Das sexuelle Leben der Catherine M. - Millet, Catherine

Catherine Millet 

Das sexuelle Leben der Catherine M.

Aus d. Französ. v. Gaby Wurster
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Das sexuelle Leben der Catherine M.

Die sexuelle Autobiografie Catherine Millets war eines der spektakulärsten Bücher der letzten Jahre. Ob sie von Abenteuern im Bois de Boulogne, in Peepshows oder in den Appartements der arrivierten Pariser Kunstszene berichtet, stets verblüfft die international angesehene Kunstexpertin durch die gelassene Selbstverständlichkeit ihres Stils. Fest steht: So hat noch nie eine Frau über ihre Sexualität geschrieben!

beobachtet, über bevorzugte Praktiken reflektiert oder ihre sexuellen Phantasien bloßlegt, stets ist es, als richte sie den Blick von außen durch eine Kamera auf sich selbst. Die im SPIEGEL erschienene Rezension charakterisiert das Phänomen sehr zutreffend: "Die Radikalität dieses Berichts, der kein eigentliches Bekenntnis und schon gar keine Beichte ist, keine Provokation und keine Verherrlichung des Sexus, besteht in seiner totalen, unerhörten Gelassenheit. Weil Catherine M. überhaupt keine Scham kennt, kann sie auch nicht schamlos


Produktinformation

  • Verlag: GOLDMANN
  • 2003
  • Ausstattung/Bilder: 2003. 285 S.
  • Seitenzahl: 288
  • Goldmann Taschenbücher Bd.45543
  • Deutsch
  • Abmessung: 189mm x 118mm x 22mm
  • Gewicht: 226g
  • ISBN-13: 9783442455430
  • ISBN-10: 344245543X
  • Best.Nr.: 11265865
Sex<br /> Es gibt viele Arten, Sexualität zu beschreiben. Catherine Millet hat die wohl kälteste gewählt. In leidenschaftsloser Präzision nennt sie die Dinge phantasielos beim Namen und erlaubt sich dabei nur wenig Variationen. Selbst der vielgeschmähte Marquis de Sade empfand noch mehr Liebe für seine Opfer als Catherine M. für ihre ungezählten Geschlechtspartner.<br /> Es geht ihr dabei um Sexualität, die losgelöst von Person und Gefühl ist. Eine auch der Vernunft jenseitigen Lust. Doch gerade dieses Ideal Georges Batailles, des großen Erotikers unter den französischen Philosophen, kann sie nicht einlösen; immer behält die kalte Vernunft die Oberhand über ihre Orgasmen. "Wir lasen Bataille und legten uns zusammenfassend eine Philosophie zurecht." Was bei Bataille ein größtenteils doch geistiger Akt ist, wird von Millet reduziert auf den Akt selbst. So glaubt sie mit Hilfe der Anonymität und der schieren Masse ihrer Geschlechtspartner jenen vom Subjekt losgelösten Zustand des Eingehens in eine Art Weltharmonie erreichen zu können, der bei Bataille das Potential der Sexualität ist.<br /> Narzismus<br /> In den letzten Kapitel enthüllt sich denn auch die gewaltige Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit der Person Catherine M.: Ihr sexuelles Leben ist leer. So leer, wie es in den 260 Seiten davor zum Bersten gefüllt war mit detaillierten Schilderungen ihrer zahllosen, in unendlichen Variationen durchgeführten Kopulationen. Denn wirkliche Hingabe an den anderen ist ihr nicht möglich: "Der Körper, den ich hingab war nur ein Windhauch, und der, den ich liebte, ist immer noch Lichtjahre entfernt." Sie liebt nur sich selbst und die größte Lust bereitet sie sich selbst. Das wird ihr plötzlich klar, als sie über ihre eigene Sexualität und Orgasmusfähigkeit zu reflektieren beginnt und sich einen selbstgedrehten Pornofilm - mit ihre als Hauptdarstellerin - ansieht. Dieses Kapitel rundet das Buch ab, es ergänzt ihre sexuellen Memoiren durch den Blick von außen und macht es gleichsam "objektiv". Wie viele ihrer Zeitgenossinnen ist auch Catherine M. gefangen im elenden Loch des Narzismus, in dem es nur sie selbst gibt; sich zu öffnen ist ihr nicht mehr möglich: "Dass mein echter Körper ganz mit seinen vielen flüchtigen Bildern zusammenfiel, bereitete mir schon die höchste Lust." (Andreas Rötzer)<br/><br/>"Die Radikalität dieses lakonisch und minutiös geschriebenen Berichts besteht in seiner unerhörten Gelassenheit. Catherine Millet könnte einem Roman von Houellebecq entsprungen sein!"(Der Spiegel)<br/><br/>"Ein intelligentes, schonungsloses und ungewöhnlich freimütiges Buch!" (Mario Vargas Llosa)<br/><br/>"Dieses Buch wird ein Klassiker der französischen erotischen Literatur!" (Bernard Pivot)<br/><br/>

