Der Chronist der Winde - Mankell, Henning

Henning Mankell 

Der Chronist der Winde

Roman. Aus d. Schwed. v. Verena Reichel

Gebundenes Buch
 
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Der Chronist der Winde

Ein Roman über das Leben der Straßenkinder in Afrika, der in seinem legendenhaften Erzählton die wunderbare Balance hält zwischen der grausamen Alltagswirklichkeit und den magischen Kräften der Phantasie. Ein Buch der Emotionen, das uns daran erinnert, wozu Menschen - im Guten wie im Bösen - fähig sind.

Nelio, ein zehnjähriges Straßenkind, erzählt um sein Leben. Er liegt mit einer Schusswunde auf dem Dach eines afrikanischen Hauses und weiß, dass er sterben wird, sobald seine Geschichte zu Ende ist. Er erzählt, wie die Banditen sein Dorf überfielen, seine Schwester massakrierten und ihn zwingen wollten, seine Verwandten zu töten. Wie er floh, den Weg in die große Stadt fand und Anführer einer Bande von Straßenkindern wurde. Vor allem aber erzählt er vom Leben dieser schwarzen Kinder. Von Mandioca, der Tomaten und Zwiebeln in seinen Taschen wachsen lässt, und von Deolinda, einem Albinomädchen, das die sexuellen Phantasien der Jungen erregt. Vom Geheimnis des Reichtums, einer vertrockneten Eidechse in einem gestohlenen Aktenkoffer und einem nächtlichen Besuch beim Präsidenten. Und vom Paradies, das auf keiner Landkarte verzeichnet ist und das man dennoch finden kann.
'Der Chronist der Winde' ist eine Liebeserklärung Mankells an die Straßenkinder seiner afrikanischen Wahlheimat. Er gibt den Namenlosen ein Gesicht und eine Würde, die sie weit über das tägliche Elend erhebt. Und obwohl er der grausamen Wirklichkeit nicht ausweicht, ist dieses Buch voller Hoffnung: ein Pakt der kindlichen und der poetischen Phantasie.


Produktinformation

  • Verlag: Zsolnay
  • 2000
  • 2000.
  • Ausstattung/Bilder: 268 S.
  • Seitenzahl: 268
  • Deutsch
  • Abmessung: 21 cm
  • Gewicht: 426g
  • ISBN-13: 9783552049819
  • ISBN-10: 3552049819
  • Best.Nr.: 08846561

Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

In einer Doppelrezension bespricht Dominic Johnson zwei Bücher von Henning Mankell, in denen es jeweils um entwurzelte afrikanische Kinder geht - ein Thema, das nach Johnson gerade schwer en vogue ist.
1.) Henning Mankell: "Der Chronist der Winde"
Hier geht es, wie der Leser erfährt, um den zehnjährigen Nelio, der ein Massaker überlebt und Führer einer Straßenkindergang wird. Die Art, wie Mankell dies darstellt, erscheint Johnson zwar verkünstelt und theatralisch, doch insgesamt findet er das Buch "durch seine schlichte und unprätentiöse Schilderung kindlichen Überlebenswillens" überzeugend. Johnson ist sich sicher, dass der Leser nach der Lektüre dieses Buchs die "Straßenkinderrudel in Afrika, diese lästige Begleiterscheinung der rapiden Verstädterung", mit anderen Augen betrachten wird, nämlich menschlicher. "Selten wurde der Irrsinn des 'stundenweisen Überlebens' so ergreifend nahe gebracht", meint Johnson.
2.) Ders.: "Die rote Antilope"
Johnson findet dieses Buch abstoßend, wobei nicht wirklich deutlich wird, ob sich dies auf das Buch insgesamt bezieht oder vielmehr auf die Tatsache, dass die Schweden von Mankell als "dermaßen ekelhaft" …

