Der Ball - Némirovsky, Irène

Irène Némirovsky 

Der Ball

Aus d. Französ. m. e. Nachw. v. Claudia Kalscheuer
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Produktbeschreibung zu Der Ball

Paris 1926. Das Ehepaar Kampf plant einen großen Ball, der ihren Aufstieg in die feine Pariser Gesellschaft besiegeln soll. Seit die Familie unerwartet zu Reichtum gekommen ist, will Madame ihr Leben endlich in vollen Zügen genießen. Ihre halbwüchsige Tochter, die lebenshungrige 14-jährige Antoinette, ist ihr dabei nur im Weg. Sie darf an dem großen Fest nicht teilnehmen. Antoinette grollt ihren Eltern, bis sich plötzlich die Gelegenheit zur subtilen Rache auftut ...

Irène Némirovsky - die sensationelle Wiederentdeckung einer großartigen Autorin

Paris 1926. Das Ehepaar Kampf plant einen großen Ball, der ihren Aufstieg in die feine Pariser Gesellschaft besiegeln soll. Seit die Familie unerwartet zu Reichtum gekommen ist, will Madame ihr Leben endlich in vollen Zügen genießen. Ihre halbwüchsige Tochter, die lebenshungrige 14-jährige Antoinette, ist ihr dabei nur im Weg. Sie darf an dem großen Fest nicht teilnehmen. Antoinette grollt ihren Eltern, bis sich plötzlich die Gelegenheit zur subtilen Rache auftut ...

Produktinformation


  • Verlag: Btb
  • 2007
  • Ausstattung/Bilder: 2007. 98 S.
  • Seitenzahl: 112
  • btb Bd.73578
  • Deutsch
  • Abmessung: 187mm x 118mm x 12mm
  • Gewicht: 125g
  • ISBN-13: 9783442735785
  • ISBN-10: 3442735785
  • Best.Nr.: 22812948
"Eine hinreißende Milieustudie über ehrgeizige Neureiche und ein einfühlsames Porträt einer unglücklichen Pubertierenden." (Hamburger Abendblatt)

"Ein nüchterner, sezierender Blick - ohne Mitleid und ohne Moral."

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 15.10.2005

Warten auf die Barbaren
Der große Roman über die Stunde Null nach der Niederlage: Irène Némirovsky schildert in "Suite française" die Zeit der Okkupation

Große Epochenromane, sagt man, verstünden es, Schicksal, Anekdote und kosmische Indifferenz in einer einzigen Wellenbewegung über die Seite zu rollen. Bitte schön. Dienstag, der 4. Juni 1940. "Warm, dachten die Pariser." Es ist Nacht. Die nicht schlafen, Kranke, Mütter mit tränenwelken Augen, hören wie ein Seufzen den ersten Atemzug der Sirene, bevor sie durch den ganzen Himmel heult. Der Krieg ist noch fern. Tags zuvor sind aber zum ersten Mal Bomben gefallen. "Alarm?" murmelt ein halb noch träumender Mann. Frauen sind flinker und heben warme kleine Körper aus den Betten, die sie mit der Taschenlampe hastend über verdunkelte Treppenhäuser hinabtragen. Türschlagen, Geflüster, Gewimmel in den Metrostationen der volkstümlichen Viertel, während die Reichen mit aufgerichtetem Körper wie unruhige Tiere zur Jagdzeit nachts im Wald bei ihren Pförtnern auf die Bombeneinschläge horchen. Die unbeirrbar dahinfließende Seine scheint alles Licht der Stadt in sich gezogen zu haben und läßt es …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Als "große Erzählliteratur" feiert Rezensent Joseph Hanimann diese "subtil" erzählte Novelle über eine "diabolische" Mutter-Tochter-Beziehung im Pariser Bürgermilieu. Die französisch-russische Autorin Irene Nemirovsky, die 1942 als Jüdin in Auschwitz ermordet wurde, habe ihre "enorme" Begabung an Tolstoi und Balzac geschult und sei 1929 in Frankreich bereits mit 26 Jahren mit ihrem Roman "David Golder" berühmt geworden. Der Rezensent lobt auch die neue Übersetzung dieser 1930 zuerst im Original erschienen Novelle als "magistral" und betrachtet ihre Neuausgabe als Aufforderung, dieser "viel zu schnell vergessenen" großen Autorin "reichlich Platz" im Bücherregal freizuräumen.

