuen Revolutionswächtern in vereinter Grausamkeit und mit atemberaubendem Tempo seine fünf Kinder vernichtet.

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03.07.2009

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Der Colonel, einst ein angesehener liberaler Offizier und Anhänger des Reformers Mossadegh, ist keine einfache Sympathiefigur. Aber weil Doulatabadi ihn von vorneherein als Wrack konzipiert,als einen, der alles verloren hat, folgt man seinem aussichtslosen Versuch, bei allem um ihn herum und zugleich in ihm wachsenden Wahnsinn „Ruhe” zu bewahren, sich gerade noch …

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Kundenbewertungen zu "Der Colonel" von "Mahmud Doulatabadi"

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4 von 5 Sterne bei 1 Bewertungen *****
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Bewertung von Ruth Justen aus Leipzig am 25.11.2011
*****
sehr gut
Der Iran sorgt immer wieder für Schlagzeilen. Die zweifelhafte Nutzung von Atomenergie die Manipulation von Wahlen und die blutige Niederschlagung von Protesten macht einen nachdenklich. Woher kommt die Gewaltbereitschaft von Regierungsseite? Wie hält die Bevölkerung den Terror gegen sich aus?

Doulatabadi unternimmt in seinem Werk "Der Colonel" eine Reise zum Beginn der islamischen Revolution 1979. Die Hauptfigur war ein hoher Offizier im Schah-Regime. Als solcher hatte er Schuld auf sich geladen. Seine Söhne kämpften für die Revolution und er ließ sie diesen Weg gehen, weil er seine Schuld abtragen wollte. Einer von ihnen kehrt völlig gebrochen aus der Haft des Schah zurück. Seine anderen Kinder werden Stück für Stück von der Revolution "gefressen".

Die Regierungen wechseln sich in ihren Grausamkeiten lediglich ab und basieren auf der Ohnmacht und Wut der ehemaligen Verlierer. Die Familie hält den Terror der beiden Gewaltherrschaften auf Dauer nicht Stand. Sie erleidet sie, wehrt sich auf unterschiedlichen Wegen und bleibt doch bis zum jeweils eigenen Tod ohne große Hoffnung auf bessere Verhältnisse.

Ein düsterer Roman, der den Leser um einiges klüger aber auch mutloser entlässt.

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27.06.2009

Düster und nicht leicht zu lesen ist dieses Werk nach Ansicht von Rezensent Andreas Fanizadeh, der es den Lesern als "Dokument für das iranische Desaster" trotzdem sehr empfiehlt. Denn es handele sich um eine "brutale Erzählung" von einer Familie, die vom Lauf der Geschichte zermalmt werde. Mahmud Doulatabadi erzähle, wie sich privates und gesellschaftliches Unglück im Iran nach 1979 unheilvoll verstrickten, weshalb der Roman im Iran bisher auch nicht habe erscheinen können.

© Perlentaucher Medien GmbH

Autorenporträt zu "Mahmud Doulatabadi"

Mahmud Doulatabadi wurde 1940 im Nordosten Irans geboren. Er arbeitete in der Landwirtschaft und als Handwerker. Später absolvierte er die Theaterakademie in Teheran und war eine Zeit lang Schauspieler. Aus politischen Gründen war er zwei Jahre in Haft. Heute lebt er mit Frau und drei Kindern in Teheran als freier Schriftsteller und Universitätsdozent für Literatur. Er hat zahlreiche Romane, Erzählungen, Theaterstücke und Essays veröffentlicht und gilt als wichtigster Vertreter der zeitgenössischen persischen Prosa.

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