Denken wir uns - Gernhardt, Robert

Robert Gernhardt 

Denken wir uns

Erzählungen

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Denken wir uns

Der große Dichter und Denkspieler Robert Gernhardt lädt den Leser noch einmal in die von ihm ver- und bedichtete Welt ein: in den verschatteten Lesesaal einer toskanischen Abtei nahe Montaio, ans Weltgericht, vor dem Norbert Gamsbart Rede und Antwort stehen muss, in Jan Vermeers Atelier nach Delft und immer wieder in die Mainmetropole, in die Runde dreier Freunde, die sich mit Geschichtsrosinen aus dem Lebenskuchen zu überbieten versuchen. Vor allem aber ist dieser Band eine letzte Hommage des Dichters an seine Leser: Denken wir uns euch, das Salz der Erde nicht nur, sondern den Dünger jedweder Kunst. An wen wollten wir uns denn wenden, wenn es euch nicht gäbe?


Produktinformation

  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 240 S.
  • Seitenzahl: 240
  • Fischer Taschenbücher Bd.17671
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 121mm x 20mm
  • Gewicht: 222g
  • ISBN-13: 9783596176717
  • ISBN-10: 3596176719
  • Best.Nr.: 23820555
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 21.04.2007

Die noch vergänglicheren Fliegen
„Denken wir uns” – Robert Gernhardts letzter, kurz vor dem Tod beendeter Prosaband
Die Umschläge seiner Bücher hat Robert Gernhardt immer selbst gestaltet. Lustige Tiere waren auf ihnen zu sehen, Kasperlefiguren, manchmal auch vom Licht durchflutete toskanische Landschaften. Etwas anders blickt nun „Denken wir uns” dem Leser entgegen. Der Stil ist vertraut, das Sujet aber hat sich verändert. Vor einem azurblauen Himmel stehen dunkle Wolken, hinter denen sich, wie ein weißes Strahlen erkennen lässt, die Sonne verborgen hat. Das Bild spricht von Ferne und Abschied; gezeichnet hat es Per Gernhardt, der Bruder des im letzten Sommer verstorbenen Autors.
Im Himmel beginnt auch „Denken und Spielen”, das erste der 26, überwiegend sehr kurzen Prosastücke. Vier göttliche „Unterinstanzen” treten vor den Herrn und bitten darum, eine „Jahrhundertgestalt” erschaffen zu dürfen. Dem Wunsch wird gnädig stattgegeben, ebenso seinem Zusatz: Vier gewöhnliche Menschen sollen an dem Glanz des einzigartigen teilhaben. Also kommt Franz Kafka in die Welt – und immer noch erinnern wir uns dank ihm an seine unangenehme …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 07.04.2007

Meister Gamsbardis letzte Spiele

Der Ruhm, seine Vergänglichkeit und die Mühe, die es kostet, ihn zu erwerben - das sind zentrale Themen in Robert Gernhardts letztem Prosaband "Denken wir uns". Der Titel ist Programm: Der Zeichner und Dichter erkundet hier noch einmal spielerisch den Reiz der literarischen Imagination.

Von Friedmar Apel

Die Lebenslust, die Robert Gernhardt noch in Zeiten der Krankheit versprühen konnte, war immer auch Lust an der Pointe und ihrer Wirkung auf das Gegenüber. Nach dem Gedichtband "Später Spagat" (F.A.Z. vom 22. Juli 2006) erscheint mit "Denken wir uns" nun das zweite Buch, das er bis kurz vor seinem Tod im Sommer 2006 noch selbst zusammengestellt hat. Die Lust an der Pointe hat ihn offenbar bis zuletzt nicht verlassen, aber unter den Umständen zielen viele von ihnen auf den Tod, als sollte der Gevatter, mit dem sich der Dichter schon lange duzte, schnell noch einmal verspottet werden. Die Aufforderung an die Leser, "das Salz der Erde" gleichwohl fröhlich zu lesen, ist so nicht leicht zu befolgen. Sie schlägt in Beklemmung um, wenn ein Schriftsteller im Buch auf die Frage, wie er denn mit sich und der Welt …

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Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Es ist in diesem postum erschienenen Band, so Christoph Haas, gewiss kein neuer Gernhardt zu entdecken. Themen und Formen sind aus dem bisherigen Werk wohl vertraut. Dennoch aber lohne es sich, diese "Reprisen" zu lesen. Was Gernhardt zuvor nämlich in Gestalt von Roman ("Ich Ich Ich") oder Erzählungen ("Glück Glanz Ruhm") verhandelt habe - Fragen nach der Aufgabe des Dichters und der Dauer seines Werks -, sei hier zu kurzen und kurzweiligen Texten "verknappt". Ob diese freilich eher als essayistisch oder erzählerisch zu betrachten sind, das bleibt, so Haas, programmatisch unklar und offen - man müsse dies aber als Hinweis darauf nehmen, dass sie Gernhardt wichtiger waren als sie der Leichtigkeit des Tons nach scheinen. Der Begeisterung des Rezensenten tut diese Unklarheit auch keinerlei Abbruch. Zwar gebe es "ambitioniertere" Werke des  Autors, "vergnüglichere" aber nicht.

© Perlentaucher Medien GmbH
Robert Gernhardt, geb. am 13. Dezember 1937 in Reval (heute Tallinn/Estland), studierte Malerei und Germanistik in Stuttgart und Berlin. 1964 zog er nach Frankfurt am Main und trat in die Redaktion der satirischen Zeitschrift 'Pardon' ein. Hier erfand Robert Gernhardt zusammen mit F.K. Waechter und Fritz Weigle die Nonsense-Doppelseite 'Welt im Spiegel' (WimS). 1979 war er Mitbegründer der satirischen Monatsschrift 'Titanic'. Ab 1966 arbeitete Robert Gernhardt als freier Lyriker und Schriftsteller, Maler und Zeichner, Theoretiker und Kritiker. Robert Gernhardt wurde mit zahlreichen Preisen und Ehrungen ausgezeichnet, darunter mit dem Bertolt-Brecht-Preis (1998), dem e.o.plauen Preis (2002), dem Heinrich-Heine-Preis (2004) und dem Wilhelm-Busch-Preis (2006). Robert Gernhardt ist am 30. Juni 2006 in Frankfurt am Main gestorben.

Leseprobe zu "Denken wir uns"

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