© Perlentaucher Medien GmbH
Irène Némirovsky wurde 1903 als Tochter eines reichen russischen Bankiers in Kiew geboren und kam während der Oktoberrevolution nach Paris. Dort studierte sie französische Literatur an der Sorbonne. Irène heiratete den weißrussischen Bankier Michel Epstein, bekam zwei Töchter und veröffentlichte ihren Roman "David Golder", der sie schlagartig berühmt und zum Star der Pariser Literaturszene machte. Viele weitere Veröffentlichungen folgten. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach und die Deutschen auf Paris zu marschierten, floh sie mit ihrem Mann und den Töchtern in die Provinz. Während der deutschen Besetzung erhielt sie als Jüdin Veröffentlichungsverbot. In dieser Zeit arbeitete sie an einem großen Roman über die Okkupation. Am 13. Juli 1942 wurde Irène Némirovsky verhaftet und starb wenige Wochen später in Auschwitz. 2005 entzifferte Némirovskys Tochter Denise Epstein das Manuskript, das als 'Suite française' veröffentlicht und zur literarischen Sensation wurde. Mit "Jesabel", ein Buch über die Sucht nach Jugend und Schönheit, erschien 2006 Némirovskys zweiter Roman bei Knaus.

Leseprobe zu "Der Ball" von Irène Némirovsky

Als Madame Kampf das Studierzimmer betrat, zog sie die Tür derart schroff hinter sich zu, daß der Kristallüster im Luftzug klingelte wie reines, leises Glöckchengeläut. Doch Antoinette, die so tief über das Pult gebeugt saß, daß ihr Haar die Buchseite streifte, hatte nicht aufgehört zu lesen. Ihre Mutter sah sie einen Augenblick wortlos an; dann baute sie sich vor ihr auf, die Arme vor der Brust verschränkt.
"Du könntest dir die Mühe machen aufzustehen, wenn du deine Mutter siehst, mein Kind", fuhr sie sie an. "Oder vielleicht nicht? Klebt dein Hintern am Stuhl fest? Wie vornehm... Wo ist Miss Betty?"
Im Nebenzimmer begleitete das Surren einer Nähmaschine ein Lied, What shall I do, what shall I do when you ll be gone away, das von einer unbeholfenen, frischen Stimme geträllert wurde.
"Miss", rief Madame Kampf, "kommen Sie mal her."
"Yes, Mrs. Kampf."
Die kleine Engländerin mit den roten Wangen, den verschreckten, sanften Augen und einem honigblonden, um das runde Köpfchen geschlungenen Haarkranz schlüpfte durch den Türspalt herein.
"Ich habe Sie eingestellt", setzte Madame Kampf streng an, "damit Sie meine Tochter beaufsichtigen und unterrichten, nicht wahr? Und nicht, damit Sie sich Kleider nähen... Weiß Antoinette etwa nicht, daß man aufsteht, wenn die Mutter hereinkommt?"
"Oh! Ann-toinette, how can you?" säuselte die Miss bekümmert.
Antoinette war inzwischen aufgestanden und schaukelte linkisch auf einem Bein. Sie war ein großes, kaum entwickeltes Mädchen von vierzehn Jahren, mit dem typischen blassen Gesicht dieses Alters, so blutarm, daß es in den Augen der Erwachsenen wie ein heller runder Fleck wirkt: unausgeprägte Züge, gesenkte Lider, Augenringe, ein verschlossener kleiner Mund... Vierzehn Jahre, die Brüste, die unter dem engen Schülerinnenkleid wachsen und den schwachen, kindlichen Körper stören und plagen... Die großen Füße und diese langen Röhren mit den roten Händen, den tintenbefleckten Fingern daran,
die eines Tages vielleicht die schönsten Arme der Welt sein werden, wer weiß?... Ein zarter Nakken, darüber kurzes, farbloses Haar, trocken und leicht.
"Wirklich, Antoinette, deine Manieren sind zum Verzweifeln, mein armes Kind... Setz dich. Ich komme jetzt noch einmal herein, und du wirst mir den Gefallen tun, sofort aufzustehen, verstanden?"
Madame Kampf trat ein paar Schritte zurück und öffnete die Tür ein zweites Mal. Antoinette erhob sich langsam und so offensichtlich widerwillig, daß ihre Mutter drohend den Mund zusammenkniff und scharf fragte: "Hat Mademoiselle vielleicht etwas dagegen?"
"Nein, Maman", antwortete Antoinette leise.
"Warum ziehst du dann so ein Gesicht?"
Antoinette zwang sich zu einem schwachen Lächeln, das ihre Züge schmerzlich verzerrte. Manchmal haßte sie die Erwachsenen so sehr, daß sie sie am liebsten umgebracht oder ihnen das Gesicht zerkratzt hätte, sie hätte aufstampfen und schreien mögen: "Nein, rutsch mir doch den Buckel runter!" Doch sie fürchtete ihre Eltern von frühester Kindheit an.Als Antoinette noch kleiner war, da hatte ihre Mutter sie oft auf den Schoß genommen, an ihr Herz gedrückt, gestreichelt und geküßt. Aber das hatte Antoinette vergessen. Hingegen hatte sie tief in ihrem Inneren den Klang einer zornigen Stimme bewahrt, die über ihren Kopf hinweg zeterte, "daß mir diese Kleine dauernd zwischen den Füßen herumlaufen muß...", "schon wieder hast du mit deinen dreckigen Schuhen mein Kleid beschmutzt! Ab in die Ecke, damit du es endlich lernst, hörst du? Dummes Balg!", und eines Tages damals hätte sie zum ersten Mal sterben mögen bei einem Streit an einer Straßenecke jenen wütenden Satz, so laut herausgeschrien, daß sich die Passanten nach ihnen umgedreht hatten: "Willst du eine Ohrfeige? Ja?", und ihre brennende Wange... Mitten auf der Straße... Sie war elf Jahre alt und groß für ihr Alter... Die Passanten, die Erwachsenen, das war nicht so schlimm; aber genau in diesem Moment waren ein pa