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 21.05.2002

Die Libertinage ist ein extrem kontrolliertes Spiel
Unsere Generation kannte noch Verbote und entdeckte die Lust der Übertretung: Ein Gespräch mit Christine Angot und Catherine Millet / Von Ingeborg Harms

Die französischen Autorinnen Christine Angot und Catherine Millet haben im vergangenen Jahr durch recht freizügige Bücher Furore gemacht. Während Angot im autobiographischen Roman "Inzest" von lesbischer Liebe und einer erotischen Beziehung zu ihrem Vater erzählt, berichtet die Kunstkritikerin Millet von libertinären Swinger-Kreisen und anonymen Gruppensex-Erfahrungen. Beide Werke gehören in eine Tradition literarischer Konfessionen, die den Moment des Schreibens als den Moment der Klarsicht, Ordnung und Erleuchtung feiert. Das Schreiben befreit von der Moral - hierin liegt ein Grundaxiom der französischen Belletristik, die seit Augustinus im Zeichen der Beichte steht: Wer die beschämende Wahrheit bekennt, der entledigt sich ihrer, der wird von Sünde frei.

Zur Beichte gehört nicht nur, daß die anderen erfahren, was sie immer vermutet haben, sondern auch, daß ihre Vorstellung durch die Zeugenschaft über den Haufen geworfen wird. …

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"Ein exzellentes Buch, ein verblüffendes Buch. Noch nie hat eine Frau das Wort ergriffen, um so über ihr sexuelles Leben zu erzählen."

Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Die einen sehen in Catherine Millets Werk "brillante Schonungslosigkeit", und die anderen finden es einfach banal, so der Rezensent Burkhard Müller. Letzteren schließt sich Müller an und argumentiert wie folgt: "Banal ist das Buch selbstverständlich in dem doppelten Sinn, dass es weder phänomenale Erkenntnisse bietet, noch als Motor unmittelbarer Erregung taugt". Dazu tauge nicht einmal die gefilmte Pornografie, die "sanft enttäuschende", meint Müller. Dem Buch gelinge es keinesfalls die "Philosophie des Boudoir" von Fanny Hill oder die Werke von Bataille und de Sade in den Schatten zu stellen. Und nicht einmal die Sprache gebe viel her, wofür die Beschreibung des "ärmlichen Interieurs einer Sexparty" stehe, die Millet als "kahle Wiege des Vögelns" beschreibe. Phantasielos, urteilt Müller. Das Einzige, das Burkhard dem Buch abgewinnen kann, ist ein "befreiendes Lachen", denn humorlos sei Millets Buch nicht.

© Perlentaucher Medien GmbH
Catherine Millet, geboren 1948, ist eine international renommierte Expertin für zeitgenössische Kunst und Chefredakteurin des avantgardistischen Pariser Kunstmagazins Art Press. Sie ist als Kuratorin internationaler Ausstellungen, u. a. der Biennale in Venedig und Sao Paolo, tätig und hat etliche Bücher und Essays über zeitgenössische Kunst geschrieben. Ihre sexuelle Autobiografie wurde von der internationalen Presse hoch gelobt und war in Frankreich das am kontroversesten diskutierte Buch des Jahres 2001. Die Rechte wurden in über 20 Länder verkauft. Catherine Millet lebt mit ihrem Mann in Paris.

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Leseprobe zu "Das sexuelle Leben der Catherine M."

