Das Runde muß ins Eckige. Eine Geschichte der Bundesliga - Schümann, Helmut
  • Gebundenes Buch

Jetzt bewerten

Kurztext: Wie kam Deutschland zum Fußball? Genauer: zur Bundesliga? Helmut Schümann läßt die vergangenen Jahrzehnte Revue passieren und erzählt, welche Ausnahmespieler und -mannschaften, welche Triumphe und Niederlagen, Tore und Gegentore uns und die Republik geprägt haben - von den frühe Sechzigern bis zu der Zeit, als das Land den Vogts bekam, den es verdiente…mehr

Andere Kunden interessierten sich auch für

Produktbeschreibung

Kurztext:
Wie kam Deutschland zum Fußball? Genauer: zur Bundesliga? Helmut Schümann läßt die vergangenen Jahrzehnte Revue passieren und erzählt, welche Ausnahmespieler und -mannschaften, welche Triumphe und Niederlagen, Tore und Gegentore uns und die Republik geprägt haben - von den frühen Sechzigern bis zu der Zeit, als das Land den Vogts bekam, den es verdiente.
  • Produktdetails
  • 2001
  • Ausstattung/Bilder: 224 Seiten
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783828601017
  • ISBN-10: 3828601014
  • Best.Nr.: 09447538

Rezensionen

¡DFB, Du Hure Kirchs": Die Fußballfans sind sauer. Samstag Nachmittag wollen sie ins Stadion und nur dann. Fernsehverwertungsrechte gehen ihnen am Arsch vorbei und Premiere World sowieso. Helmut Schürmann ist mit dem Fußball groß geworden. Das Fazit seines Buches über den deutschen Profi-Fußball: "Ich gucke kaum noch." (jw)
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Besprechung von 20.08.2001
Berti Kohl und Helmut Vogts
Helmut Schümann versucht in seiner „Geschichte der Bundesliga” den Profifußball als Spiegel der Gesellschaft zu beschreiben
Als im August 1963 die Bundesliga ihren Spielbetrieb aufnahm, war Helmut Schümann etwa sieben Jahre alt. Was soll er darüber ohne große Recherche mitteilen? Und was lässt sich recherchieren, was nicht längst veröffentlicht wurde? Dem Autor ist zu wünschen, er möge nicht verantwortlich sein für den Untertitel seines Buchs. Eine „Geschichte der Bundesliga” enthält es nämlich nicht – es sei denn, man versteht die etwas willkürliche Zusammenstellung von Anekdoten und Fakten schon deshalb als historische Aufarbeitung, weil sie in groben Zügen einer Chronologie folgt, die im Detail dann doch immer wieder verlassen wird.
Schümann erzählt zunächst von sich selbst und von dem, was „bei uns daheim” in Sachen Fußball los war, vom Kicken auf Parkplätzen, vom Mißtrauen der Eltern gegenüber dem in den sechziger Jahren wohl doch nicht mehr in jenem Maß als „proletarisch” diskreditierten Sport, wie es der Autor darstellt. Und vor allem von seiner anhaltenden Liebe zu Fortuna Düsseldorf. Die führt zu einer Leidensgeschichte, die sich leitmotivisch durch den Text zieht und mit der späten Anerkennung des FC Bayern ein Ende zu nehmen scheint.
Als Gerüst dienen dem Autor die Höhepunkte: Deutsche Meisterschaften, Europapokale, Europa- und Weltmeisterschaften. Mit den Fakten des Fußballs hakt Schümann auch die Daten der Republi ab: Vom bestochenen Ministerialrat Kunde im Verkehrsministerium und den Contergan-Opfern kommt er auf den ersten Bundesliga-Skandal; er erinnert an die Notstandsgesetze, an den Tod von Benno Ohnesorg und das Attentat auf Rudi Dutschke und schildert das parallele Geschehen in den Stadien.
Ein wunderbares Buch wäre das geworden, trotz seines angestrengten Titels, hätte sein Autor nur intensiver recherchiert und genauer belegt, anstatt immer wieder in gefällige Plaudereien zu verfallen und seinen Text mit Floskeln wie „aber das sagte ich schon” oder „das mußte mal gesagt werden” zu garnieren. Neckisch beschreibt er seinen in den Schulatlas gekritzelten Protest gegen den Vietnamkrieg, um anzufügen: „Auch wenn ich meines Wissens den amerikanischen Präsidenten Richard Nixon nicht wesentlich beeinflussen konnte.” Die Erinnerungen an einzelne Spiele führen nur selten über das hinaus, was man damals zu hören oder zu lesen bekam: „In der 30. Minute fing er einen spanischen Paß ab und leitete den Ball zu Herget weiter, der zu Littbarski, der zu Klinsmann und Klinsmann zu Völler, 1:0, Zubizaretta im spanischen Tor war machtlos ...”
Weit spannender ist Schümanns heimliche, leider nur sporadisch verfolgte Grundthese, nach der es in Deutschland seit der Weltmeistermannschaft von Bern 1954 stets Zusammenhänge gegeben habe zwischen Fußball, politischem Geschehen und dem Zustand der Gesellschaft. Die These mag etwas angestrengt wirken, hat aber doch – gerade in den provokanten Momenten – auch eine frappierende Logik. Nach Schümann ist Berti Vogts als Bundestrainer die Kicker-Entsprechung des Kanzlers Kohl. Und die legendäre Fohlenelf von Borussia Mönchengladbach sei eben auch ein Ausdruck der Aufbruchsstimmung zu Beginn der Kanzlerschaft Brandts gewesen.
Folgerichtig ist auch der skeptische Ausblick auf die Inflation der Kicker-Events als Analogie zur Unersättlichkeit der Spaßgesellschaft, die Schümann freilich selbst bedient mit seinen falschen Gegensätzen zwischen gespieltem und gearbeitetem Fußball. Ohne Arbeit, ohne die dem Autor so suspekten Momente von Fleiß und Schweiß macht auch das schönste spielerische Potential keinen Sinn. Womit wir fast schon wieder beim FC Bayern wären.
H.
G. PFLAUM
HELMUT SCHÜMANN: Das Runde muß ins Eckige. Eine Geschichte der Bundesliga. Vorwort von Günter Netzer. Alexander Fest Verlag, Berlin 2001, 216 Seiten,36 Mark.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.diz-muenchen.de
…mehr
Besprechung von 20.03.2001
Der Jürgen Klinsmann und ich, wir sind ein gutes Trio
Helmut Schümanns Bundesliga-Mär / Von Christian Eichler