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  • 2007
  • Ausstattung/Bilder: 2007. 98 S.
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  • btb Bd.73578
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  • Abmessung: 187mm x 118mm x 12mm
  • Gewicht: 125g
  • ISBN-13: 9783442735785
  • ISBN-10: 3442735785
  • Best.Nr.: 22812948

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Kurzbeschreibung

Paris 1926. Das Ehepaar Kampf plant einen großen Ball, der ihren Aufstieg in die feine Pariser Gesellschaft besiegeln soll. Seit die Familie unerwartet zu Reichtum gekommen ist, will Madame ihr Leben endlich in vollen Zügen genießen. Ihre halbwüchsige Tochter, die lebenshungrige 14-jährige Antoinette, ist ihr dabei nur im Weg. Sie darf an dem großen Fest nicht teilnehmen. Antoinette grollt ihren Eltern, bis sich plötzlich die Gelegenheit zur subtilen Rache auftut ...

Beschreibung

Irène Némirovsky - die sensationelle Wiederentdeckung einer großartigen Autorin

Paris 1926. Das Ehepaar Kampf plant einen großen Ball, der ihren Aufstieg in die feine Pariser Gesellschaft besiegeln soll. Seit die Familie unerwartet zu Reichtum gekommen ist, will Madame ihr Leben endlich in vollen Zügen genießen. Ihre halbwüchsige Tochter, die lebenshungrige 14-jährige Antoinette, ist ihr dabei nur im Weg. Sie darf an dem großen Fest nicht teilnehmen. Antoinette grollt ihren Eltern, bis sich plötzlich die Gelegenheit zur subtilen Rache auftut ...

Leseprobe zu "Der Ball" von Irène Némirovsky

Als Madame Kampf das Studierzimmer betrat, zog sie die Tür derart schroff hinter sich zu, daß der Kristallüster im Luftzug klingelte wie reines, leises Glöckchengeläut. Doch Antoinette, die so tief über das Pult gebeugt saß, daß ihr Haar die Buchseite streifte, hatte nicht aufgehört zu lesen. Ihre Mutter sah sie einen Augenblick wortlos an; dann baute sie sich vor ihr auf, die Arme vor der Brust verschränkt.
"Du könntest dir die Mühe machen aufzustehen, wenn du deine Mutter siehst, mein Kind", fuhr sie sie an. "Oder vielleicht nicht? Klebt dein Hintern am Stuhl fest? Wie vornehm... Wo ist Miss Betty?"
Im Nebenzimmer begleitete das Surren einer Nähmaschine ein Lied, What shall I do, what shall I do when you ll be gone away, das von einer unbeholfenen, frischen Stimme geträllert wurde.
"Miss", rief Madame Kampf, "kommen Sie mal her."
"Yes, Mrs. Kampf."
Die kleine Engländerin mit den roten Wangen, den verschreckten, sanften Augen und einem honigblonden, um das runde Köpfchen geschlungenen Haarkranz schlüpfte durch den Türspalt herein.
"Ich habe Sie eingestellt", setzte Madame Kampf streng an, "damit Sie meine Tochter beaufsichtigen und …

