Erst jenseits eines phänomenologischen Essentialismus kehren sich
die (platonischen Vorzeichen der Dekadenz, des Abfalls um: vom
Verfall zum Reichtum der Erscheinungen, von einer Abnahme der
Lebenskraft zu einem - wie schon Nietzsche hellsichtig eingestehen
muß - "Wachstum an Leben", und gerade das, was als
'Abfall' in des Wortes konkretischem Wegfall-Sinn firmiert,
avanciert zum Träger unerwarteter Epiphanien. Vom
"schäbigen", wiewohl einspruchsmächtigen "Rest"
(I über die ausdrücklich "kleinen Helden" (IV der
nichtsdestotrotz großen Abenteuer auf Leben und Tod bis hin zu dem,
was "en desuetude" ist (V, zwar funktionslos aber der
tödlichen Entmischung entkommen, und so sein Schicksal teilt mit
Reflexion, spannt sich der Bogen der Untersuchung.
Die Autorin hat es verstanden, diese Spannung in einem
synästhetisch-epiphanischen Gewebe zu verdichten, das sie ebenso
mimetisch wie analytisch zum Reden bringt (demonstrativ in ihren
Bildmontagen im Materialienband oder in Textcollagen wie der
ungewöhnlich hallenden, so als wäre sie in einen leeren Raum
gesprochen, ihrer "Hamlet-Synopse" oder in der
Nachzeichnung der Lichtqualitäten, vom Aufklärungslicht bis zum
Gespensterlicht getanzter Selbstreflexion, im Tanzexkurs
"subsTanz" und dem sie, trotz und dank der vielen von ihr
ausprobierten Facetten, eine singularische Qualität abgewinnt: die
des Aufbruchs in die europäische Kunst-Moderne.
Georges Didi-Huberman, geboren 1953, ist Philosoph und Kunsthistoriker an der École des Hautes Études en Sciences Sociales, Paris. Knut Ebeling, geboren 1970, ist Philosoph am Seminar für Ästhetik der Humboldt-Universität zu Berlin und leitet dort das Forschungsprojekt "Archive der Vergangenheit. Wissenstransfers zwischen Archäologie, Philosophie und Künsten".
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