Der Fetischismus ist ein Schlüsselphänomen der modernen
Gesellschaften. Er bestimmt nicht nur religiöse und mentale
Formationen, sondern auch die libidinösen Objektbeziehungen in der
Konsum- und Massenkultur. Bemerkenswert unterbelichtet sind die
Spielarten fetischistischer Formen und Praktiken in den Künsten,
Medien und Literaturen. Diese Lücke schließt »Der Code der
Leidenschaften«.
Das Phänomen des Fetischismus ist gewiss älter als sein Diskurs. Er
ist ein Leitfossil unserer Kultur. Seit es die Verkultung von
Kunstobjekten oder Künstlern gibt, also seit der Renaissance,
wissen Kritiker und Interpreten, dass es nicht nur um
Geschmacksurteile, Stilkritik, Form- und Gattungsanalyse, um die
Ermittlung von Bedeutungen oder die Situierung von Werken in
kulturellen Kontexten geht. Die Faszinationsgeschichte, durch die
Leser und Betrachter mit Werken und ihren Schöpfern verbunden sind,
ist auch eine Geschichte der ebenso grandiosen wie skurrilen
Passionen, welche die Rezipienten an Objekte der Kunst oder an ihre
Autoren fesseln auf durchaus erklärungsbedürftige Weise.
Der vorliegende Band soll die Spielarten der fetischistischen
Mechanismen in den Künsten erkunden und dabei die Codes der
Leidenschaften entziffern, die das Kraftfeld zwischen Künstlern,
Werken, Sammlungen und Rezipienten bestimmen. In diesem Sinn sind
die einzelnen Beiträge zweierlei: fachwissenschaftliche Analysen
künstlerischer und literarischer Prozesse und zugleich auch
Beiträge zu einer allgemeinen Geschichte der fetischistischen
Praktiken unserer Kultur.
Hartmut Böhme, Prof. Dr., studierte Germanistik, Philosophie, Theologie und Pädagogik. Bis 2012 war er Professor für Kulturtheorie und Mentalitätsgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin.
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