1 Die Zahl

Zahlen und Mengen haben mich als Kind sehr beschäftigt. Deutlich erinnert man doch nur das aus den ersten Lebensjahren, was man selbst gedacht oder gemacht hat. Dabei kommt das eigene Bewusstsein zum ersten Mal zum Vorschein. Erlebnissen dagegen, die wir mit anderen teilen, haftet eine gewisse Unsicherheit hinsichtlich der Gefühle (Bewunderung, Angst, Liebe oder Abscheu) an, die andere Menschen in uns wecken und die wir als Kind noch weniger einordnen oder gar verstehen können als im Erwachsenenalter. Ich erinnere mich besonders gut an die Überlegungen, die ich jeden Abend vor dem Einschlafen beim gewissenhaften Zählen anstellte. Kurz nach der Geburt meines Bruders, ich war damals dreieinhalb, zogen wir um. In den ersten Jahren stand mein Bett im größten Zimmer der neuen Wohnung gegenüber der Tür. Ich konnte nicht einschlafen, solange ich mir nicht nacheinander bestimmte Fragen gestellt hatte; dabei sah ich ins Licht aus der Küche gegenüber, wo meine Mutter und meine Großmutter noch zugange waren. Eine Frage drehte sich darum, mehrere Ehemänner zu haben; nicht, ob es möglich sei - denn das war es wohl -, sondern unter welchen Bedingungen. Konnte eine Frau mehrere Männer gleichzeitig haben oder immer nur einen nach dem anderen? Und wenn das Zweite zutraf: Wie lange musste sie mit einem verheiratet sein, bevor sie wechseln konnte? Und wie viele Männer waren "angemessen"? Ein paar, fünf oder sechs? Oder sehr viel mehr, unzählige gar? Wie würde ich damit umgehen, wenn ich groß wäre?

Mit den Jahren ersetzte die Frage nach der Kinderzahl die Frage nach der Anzahl der Männer. Ich glaube, nachdem ich mir vorstellen konnte, von einem konkreten Mann verführt zu werden, und meine Schwärmerei auf ihn konzentrierte (erst waren es Kinostars, dann ein Cousin aus Deutschland), war ich der Ungewissheit weniger ausgeliefert. Ich konnte mir mein Leben als verheiratete Frau und folglich auch als Mutter sehr viel besser vorstellen. Es ergaben sich also wieder die gleichen Fragen: Waren sechs Kinder "angemessen" oder konnte man mehr haben? Wie groß sollte der Altersunterschied zwischen ihnen sein? Wie viele Mädchen und wie viele Jungen sollte man haben?

In meiner Erinnerung sind diese Überlegungen mit anderen obsessiven Gedanken verknüpft, die ich mir gleichzeitig machte. Ich fühlte mich Gott gegenüber verpflichtet, jeden Abend für sein leibliches Wohl zu sorgen; die Anzahl der Speisen und der Gläser mit Wasser, die ich ihm in Gedanken zukommen ließ - ich war mir unsicher, ob die Menge und die Häufigkeit der Gaben richtig war -, wechselten daher mit der Frage nach der Anzahl der Männer und Kinder in meinem künftigen Leben ab. Ich war sehr fromm, und es ist nicht ausgeschlossen, dass meine Verwirrtheit über das wahre Wesen Gottes und seines Sohns meinen Hang zum Zählen verstärkte. Gott war die dröhnende Stimme, die die Menschen zur Ordnung rief, sein Gesicht zeigte er nicht. Doch man hatte mir beigebracht, dass Gott auch das rosa Porzellanpüppchen war, das ich jedes Jahr in die Krippe legte, der Unglückliche am Kreuz, vor dem man betet - aber er war auch Gottes Sohn. Und ein Phantom, das man Heiligen Geist nennt. Sicher wusste ich nur, dass Josef Marias Mann war und Jesus, Gott und Gottessohn zugleich, ihn "Vater" nannte. Maria war zwar Jesu Mutter, manchmal aber auch seine Tochter.

Im Katechismusunterricht bat ich den Priester um ein Gespräch und legte ihm folgendes Problem dar: Ich wollte Nonne werden, mich mit "Gott vermählen" und in Afrika missionieren, wo es von armen Volksstämmen nur so wimmelte, ich wollte aber auch Männer und Kinder haben. Der Priester meinte lakonisch, solche Gedanken seien etwas verfrüht, und beendete zügig das Gespräch.