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15.10.2005

Warten auf die Barbaren
Der große Roman über die Stunde Null nach der Niederlage: Irène Némirovsky schildert in "Suite française" die Zeit der Okkupation

Große Epochenromane, sagt man, verstünden es, Schicksal, Anekdote und kosmische Indifferenz in einer einzigen Wellenbewegung über die Seite zu rollen. Bitte schön. Dienstag, der 4. Juni 1940. "Warm, dachten die Pariser." Es ist Nacht. Die nicht schlafen, Kranke, Mütter mit tränenwelken Augen, hören wie ein Seufzen den ersten Atemzug der Sirene, bevor sie durch den ganzen Himmel heult. Der Krieg ist noch fern. Tags zuvor sind aber zum ersten Mal Bomben gefallen. "Alarm?" murmelt ein halb noch träumender Mann. Frauen sind flinker und heben warme kleine Körper aus den Betten, die sie mit der Taschenlampe hastend über verdunkelte Treppenhäuser hinabtragen. Türschlagen, Geflüster, Gewimmel in den Metrostationen der volkstümlichen Viertel, während die Reichen mit aufgerichtetem Körper wie unruhige Tiere zur Jagdzeit nachts im Wald bei ihren Pförtnern auf die Bombeneinschläge horchen. Die unbeirrbar dahinfließende Seine scheint alles Licht der Stadt in sich gezogen zu haben und läßt es …

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Perlentaucher-Notiz zur FAZ-Rezension

15.10.2005

Als "große Erzählliteratur" feiert Rezensent Joseph Hanimann diese "subtil" erzählte Novelle über eine "diabolische" Mutter-Tochter-Beziehung im Pariser Bürgermilieu. Die französisch-russische Autorin Irene Nemirovsky, die 1942 als Jüdin in Auschwitz ermordet wurde, habe ihre "enorme" Begabung an Tolstoi und Balzac geschult und sei 1929 in Frankreich bereits mit 26 Jahren mit ihrem Roman "David Golder" berühmt geworden. Der Rezensent lobt auch die neue Übersetzung dieser 1930 zuerst im Original erschienen Novelle als "magistral" und betrachtet ihre Neuausgabe als Aufforderung, dieser "viel zu schnell vergessenen" großen Autorin "reichlich Platz" im Bücherregal freizuräumen.

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Rezension

"Eine hinreißende Milieustudie über ehrgeizige Neureiche und ein einfühlsames Porträt einer unglücklichen Pubertierenden." (Hamburger Abendblatt)

Rezensionen und Kritik

"Ein nüchterner, sezierender Blick - ohne Mitleid und ohne Moral."

Autorenporträt zu "Irène Némirovsky"

Irène Némirovsky, geb. 1903 als Tochter eines reichen russischen Bankiers in Kiew geboren, kam während der Oktoberrevolution nach Paris. Dort studierte sie französische Literatur an der Sorbonne. Irène heiratete den weißrussischen Bankier Michel Epstein, bekam zwei Töchter und veröffentlichte ihren Roman 'David Golder', der sie schlagartig berühmt und zum Star der Pariser Literaturszene machte. Viele weitere Veröffentlichungen folgten. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach und die Deutschen auf Paris zu marschierten, floh sie mit ihrem Mann und den Töchtern in die Provinz. Während der deutschen Besetzung erhielt sie als Jüdin Veröffentlichungsverbot. In dieser Zeit arbeitete sie an einem großen Roman über die Okkupation. Am 13.7.1942 wurde Irène Némirovsky verhaftet und starb wenige Wochen später in Auschwitz. 2005 entzifferte Némirovskys Tochter Denise Epstein das Manuskript, das als Suite française veröffentlicht und zur literarischen Sensation wurde.

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