Die heutigen Kontroversen um Veganismus, Tierrechts-Bewegungen,
Kampagnen gegen Massentierhaltung und Tierversuche haben eine
Geschichte, die zum Teil mit anarchistischen, pazifistischen,
sozialistischen und feministischen Argumentationen verknüpft war.
Das Buch geht diesen historischen Spuren nach.
Waren die modernen Schlachthäuser von Chicago bis Tula/Russland,
die im ausgehenden 19. Jahrhundert die Epoche der industriellen
Schlachtung und Massentierhaltung einläuteten, wirklich eine
"humanere Form des Tötens", wie es damals propagiert
wurde? Gibt es überhaupt moderne, "humane" Formen des
Tötens? Leo Tolstoi hat einen dieser modernen Schlachthöfe besucht
und war geschockt. Magnus Schwantje hat dann mitten im Ersten
Weltkrieg Analysen zum Zusammenhang von Tiermord und Menschenmord
veröffentlicht. Auch der Anarchist Elisée Reclus forderte eine
anarchistische Moral mit vegetarischer Lebensweise ein. Die
Feministin, Juristin und gewaltfreie Anarchistin Clara Wichmann
stellte eine Rechtstradition in Frage, die Tiere mit Sachen
gleichstellte. "Sozialismus heißt ausbeutungsfreie
Gesellschaft", stellte bereits in den zwanziger Jahren ein
prägendes Mitglied des "Internationalen Sozialistischen
Kampfbundes" (ISK) fest und meinte damit, dass auch Tiere frei
von Ausbeutung leben sollten.
Dieses Buch ist auch für Menschen interessant, denen die emanzipatorische Politik nicht durch den Magen geht und die die Speisekarte für eine Privatsache halten. Aus: Neues Deutschland, Beilage zur Leipziger Buchmesse, 18. bis 21. März 2010
Leo N. Tolstoj, geb. am 9. September 1828 in Jasnaja Poljana bei Tula, starb am 20. November 1910 in Astapowo, heute zur Oblast Lipezk an einer Lungenentzündung. Tolstoj entstammte einem russischen Adelsgeschlecht. Als er mit neun Jahren Vollwaise wurde, übernahm die Schwester seines Vaters die Vormundschaft. An der Universität Kasan begann er 1844 das Studium orientalischer Sprachen. Nach einem Wechsel zur juristischen Fakultät brach er das Studium 1847 ab, um zu versuchen, die Lage der 350 geerbten Leibeigenen im Stammgut der Familie in Jasnaja Poljana mit Landreformen zu verbessern. Er erlebte von 1851 an in der zaristischen Armee die Kämpfe im Kaukasus und nach Ausbruch des Krimkriegs 1854 den Stellungskrieg in der belagerten Festung Sewastopol. Die Berichte aus diesem Krieg (1855: Sewastopoler Erzählungen) machten ihn als Schriftsteller früh bekannt. Er bereiste aus pädagogischem Interesse 1857 und 1860/61 westeuropäische Länder und traf dort auf Künstler und Pädagogen. Nach der Rückkehr verstärkte er die reformpädagogischen Bestrebungen und richtete Dorfschulen nach dem Vorbild Rousseaus ein. Seit 1855 lebte er abwechselnd auf dem Gut Jasnaja Poljana, in Moskau, und in Sankt Petersburg. Im Jahre 1862 heiratete er die 18-jährige deutschstämmige Sofja Andrejewna Behrs, mit der er insgesamt 13 Kinder hatte. In den folgenden Jahren seiner Ehe schrieb er die monumentalen Romane Krieg und Frieden sowie Anna Karenina , die Tolstojs literarischen Weltruhm begründeten. Tolstois lebenslange Suche nach der geeigneten Lebensform kulminierte 1910 darin, daß er seine Frau verließ, da diese nicht bereit war, sich von den gemeinsamen Besitztümern zu trennen. Er starb kurze Zeit darauf an einer Lungenentzündung.
Inhaltsangabe
Vorwort 1. Einleitung Die Idee der Tierrechte Eine historische Spurensuche Renate Brucker 2. Leo Tolstoi und die "Duchoborzen"Tolstoi als Kritiker der Gewalt Johann Bauer Leo Tolstoi (1892) Die Fleischesser / Die erste Stufe (Schlussabschnitt) Karl Bartes (1931) Die Duchoborzen in Rußland und Canada 3. Elisée Reclus Der Anarchist Elisée Reclus Lou Marin Elisée Reclus (1901) Zur vegetarischen Lebensweise 4. Magnus Schwantje"Ehrfurcht vor dem Leben"Der Pazifist, Sozialreformer, Vegetarier und Tierrechtler Magnus Schwantje (1877-1959) Renate Brucker Magnus Schwantje (1916) Tiermord und Menschenmord, Vegetarismus und Pazifismus 5. Clara Wichmann Clara Wichmann zur Rechtsstellung der Tiere Renate Brucker Clara Wichmann (1920) Die Rechtsstellung der Haustiere 6. Der Internationale Sozialistische Kampfbund (ISK) Eine sozialistische Organisation mit vegetarischen Prinzipien im Widerstand gegen den Nationalsozialismus Der Internationale Sozialistische Kampfbund (ISK), seine direkten Aktionen und die Funktion seiner vegetarischen Gaststätten Lou Marin Willi Eichler (1926)"Sogar Vegetarier?"
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