Bis die Idee zu diesem Buch entstand, dachte ich über meine Sexualität nie groß nach. Mir war gleichwohl bewusst, dass ich viele flüchtige Beziehungen gehabt hatte, was bei jungen Frauen, besonders meiner Herkunft, eher ungewöhnlich ist. Im Alter von 18 Jahren verlor ich meine Jungfräulichkeit - was nicht gerade früh ist -, und schon wenige Wochen danach hatte ich zum ersten Mal Gruppensex. Dieses eine Mal ergriff nicht ich die Initiative, aber dann stürzte ich mich hinein - was mir bis heute völlig unerklärlich ist. Ich dachte immer, es habe sich eben so ergeben, dass mein Lebensweg mit Männern gesäumt war, die Gruppensex mochten oder gerne dabei zusahen, wie ihre Partnerinnen mit anderen Männern schliefen. Da ich gegenüber Neuem eine natürliche Offenheit besaß und keine moralischen Probleme damit hatte, passte ich mich den Wünschen und Praktiken dieser Männer gerne an; das war der einzige Gedanke, den ich mir zu diesem Thema je gemacht hatte, doch eine Theorie leitete ich daraus nie ab und verteidigte folglich auch meine Lebensweise nach außen hin in keinster Weise.

Wir waren drei Jungen und zwei Mädchen. In einem Garten auf einem Hügel über Lyon hatten wir zu Abend gegessen. In Lyon wollte ich einen jungen Mann besuchen, den ich kurz zuvor in London kennen gelernt hatte, und André - er war der Freund meiner Freundin und auch aus Lyon - hatte mich mit dem Auto von Paris aus mitgenommen. Unterwegs hatte ich André gebeten, zum Pinkeln kurz anzuhalten. Er war auch ausgestiegen, hatte mir zugesehen und mich gestreichelt, während ich da hockte. Es war mir nicht unangenehm gewesen, trotzdem hatte ich mich ein bisschen geschämt. Vielleicht lernte ich in jenem Augenblick, mich aus der Verlegenheit zu ziehen, indem ich meinen Kopf zwischen seine Beine schob und seinen Schwanz in den Mund nahm. In Lyon blieb ich mit André zusammen, wir wohnten bei seinen Freunden, einem Jungen namens Ringo und einer älteren Frau, der das Haus gehörte. Sie war jedoch nicht da, und die Jungs nutzten die Gelegenheit zu einem kleinen Fest. Es kam noch ein anderer Junge mit einem großen Mädchen, das sehr kurzes, dichtes Haar hatte und ein wenig männlich aussah.

Es war Juni oder Juli, es war heiß, und jemand hatte die Idee, wir sollten uns doch alle ausziehen und ins große Becken springen. Ich hörte - ein bisschen gedämpft, weil ich mir tatsächlich schon das T-Shirt über den Kopf zog -, wie André rief, ich würde mich bestimmt nicht als Letzte hineinstürzen. Ich habe vergessen, wann und warum ich aufhörte, Unterwäsche zu tragen (meine Mutter hingegen hatte mich angehalten, schon im Alter von dreizehn oder vierzehn Bügel-BHs und Miederhöschen zu tragen, denn eine Frau müsse "ordentlich angezogen" sein). Ich war immer schnell beim Ausziehen. Auch das andere Mädchen zog sich aus, doch ins Wasser ging niemand. Der Garten war gut einzusehen, sicherlich erinnere ich mich deshalb an das Zimmer - ich in der Kuhle eines hohen, schmiedeeisernen Betts, über die Stäbe hinweg sah ich nur die hell erleuchteten Wände und ahnte, dass das andere Mädchen irgendwo auf einem Sofa lag. André bumste mich als Erster, lange und ruhig, wie es seine Art war. Dann hörte er plötzlich auf, und mich beschlich eine unsägliche Unruhe, als ich sah, wie er sich von mir entfernte, langsam und gebeugt zu dem anderen Mädchen ging. Dafür legte sich Ringo auf mich, und der dritte Junge, er war stiller und zurückhaltender als die anderen, stützte sich neben uns auf den Ellbogen und strich mit der freien Hand über meinen Oberkörper. Ringos Körper war ganz anders als Andrés, er gefiel mir besser, war größer, sehniger. Ringo gehörte zu denen, die das Becken getrennt vom übrigen Körper bewegen; auf die Arme gestützt bumsen sie, ohne sich auf die Frau zu legen. Doch auf mich wirkte André reifer (älter, genauer gesagt; er war in Algerien gewesen), sein Fleisch war nicht mehr ganz so fest und sein Haar nicht mehr ganz so dicht. Ich schlief gerne neben ihm, den Hintern an seinen Bauch gedrückt, und ich mochte es, wenn er mir sagte, ich hätte dafür genau die richtige Figur. Als Ringo aufhörte, übernahm der Junge, der uns zugeschaut und mich dabei gestreichelt hatte, doch mich drückte schon länger die Blase und ich musste dringend pinkeln. Der schüchterne Junge war enttäuscht. Als ich zurückkam, schlief er mit dem anderen Mädchen. Ich weiß nicht, wer von beiden, Ringo oder André, so nett gewesen war, mir zu sagen, er hätte bei ihr nur "abgespritzt".