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"Einfühlsam, in kraftvoll-poetischen Bildern schildert der schwedische Meistererzähler den oft grausamen (Überlebens-)Alltag der Straßenkinder seiner Wahlheimat. ... Ein Buch, das Grenzen sprengt, Raum für Hoffnung lässt und uns still werden." News, 23/00 "Mit 'Der Chronist der Winde' stellt sich Mankell als sensibler Kenner afrikanischer Vergangenheit und Gegenwart dar. (...) Nirgends findet sich peinigende Afrika-Folklore oder Sozialkitsch. Nicht wenig für ein Buch, das uns lehrt, man könne auch ohne sichtbare Flügel fliegen." Frank Dietschreit, Mannheimer Morgen, 05.10.00 "Ein Roman, der nachdenklich macht, der nachhallt im Herzen, auch wenn man das Buch längst aus der Hand gelegt hat." Petra Pluwatsch, Kölner Stadtanzeiger, 04.08.00 "Und da ist er wieder, der Mankell- Effekt: Dreihundert Seiten und wenige Lesestunden später legt man den Roman beiseite und wacht auf. Aus einem dieser Literarischen Träume, die kaum jemand so gut heraufbeschwören kann wie Mankell." Jörg- Christian Schillmöller, Osnabrücker Zeitung, 17.2.01 Auf diese Weise wird "Der Chronist der Winde" nicht nur zu einem sehr lesenswerten, sehr traurigem Buch, sondern auch zu einer in höchstem Maße geglückten Mischung aus belegbaren Fakten und Märchenhaften. Duglore Pizzini, Die Presse, 23.9.00 Dieses schrecklich schöne Buch entfaltet einen einzigartigen Charme und liest sich genauso fesselnd wie seine Krimis. Wie er auf Afrika-Romantik verzichtet, meidet Mankell auch Idyllisierung von Armut, Entbehrung, Elend, und Einsamkeit dieser Kinder, deren Leben er dennoch nicht nur in düsteren Farben malt. Inge Zenker- Baltes, Der Tagesspiegel, 27.8.00

"Die Geschichte des Straßenkindes Nelio hat die Sachlichkeit eines Dokuments und den universellen Glanz einer Legende. Ein Buch von internationalem Rang." Sydsvenska Dagbladet<br/><br/>"Die Botschaft des Stückes lautet: Das Elend der um ihr Leben kämpfenden Kinder resultiert aus Unwissenheit und Zivilisationsferne, mithin aus der Gleichgültigkeit der Reichen auf der Welt." Toni Meissner in der 'Abendzeitung'

»Die Botschaft des Stückes lautet: Das Elend der um ihr Leben kämpfenden Kinder resultiert aus Unwissenheit und Zivilisationsferne, mithin aus der Gleichgültigkeit der Reichen auf der Welt.« Toni Meissner, Abendzeitung

"Wer dieses Buch gelesen hat, begreift mehr vom Schicksal der Straßenkinder, versteht mehr, was Hoffnung ausmacht und wird Afrika mit anderen, klaren Augen als vorher sehen. Und er wird etwas von dem spüren, was das eigene Menschsein prägt."<br />Jürgen Rüttgers (ehem. Ministerpräsident von NRW), Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln 19.12.2008 <br />
Né en 1948, Henning Mankell, célèbre pour ses policiers mais aussi auteur de pièces de théâtre, d'ouvrages pour la jeunesse et de romans, partage sa vie entre la Suède et le Mozambique.

Leseprobe zu "Der Chronist der Winde" von Henning Mankell

"Verwundert lauschte Nelio ihren Erzählungen, und er stellte fest, daß er einer der Ihren war, sie hatten die gleiche Herkunft und die gleichen Erfahrungen. In ihren Geschichten erkannte er sich selbst wieder, ebenso wie sie alle das verbrannte Dorf in sich trugen. Oft, wenn er im Bauch des Pferdes lag und auf den Schlaf wartete, dachte er, es sei, als hätte dieselbe Mutter sie alle geboren. Eine Frau, einst jung und voller Kraft, später jedoch von Banditen, von Monstern, von Armut herabgewürdigt zu einem zahnlosen, geduckten Schatten. Er wußte, daß es das war, was sie wirklich verband, nichts zu besitzen, mit Widerwillen in die Welt geboren zu sein, oder hinausgeworfen in ein Elend, das von Banditen und Monstern geschaffen worden war.
Ihre Aufgabe im Leben war: zu überleben.
Tagsüber sah er im Zentrum der Stadt die Reichen auf den breiten Avenues aus ihren glänzenden Autos steigen und wieder wegfahren, weiße Männer, schwarze Männer, Inder. Von Cosmos hatte er erfahren, was diese Auto s kosteten. Die Summe war so schwindelerregend, daß es war, als hätte Cosmos von der Entfernung zu einem Stern gesprochen und nicht vom Preis eines Autos. Wenn er diese Reichen betrachtete, konnte Nelio zugleich seine eigene Armut sehen. Zwischen den Reichen, die offenbar dauernd in eiligen Angelegenheiten unterwegs waren, und dem Rudel der Straßenkinder gab es einen Abgrund, den er sich täglich öffnen sah. Sie überquerten ihn, wenn sie rasch zur Stelle waren und baten, das Auto waschen oder bewachen zu dürfen, während der schwarze, weiße oder indische Mann, der mit seinem Aktenkoffer ausstieg, seine bedeutenden Aufträge erledigte. Nelio hatte Cosmos einmal gefragt, wer diese Männer seien, was sie in ihren Aktenkoffern hätten, und wieso sie immer so beschäftigt wirkten. Cosmos hatte keine Antwort gehabt, aber zugegeben, daß es wertvoll sein könnte, es in Erfahrung zu bringen."

