Der blinde Orion - Simon, Claude

Claude Simon 

Der blinde Orion

Übersetzer: Moldenhauer, Eva
Gebundenes Buch
 
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Der blinde Orion

Als einer der wichtigsten Autoren des Nouveau Roman hat Claude Simon wie kaum ein anderer die moderne französische Literatur geprägt, indem er, die Gewissheiten und Anmaßungen der Literatur in Frage stellend, neue Ausdrucksformen des Erzählens suchte und fand. 1985 wurde er dafür mit dem Literaturnobelpreis geehrt. „Gemessen an seiner Prosa kann wenig anderes bestehen“, fasst Schriftstellerkollege Reto Hänny bewundernd zusammen. Beispielhaft für Simons virtuoses experimentelles Spiel mit der erzählenden Sprache ist „Der blinde Orion“, entstanden 1970 auf Anregung des legendären Kunstverlegers Albert Skira in der berühmt gewordenen Reihe „Die Pfade der Schöpfung“, in der neben Simon so illustre Namen wie Aragon, Ionesco und Dubuffet vertreten sind. Das schmale Büchlein ist ein wahres Feuerwerk sprachlicher Assoziationen; Szenen, die immer wieder in Bildern erstarren, um gleich darauf wieder zu prallem Leben zu erwachen, ranken sich um wirkliche Bilder - Skizzen, Fotografien, Collagen, anatomische Illustrationen aus medizinischen Lehrbüchern. Im Zentrum steht das Monumentalgemälde „Der blinde Orion sucht die Sonne“ von Nicolas Poussin, eines von Simons Lieblingsbildern. „Simon schrieb einen fulminanten glitzernden Text und setzte vor diesen Text, als eine Art Vorwort, handgeschrieben und im Buch dann faksimiliert, so etwas wie eine kleine Poetik, oder einfach Gedanken darüber, was er eigentlich macht, wenn er schreibt, oder wie es ihm gegangen ist eben beim Schreiben jener hundert nun bebilderten Seiten“, schreibt der wohl beste Simon-Kenner hierzulande, Rolf Vollmann, über das Werk und: „Nichts ist zu groß oder zu gering für diesen großen Epiker der sinnlichen, sichtbaren Welt.“ „Der blinde Orion“ erschien in kleiner nummerierter Auflage in Genf und wurde nicht wieder aufgelegt. Selbst antiquarisch sucht man den Band heute vergebens. Jetzt erscheint das wunderschöne kleine Buch erstmals auf Deutsch, übersetzt von Eva Moldenhauer, deren Neuübersetzungen der großen Romane Simons diesen großen Autor in der deutschen Sprache erst wirklich zugänglich gemacht haben. Natürlich mit allen Bildern der Originalausgabe (schließlich geht’s um Kunst) und in schöner bibliophiler Aufmachung.


Produktinformation

  • Verlag: ZWEITAUSENDEINS
  • 2008
  • 1., Aufl.
  • Best.Nr. des Verlages: 200347
  • Deutsch
  • Abmessung: 220mm x 170mm
  • Gewicht: 616g
  • ISBN-13: 9783861508588
  • ISBN-10: 3861508583
  • Best.Nr.: 25066112

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Sehr eingenommen zeigt sich Rezensentin Gesine Hindemith von Claude Simons Werk aus dem Jahre 1970, das nun erstmals auf Deutsch erschienen ist. Ausgehend von dem Gemälde des Künstlers Nicolas Poussin "Der blinde Orion sucht die Sonne", welches dem Autor als "poetologische Metapher" dient, entwirft Simon hierin ein Panorama an Bildassoziationen. Äußerst erhellend findet sie die Gedanken zur Kunst des Erzählens, mit denen der Autor seine Bildbetrachtungen ummantelt. Insbesondere das Vorwort des Schriftstellers instruiere den Leser gekonnt in literarischen Fragen, betont die Rezensentin. "Virtuos" reihe Simon in seinen weiteren Ausführungen szenische Bildbeschreibungen aneinander und kreiere dabei ein "beständiges Ineinanderkippen von Erzähl- und Bildebene", von deren Qualität Hindemith beeindruckt ist. In der fragmentarischen Konstruktion des Textes erkennt sie zudem Parallelen zur filmischen Schnitttechnik.

© Perlentaucher Medien GmbH

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