Ich blieb etwa zwei Wochen in Lyon. Tagsüber arbeiteten meine Freunde, die Nachmittage verbrachte ich mit dem Studenten, den ich in London kennen gelernt hatte. Wenn seine Eltern nicht da waren, legte ich mich auf sein Schrankbett, er legte sich auf mich, und ich musste aufpassen, dass ich nicht mit dem Kopf ans Regal stieß. Ich hatte damals noch nicht viel Erfahrung, aber weil er sein noch etwas weiches und feuchtes Glied so verstohlen in meine Scheide gleiten ließ und das Gesicht gleich an meinem Hals vergrub, fand ich ihn noch unerfahrener als mich. Was eine Frau empfand oder empfinden sollte, schien ihn ziemlich zu beschäftigen, denn er fragte mich ganz im Ernst, ob das Sperma, das an die Scheidenwand spritzt, ihr nicht besondere Lust bereite. Ich war verdutzt. Ich spürte ja kaum, wenn er in mir war - wie sollte ich also merken, wann sich eine kleine Lache in meinem Schoß ausbreitete? "Komisch! Wirklich nicht das kleinste besondere Gefühl?" - "Nein, nichts." Das machte ihm mehr Sorge als mir.

Abends wartete die Clique am Kai am Ende der Straße auf mich. Sie waren immer ausgelassen, und als der Vater des Studenten sie eines Tages sah, sagte er, allerdings in herzlichem Ton, ich müsse es ja faustdick hinter den Ohren haben, dass mir all diese Jungs zu Füßen lägen. Offen gestanden, mit dem Zählen hatte ich aufgehört. Meine kindlichen Fragen nach der angemessenen Zahl der Ehemänner hatte ich völlig vergessen. Ich war keine "Sammlerin". Mädchen wie Jungs, die bei Partys mit möglichst vielen flirteten - tatschten und sich betatschen ließen und knutschten, bis sie fast keine Luft mehr bekamen, nur um am nächsten Morgen in der Schule damit anzugeben -, sie waren mir ein Gräuel. Ich begnügte mich mit der Entdeckung, dass diese Lust, die ich empfand, wenn ich in der unaussprechlichen Zartheit der Berührung fremder Lippen schwach wurde, oder wenn sich eine Hand auf meine Scham legte -, dass diese Lust sich unendlich oft wiederholen konnte, weil die Welt ja voller Männer war, die darauf auch Lust hatten. Der Rest war mir egal. Ein ziemlich gut aussehender Junge hätte mich fast entjungfert. Er hatte weiche Gesichtszüge, volle Lippen und kohlschwarze Haare. Ich war unter dem hoch geschobenen Pullover eingezwängt, und er zog so heftig am Gummi meiner Unterhose, dass es in meine Leiste schnitt; wahrscheinlich hatte noch nie eine Hand so viel von meiner Haut berührt. So sah das erste Mal aus, als mich die Lust überwältigte. Der Junge fragte mich, ob ich "nicht mehr wolle"? Ich hatte keine Ahnung, was dieses Wollen bedeutete, aber ich sagte nein, weil ich nicht wusste, was ich "mehr" bekommen könnte. Im Übrigen hatte ich diesen Flirt daraufhin beendet und wollte nichts mehr mit dem Jungen zu tun haben, auch wenn wir uns in den Ferien immer wieder trafen. Ich hatte nicht einmal mehr Lust, mit jemandem "zu gehen", auch nicht mit mehreren. Zweimal verliebte ich mich, immer in Männer, mit denen von Anfang an keine körperliche Beziehung möglich war - der Erste war frisch verheiratet und zeigte keinerlei Interesse für mich, der Zweite lebte weit entfernt. Mit meinen Freunden wollte ich keine feste Bindung eingehen. Der Student war mir zu langweilig, André war quasi mit meiner Freundin verlobt, und Ringo