Das Wochenende - Schlink, Bernhard

Bernhard Schlink 

Das Wochenende

Roman

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Das Wochenende

Nach 20-jähriger Haft hat ihn der Bundespräsident begnadigt. Zum ersten Wochenende in Freiheit lädt seine Schwester die alten Freunde ein. Für sie ist das Leben weitergegangen. Und für ihn? Was bleibt von der Zeit der Gewalt? Legenden? Bewältigung? Sprachlosigkeit?


Produktinformation

  • Verlag: Diogenes
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 224 S.
  • Seitenzahl: 240
  • detebe Diogenes Taschenbücher Nr.23965
  • Deutsch
  • Abmessung: 181mm x 113mm x 18mm
  • Gewicht: 202g
  • ISBN-13: 9783257239652
  • ISBN-10: 3257239653
  • Best.Nr.: 26370659

Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Streng geht Burkhard Müller mit Bernhard Schlinks jüngstem Buch ins Gericht. Der Autor lässt darin einen begnadigten RAF-Terroristen mit alten Weggenossen ein Wochenende in Brandenburg verbringen, wo sie sich über die alten Zeiten unterhalten, fasst der Rezensent zusammen. Hier wird die Vergangenheit im Geist des "Klassentreffens" zu bewältigen gesucht, und wenn die Freunde von damals nostalgisch über Aktionen von einst plaudern, atmet das für den abgestoßenen Müller die Atmosphäre von Pennälerscherzen. Die Figuren bleiben genauso leblos wie ihre Erklärungsversuche, was ihre radikale Vergangenheit angeht, und der Rezensent wirkt regelrecht angewidert vom "Besinnungsaufsatz"-Ton, der sich nicht selten in dem Buch Bahn bricht. Entlarvend findet Müller, wie Schlink die Täter von einst für ihre Verbrechen büßen lässt, so wird der begnadigte Terrorist von Prostatakrebs heimgesucht. Als im hohen Maße unaufrichtig und unangenehm gut gemeint empfindet der Rezensent diese Auseinandersetzung mit den mordenden RAF-Aktivisten und ihren Sympathisanten und deshalb wünscht er diesem Buch boshaft auf den Hals, dass es zur Schullektüre werde und man ihm - zur Strafe - die "gelangweilte Verachtung" angedeihen lässt, die es seiner Ansicht nach verdient.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 01.03.2008

Täter, die im Regen stehen

Im Haus der Geschichte der Bundesrepublik treffen sich die Generationen: Bernhard Schlink macht in seinem neuen Roman der RAF den Prozess und führt die Parteien am Ende zur Versöhnung.

Von Richard Kämmerlings

Bernhard Schlink, Jurist und Bestseller-Autor hat einen Roman zur Debatte um die Begnadigung der RAF-Terroristen geschrieben, die im vergangenen Frühjahr ihren Höhepunkt erreichte: Während Brigitte Mohnhaupt im März auf Bewährung freigelassen wurde, lehnte der Bundespräsident im Mai das Gnadengesuch Christian Klars ab. Schlink hat beeindruckend schnell gearbeitet; so dicht dran an aktuellen politischen Ereignissen sind Romanciers, selbst so handwerklich routinierte wie Schlink, selten.

Dem Eindruck, dass die deutsche Gegenwartsliteratur ein Problem mit der Gegenwart hat, widerspricht diese Reaktionsgeschwindigkeit allerdings nicht. Denn einerseits geht es bei Schlink natürlich wieder einmal vor allem um die deutsche Vergangenheit, andererseits ist höchst aufschlussreich, wie sich der Erfolgsautor seinem Stoff nähert - nämlich in der Form des Familienromans beziehungsweise seiner ursprünglich …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 27.02.2008

Ein Terrorist beim Klassentreffen
„Das Wochenende”: In seinem neuen Roman fragt Bernhard Schlink nach der Wahrheit der RAF-Sympathisanten
Betrachtet man rückblickend den deutschen Terrorismus, so bleibt das Erstaunlichste an ihm, dass eine so kleine Gruppe von Leuten eine so weitreichende Wirkung ausüben konnte. Sie taten es, indem sie behaupteten, dass der Staat, statt auf dem Gesellschaftsvertrag, wie von ihm selbst beansprucht, vielmehr auf Gewalt beruhe, und ihn zwingen wollten, es zu zeigen. Und es gelang ihnen, den Wahrheitsbeweis für ihre These anzutreten: Ein Staat, der nicht bereit ist zu töten, ist keiner.
30 Jahre später scheint die Zeit gekommen zu sein, dieses peinliche Faktum wieder zuzudecken. Man fasst nicht mehr die Frage von damals ins Auge, sondern die geringe Zahl derjenigen, die sie gestellt haben. Vor dreißig Jahren nahmen Staat und Terroristen einander als politische Feinde ernst. Die RAF loste es aus, wer aus ihrer Mitte jeweils den tödlichen Schuss zu setzen hatte, denn das galt ihr nur als ein Glied in der Handlungskette des bewaffneten Kampfs; und die Gerichte folgten ihr insofern, als sie alle Beteiligten unterschiedslos …

