»Ingvar Ambjørnsen hat einen gut komponierten, anregenden Roman geschrieben, der zum Staunen und Nachdenken anregt. Vor allem darüber, was sich in den Seelenwinkeln einer Gestalt verbirgt, von der wir einfach fasziniert sein müssen. Wir würden gern mehr wissen. Aber das kann ja noch kommen.« Aftenposten
Ingvar Ambjørnsen hat einen gut komponierten, anregenden Roman geschrieben, der zum Staunen und Nachdenken anregt. Vor allem darüber, was sich in den Seelenwinkeln einer Gestalt verbirgt, von der wir einfach fasziniert sein müssen. Wir würden gern mehr wissen. Aber das kann ja noch kommen.
 | Besprechung von 08.10.2012 |
Ein dicker, kalter Nebel legt sich über Stock und SteinDie Ruhe nach dem Medienrummel: In seinem Roman "Den Oridongo hinauf" erzählt Ingvar Ambjørnsen von einem Mann, der in der Einöde Norwegens so hartnäckig wie vergebens nach innerem Frieden sucht.
Der Oridongo muss ein seltsamer Fluss sein. Der Norweger Ulf Vagsvik ist ihn mal bis zur Quelle hinaufgefahren und hat auf der Reise alles von Kjell Askildsen, dem "skandinavischen Beckett", gelesen, seine Haare verloren und sich einen neuen Namen zugelegt - sein alter lag hinter ihm "wie ein geprügelter Hund mit gebrochenem Rücken". Nach diesem Abschied von seiner Vergangenheit hielt er es, der "die offenen Bürolandschaften und die wechselnden Winde an der Börse am Ende satt hatte", nicht länger in der Hauptstadt des Landes aus.
Zum Auftakt des Romans "Den Oridongo hinauf" von Ingvar Ambjørnsen strandet der fünfzig Jahre alte Held auf der Insel Vaksøy im Nordwesten Norwegens, wo er Ruhe sucht. Erste Anlaufstation ist seine Brieffreundin Berit, die unlängst ihren Mann Magne verloren hat. Zunächst sieht es so aus, als könnten die beiden mit der Vergangenheit Frieden schließen und …
Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension
Reinhard Helling bleibt recht allgemein in seiner Besprechung des 2009 im Original erschienenen, jetzt auf Deutsch erschienenen Romans des norwegischen Erfolgsautors Ingvar Ambjörnsen, den man hierzulande noch gar nicht so wahnsinnig gut kennt. In Ambjörnsens neuem Buch geht es um die Flucht in die Natur, laut Helling hat der Autor zu diesem Zweck eigens ein Eiland erfunden und seinen Ton an Knut Hamsun angelehnt, darüber aber auch seine sozialkritische Ader nicht vergessen. Der Held, ein Aussteiger aus der Finanzwelt, sucht Ruhe, um die Ereignisse seiner letzten Afrika-Reise zu verarbeiten, gerät aber in neue Verwicklungen, auch amouröser Art. Das Buch liest Helling als Reaktion des Autors auf den Rummel um sein Werk, vor allem die Elling-Romane, und seine Person, einen regelrechten Kult, wie Helling schreibt, dem der Autor mit diesem Buch möglicherweise zu entfliehen sucht.
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"Sprachlich ungeheuer leicht und elegant"
Christine Westermann, WDR3
"Dies ist Ambjørnsens Meisterstück. Der gute alte Elling-Sound in einer Art Lebensgemeinschaft mit dem Krimi-Verfasser Ambjørnsen. Es ist, als habe Elling sich in der Figur Ulf Vagsvik neu erfunden, eine zupackend furchtlosere Identität gesucht. Wieder einmal hat man sofort rasende Angst um ihn, ob er es nicht doch alles verdirbt durch seine Dünnhäutigkeit, sein rasches Eingeschnappt- und Beleidigtsein. Allein Ulf Vågsvik hat begriffen, dass es im Leben offenbar darum geht, Schritt vor Schritt zu setzen, so viele Stunden pro Tag wie möglich, die alten Ängste in Schach zu halten und sich selbst als nützlich in der Gemeinschaft zu empfinden. Ein bisschen Ulf ist vielleicht in jedem von uns. Es wäre gut zu sagen: Wir lieben ihn.
Wir sind jetzt wieder Freunde, meinte der Autor zu seiner Rückkehr zum Nautilus Verlag. Auch das ist ein Glück."
Annemarie Stoltenberg, NDR Kultur
"Ein federleichter entzückender Gegenwartsroman. (...) Solange solche Autoren die Welt bevölkern, ist sie noch nicht verloren. (Hoffentlich.)"
Ellen Pomikalko, BuchMarkt
Ingvar Ambjørnsen, geboren 1956 im südnorwegischen Tonsberg, war Schriftsetzer, Gärtner, Fabrikarbeiter und Pfleger in einer psychiatrischen Klinik. Der Autor lebt seit 1985 zusammen mit seiner Frau und Übersetzerin Gabriele Haefs in Hamburg. 1996 erhielt Ingvar Ambjörnsen den Brage-Preis des Norwegischen Verlegerverbandes.
Leseprobe zu "Den Oridongo hinauf" von Ingvar Ambjørnsen
Danach sitzen wir unten im Halbdunkel und hören Jazz. Dann das Nebelhorn draußen auf Skarven. Dieser Klang hat etwas zutiefst Melancholisches. Wie trauriges Gebrüll in der Nacht. Tagsüber fällt es mir fast nicht auf, aber abends, wenn der Klang des Horns sich zum Beispiel mit dem von Miles Davis mischt, der in sein Horn bläst Dann entwickelt sich im Wohnzimmer eine seltsame Stimmung. Und ich denke, dass diese Stimmung weder gut noch schlecht ist. Dass sie alles überdeckt. Von außen. An einem dieser Abende sagt sie: "Dass mir so einer wie du begegnen sollte!" Nur dieser eine Satz, der gewissermaßen im Raum hängen bleibt. Und ich merke zu meiner Verwunderung, dass ich ihn einfach hängen lasse. Sie sieht mich an und lächelt, den Kopf ein wenig schräg gelegt. Wie so oft, denke ich. Aber das hier ist etwas anderes, etwas Neues. Einer wie du.Es ist eine Wortkombination, die ich bisher nicht ertragen konnte. Das hat seine Gründe. Ich habe sie in meinem Leben so oft gehört, immer war sie