lebte mit einer Frau zusammen. Und in Paris hatte ich diesen Freund, mit dem ich das erste Mal geschlafen hatte; Claude aber war in ein Mädchen aus besten Kreisen verliebt, das ihm so poetische Sätze sagen konnte wie: "Berühre meine Brust, sie ist zart heute Abend." Weiter durfte er aber nicht gehen. Dieses Beispiel hatte mir irgendwie begreiflich gemacht, dass ich nicht zu den Verführerinnen gehörte und dass mein Platz in der Welt folglich nicht bei den Frauen, sondern an der Seite der Männer war. Nichts hinderte mich also daran, wieder und wieder eine Spucke zu kosten, die immer anders schmeckt, und, ohne es anzusehen, ein Ding zu drücken, das mir immer ganz unverhofft in die Hände kam. Claude hatte einen schönen Schwanz, groß, gerade, und unsere ersten Treffen hinterließen bei mir die Erinnerung an eine Art Starre, als hätte mich dieser Schwanz gestreckt und gestopft. Als André vor meinen Augen die Hose aufknöpfte, war ich erstaunt, dass sein Ding kleiner war und beweglicher, weil er im Gegensatz zu Claude nicht beschnitten war. Ein von vornherein nackter Kopf erregt durch seine einheitliche Glätte, doch wenn ich eine Vorhaut vor und zurück schiebe und dabei die Eichel enthülle, die wie eine große Blase im Schaumbad schwimmt, entsteht eine subtilere Lust, die sich in weichen Wellen bis in die Öffnung des anderen Körpers fortpflanzt. Ringos Schwanz war eher wie Claudes Teil, der Schwanz des schüchternen Jungen ähnlich wie Andrés, der des Studenten gehörte einer Sorte an, die ich später richtig kennen lernte: Ohne besonders dick zu sein, fühlt er sich in der Hand unmittelbar sehr massiv an, vielleicht weil die Haut, die ihn umgibt, fester ist. Ich machte die Erfahrung, dass jeder Schwanz anders auf mich wirkte und ich unterschiedlich damit umging. Und so, wie ich mich jedes Mal auf eine andere Haut, ein anderes Karnat, eine andere Behaarung und Muskulatur einstellen musste, so schien das eigene Wesen eines jeden Körpers eigene Stellungen zu verlangen. (Es ist klar, dass man einen Körper, der glatt ist wie ein Stein, nicht nur anders an sich drückt als einen Oberkörper mit muskulöser Brust oder dichter Behaarung, auch der Anblick wirkt sich in der Vorstellung ganz unterschiedlich aus. Rückblickend scheint mir, ich hatte die Tendenz, bei kräftigen oder ein wenig knochigen Körpern gefügiger zu sein - als hätte ich sie als wirklich männlich empfunden -, während ich dickere Körper, egal, wie groß sie waren, weiblicher fand und selbst mehr Initiative zeigte.) Ich erinnere mich voller Wohlgefallen an einen sehr sehnigen Körper, dessen spitz zulaufender Ständer wunderbar in den Arsch passte, den ich ihm entgegenstreckte; andere Stellen meines Körpers berührte er nicht, wenn man davon absieht, dass er mich an den Hüften hielt. Bei dicken Männern hingegen, die mich auch anmachten, fühlte ich mich unwohl, wenn sie sich zu schwer auf mich legten und abknutschten und absabberten, wozu sie ihrer Korpulenz entsprechend neigten; trotzdem habe ich mich ihnen nie entzogen. Kurz, wie damals als Kind in die Geisterbahn stürzte ich mich blind ins Sexleben der Erwachsenen - um der Lust willen, wahllos gepackt und gebumst zu werden, oder besser: um mich wie ein Frosch von der Schlange verschlingen zu lassen.