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Bernhard Schlink, geboren 1944 in Bielefeld, aufgewachsen in Heidelberg. Jurastudium dort und in Berlin, danach wissenschaftlicher Assistent. Erste Professur für VerfR und VerwR in Bonn, dann in Frankfurt. 1988 Richter des VerfGH für das Land NRW. Nach der Wende 1989 in Berlin tätig. Heute Professor für öffentliches Recht und Rechtsphilosophie an der Humboldt-Universität in Berlin und Richter am LVerfGH in Münster. Zunächst Fachbuch-, dann Romanveröffentlichungen. Auszeichnungen: 1989 Glauser Autorenpreis für deutschsprachige Kriminalliteratur ("Die gordische Schleife"), 1992 Deutscher Krimi-Preis ("Selbs Betrug"), 1997 Hans-Fallada-Preis der Stadt Münster, Italiens 'Grinzane Cavour' und Prix Laure Bataillon ("Der Vorleser"). 1999 erstmals den "Welt"-Literaturpreis, im Februar 2000 die Ehrengabe der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Gesellschaft.

Kundenbewertungen zu "Das Wochenende" von "Bernhard Schlink"

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Bewertung von triplexx aus Worms am 27.09.2010 ***** weniger gut
Im Mittelpunkt der Handlung steht der ehemalige RAF-Terrorist Jörg, der nach Verbüßung einer 20-jährigen Haftstrafe von seiner Schwester Christiane auf deren landsitz eingeladen wird. Dort erwarten ihn seine alten Gesinnungsgenossen, die aber, im Gegensatz zu Jörg, nicht den Schritt in die Radikalität wagten, sondern sich letztendlich für ein bürgerliches Leben entschieden. Nun sieht sich Jörg mit seiner Vergangenheit konfrontiert und muss sich für seine begangenen Mordanschläge rechtfertigen. Vermeitliche Unterstützung findet er in dem RAF-Sympathisanten Marko, der Jörg allerdings doch wieder für den radikalen Widerstand rekrutieren möchte. Jörgs genaue Einstellung zu seiner Vergangenheit und zur RAF bleibt bis zum Schluss im Dunkeln, da hilft auch sein eiligst in die Handlung hineinkonstruierte Sohn nichts, der dem Vater mit Vorwürfen überschüttet. Am Ende wird deutlich, dass Jörg an einer schweren Erkrankung leidet, aber das Grundproblem wird nicht gelöst und eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der RAF-Zeit findet nicht statt.
Anfnags war ich von der Grundidee des Romanes begeistert und bin mit einer großer Erwartungshaltung an das Buch herangegangen. Schon früh stellt sich aber heraus, dass meine Erwartungen nicht befriedigt werden würden. Konflikte, die angesprochen werden, werden nicht ausdiskutiert. Eine ehrliche, gut durchdachte Auseinandersetzung mit der RAF findet nicht statt. Die Hauptfigur Jörg bezieht nicht wirklich Stellung zu seiner Vergangenheit und wie er sein Leben fortführen will. Vieles in diesem Roman wirkt konstruiert und zusammengepuzzelt, die Handlung ist häufig sehr sprunghaft. Die Krönung des Ganzen wird durch die Schlussszene erreicht, indem die Protagonisten beseelt durch ein künstlich erzeugtes Gemeinschaftsgefühl gemeinsam den vollgelaufenen Keller leerschöpfen. Letztendlich fahren alle wieder nach Hause, ohne sich ernsthaft ihrern Konflikten gestellt zu haben. Dabei fragt man sich als Leser, warum dieses Wochenende eigentlich stattgefunden hat?
Geeignet ist dieses Buch für Leser, die sich durchn leichte Literatur an das RAF-Problem herantasten möchten. Für wirklich Interessierte ist dieser Roman eine Enttäuschung.

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