In einer Welt, in der die Distanz zwischen den Kulturen geschrumpft
ist, wird der Körper zur Leitwährung des Denkens; denn dass wir
alle einen Körper haben, lässt sich als gemeinsamer Nenner über
alle kulturellen Schranken hinweg voraussetzen. Neun Forscherinnen
und Forscher aus Philosophie, Medientheorie, Kunstgeschichte,
Literatur und Kulturwissenschaft beschreiben den Körper aus dem
Blickwinkel ihres Fachs.
Unser Körper sei das Buch, aus dem wir alles lesen können, worüber
wir als Sinnenwesen intim Bescheid wissen. Doch mit der Intimität,
die uns über den Körper verbindet, kommt zugleich jene alte
Ambivalenz ins Spiel, die Sigmund Freud im Begriff des Heiligen
erkannte: Das lateinische sacer benennt eine Zone, wo sowohl das
unanständig Verfehmte als auch das unirdisch Erhabene innewohnt.
Beängstigende Aktualität hat heute der Körper als Geisel der
Biopolitik von Diktatoren und Terroristen. Zugleich ist unser
Körper die Werkstatt der Welt; er schafft dem Denken den Raum
sinnlicher Erfahrung. Er ist Resonanzkörper, der die Welt um mich
herum überhaupt erst entstehen lässt.
Beat Wyss, geboren 1947 geboren in Basel. Studium der Kunstgeschichte, Philosophie und deutscher Literatur in Zürich. Seit Oktober 2004 Professor für Kunstwissenschaft und Medientheorie and der HfG Karlsruhe. Zahlreiche Veröffentlichungen.
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