Kundenbewertungen zu "Der Chronist der Winde" von "Henning Mankell"

10 Kundenbewertungen (Durchschnitt 4.4 von 5 Sterne bei 10 Bewertungen **** sehr gut)
***** ausgezeichnet
 
(7)
***** sehr gut
 
(1)
***** gut
 
(1)
***** weniger gut
 
(1)
***** schlecht
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Bewertung von Jamila aus Bramsche am 01.09.2008 ***** weniger gut
Von allen Seiten her kam ich solle das Buch unbedingt lesen, es sei ein unglaubliches Buch!
Nun habe ich es gelesen und bin gar nicht begeistert. Erstmal fängt die Geschichte an mit ein paar Personen die vorgestellt werden, in längster Ausführung, es wird viel über Geschichte geschrieben was mich kein bisschen Interessierte. Noch dazu nervte mich das die kompletten Namen ständig ganz ausgeschrieben wurden und manchmal hatten die Leute lange, sehr lange Namen.
Die eigentliche Geschichte geht, so finde ich, ziemlich unter in dem ganzen Drum herum was noch geschildert wird. Ich musste mich durch dieses Buch quälen und war ab Seite 150 auch nicht mehr gewillt weiter zu lesen.
Einfach viel zu langweilig geschrieben und zuviel Geschichte!

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Bewertung von unbekanntem Benutzer am 02.07.2008 ***** ausgezeichnet
Es gibt selten Bücher, die mich so begeistern. Ein Junge, der auf brutalste Weise von seiner Familie getrennt wird, dann eine weite Reise mit einem kleinem philosophisch denkenden Mann, der einem sehr merkwürdig vorkommt. Die andere Hälfte des Buches lässt einen die Welt der Straßenkinder entdecken, und das auf so eigenartige Art und Weise. Ich bin fasziniert!

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Bewertung von Verena aus München am 14.05.2008 ***** ausgezeichnet
Das erste Buch, was mich zum weinen brachte!

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Bewertung von unbekanntem Benutzer am 05.12.2005 ***** ausgezeichnet
Ich finde das man durch dieses Buch verschiedene Seiten von Afrika sieht an die man vorher nie zu denken gewagt hat.
Ich lese dieses Buch im Moment in der Klasse deshalb bekomme viele verschiedene Meinungen zusehen, so sieht man das dieses Buch jeden Typen von Menschen berührt.

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Bewertung von Elke aus Knesebeck am 27.02.2005 ***** ausgezeichnet
Soviel Hilfsbereitschat und Selbstaufoperrung von diesem Bäcker,für den angeschoßenen Nelio sucht in unserer Geselschaft seinesgleichen. Mir hat dieses Buch viele schlaflose Nächte gebracht, so mitgerissen wurde ich von dieser gänsehaut Geschichte.
Ein sehr gutes Buch.


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Bewertung von Becker aus Bad Nenndorf am 16.02.2003 ***** ausgezeichnet
Dieses Buch hat mich tiefs erschüttert. Einfühlsam und beklemmend zugleich. Uns "Weissen" ist im Laufe der Jahre soviel verloren gegangen. Dank Mankell, sehe ich die "schwarze" Welt mit anderen Augen.

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Bewertung von Deliargyris aus Trier am 08.12.2002 ***** ausgezeichnet
Die mal andere Seite der Straßenkinder in Afrika! Sehr tiefgründig.

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Bewertung von U.J. aus Monheim am Rhein am 11.08.2002 ***** ausgezeichnet
Das Buch handelt von einen Straßenkind, das angeschossen worden ist und dann seine Lebensgeschichte dem Bäcker erzählt. Tiefgründig und gut.

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Bewertung von Manfred Luke aus 70794 Filderstadt am 10.12.2000 ***** sehr gut
Anfangs etwas langatmig und verworren. Zum Schluss wird die Handlung spannender; aber alles etwas unwahrscheinlich. Kinder mit 1o Jahren sind keine Philosophen. Die Beschreibung
der afrikanischen Kolonialstadt ist dürftig.
Henning Mankells Kriminalromane sind packender geschrieben und näher an der Wirklichkeit.

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Bewertung von Martin aus Leipzig am 13.07.2000 ***** gut
Wem es gefällt, dem gefällt es. Mir hat es nicht gefallen. Auch wenn ein Kind solche Gedanken haben sollte, wird er sicher nicht auf dem Sterbebett so darüber erzählen. Es klingt einfach zu sehr der Autor durch.

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