Ein paar Tage nach meiner Rückkehr schrieb mir André sehr feinfühlig nach Paris, dass wir uns alle den Tripper geholt hätten. Meine Mutter hatte den Brief geöffnet, sie schickte mich zum Arzt und gab mir Hausarrest. Doch nachdem sich meine Eltern nun vorstellen konnten, was ich im Bett trieb, ertrug ich aus einer Scham heraus, die extrem hartnäckig geworden war, das Zusammenleben mit ihnen nicht mehr. Ich bin abgehauen, sie haben mich wieder eingefangen. Irgendwann ging ich dann endgültig von zu Hause fort und zog zu Claude. Der Tripper war meine Taufe; danach lebte ich jahrelang in Angst vor diesem Brennen, das mir jedoch nie mehr zu sein schien als ein Erkennungszeichen, das gemeinsame Schicksal all jener, die eben viel vögeln.

"Wie einen Kern aus seiner Schale"

Kundenbewertungen zu "Das sexuelle Leben der Catherine M."

3 Kundenbewertungen (Durchschnitt 3.3 von 5 Sterne bei 3 Bewertungen **** gut)
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Bewertung von ehhehard aus Ch Soglio am 26.02.2010 ***** weniger gut
Die Autorin ist eine "Maulhure". Und dabei sind ihre sexuellen Schilderungen nicht einmal besonders gefühlvoll oder emotional. Ein Gruppensexelebnis mit 30 bis 40 Mä#nnern in 3 Stunden ist eine reine Erfindung und niemals ein wahres Elebnis. Dafür wird es in 10 Zeilen viel zu nüchtern abhenadelt.

Diese Art französischer "Lebensbescheribung" aus der Feder einer prpofessionellen Literatin ist eine großartige Geschäftsidee: Millionen-Auflagen in -zig verschiedenen Sprachen.
Aber man fühlt sich verdammt auf den Arm genommen, um nicht in der Sprache der Autorin zu sagen. "verarscht". Die Sexszenen sind eine Kurzbeschreibung aus einschlägigen Porno-Videos, aber ohne jede wirkliche emotionale Anteilnahme.

Insoweit eine riesige Enttäuschung.

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Bewertung von Darja Behnsch 'Schriftstellerin' aus Stadtbergen am 14.09.2008 ***** ausgezeichnet
Hart!

Die Geschichte reißt einen mit, zweifellos; doch musste ich immer wieder feststellen, dass ich mir die Frage gestellt habe, ob es sich hierbei wirklich um eine Autobiografie handelt oder nicht nur um die grenzenlose Fantasie einer Frau. Es spielt nicht wirklich eine Rolle, ob wahr oder nicht wahr. Ich denke, jeder muss für sich selbst wissen, was er will und was er dafür zu tun bereit ist. Ich gebe diesem Buch deshalb fünf Sterne, weil mir der Schreibstil sehr gut gefallen hat, er war sehr flüssig zu lesen. Die erotischen Szenen haben mich nicht immer angesprochen, manchmal haben sie sich auch wiederholt. Das hat das flüssige Lesen des Gesamtkunstwerks jedoch nicht beeinträchtigt. Und ein Kunstwerk ist dieses Buch schon, denn nichts ist so zweideutig und zwiespältig wie Kunst und deren Betrachtungsweise.
Darja Behnsch, Autorin

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch

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Bewertung von Laroussi aus München am 11.02.2005 ***** gut
Ich kann das Buch leider nicht weiterempfehlen. Es ist todlangweilig. Es geht nur um eines: Jederzeit und immerdar für alle Männer an allen Orten bereitwillig zu Diensten. Spätestens nach 20 Seiten wiederholt sich alles.

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