Die meisten Ball-Bonmots landen im ewigen Abseits der Fußballfolklore. Doch alle Jubeljahre bleibt mal was hängen, das sich jedem auf Trainerbank und Tribüne einprägen kann. Adi Preisslers "Entscheidend ist auffem Platz" war so ein Satz, oder Bill Shankleys "Manche sagen, beim Fußball ginge es um Leben und Tod. Dabei geht es um viel mehr." Die bleibende Wortschöpfung der Neunziger wird dem früheren St. Pauli-Trainer Helmut Schulte zugeschrieben. Sie reduziert Fußball auf die Schlichtheit, die ihn so unverwüstlich macht: "Das Runde muß ins Eckige."

Helmut Schümann ist nicht Helmut Schulte, doch er versucht das Runde ins Eckige zu bringen - den Ball ins Buch. Eine runde Sache ist es nicht geworden. Schon das Vorwort dieser "Geschichte der Bundesliga" warnt, "daß sich die Erinnerungen an die Fußballspiele mit den Erinnerungen an das eigene Leben vermischen, welches sich ja bekanntlich im Rückblick verklärt". Dieses Vorwort ist von Günter Netzer, der meistverklärten Gestalt des deutschen Fußballs. Beinahe, schreibt Schümann, wäre Netzer bei "seinem" Verein, bei Fortuna Düsseldorf, gelandet, wenn Präsident Bruno Recht rechtzeitig zur geplanten Vertragsunterzeichnung mit dem kommenden Star gekommen wäre - "mit ein wenig mehr Pünktlichkeit wäre die Geschichte des Fußballs, der Bundesliga, ja, und selbst die der Republik völlig ander verlaufen".

Helmut Schümann kann hübsch erzählen, aber Neues, Authentisches nur über sich selbst. Es ist die Geschichte einer Jugend in den 50ern und 60ern, einer Fußballsozialisierung der romantischen Art, wie sie seit Nick Hornbys "Fever Pitch" salonfähig ist. Es geht um unvergeßliche Tore auf einer teerverschmierten Industriebrache und die peinliche Reinigung danach - durch Mutters Hand mit stinkender Margarine; um die Heldensagen, die der alte Meisterspieler im Tabakgeschäft so flüssig hersagte, wenn der Bengel vom Vater geschickt worden war, ein Päckchen Muratti Cabinet zu holen. Eine Jugend zwischen Bohnendurcheinander und Haferflocken mit Fußballbildchen, zwischen Dual-Plattenspieler und der Bundesliga-Radiokonferenz mit Kurt Brumme. Dann die frühen siebziger Jahre, mit feinrippigen Cordhosen, Hercules-Mofa, dem braunen Diercke-Schulatlas - und mit einem Fußball, der dank Netzers Pässen den Geist der 68er atmete und die Schüler-Welt in "Netzerianer und Overathianer" spaltete.

Die Verquickung einer privaten Kindheit mit den Kindertagen der Bundesliga, diesem unehelichen Zögling des Wirtschaftswunders, geht Schümann gut von der Hand. Doch ist erst die Pubertät von Autor und Liga erreicht, scheitert, was sich las wie der Versuch einer "Generation Ball". Zu sehr gerät die Durchdringung von Welt-, Fußball- und Privatgeschehen zum zwanghaften Universalerklärungsmodell. Netzers Selbsteinwechslung im Pokalfinale 1973 zeugt da "vom Lohn zivilen Ungehorsams", und im " emanzipatorischen Potential seines ästhetisierten Fußballs" äußert sich gar die ganze Ära Brandt: "Mehr Fußball wagen". Die Bemühungen, Politik und Fußball historisch zu verknüpfen, konnte man seit "Bananenrepublik und Gurkentruppe" von Norbert Seitz (1987) schon oft und oft besser lesen. Brandt/Netzer, Strauß/Beckenbauer, Schmidt/Rummenigge, Kohl/Vogts als fußballpolitische Pärchenbildung - damit ließ sich hübsch Doppelpaß spielen, aber das ist vorbei, weil die Realität sich nicht lange verbiegen läßt. Als deutschen Meister im "Vereinigungsjahr" beschreibt Schümann den 1. FC Kaiserslautern, was schön zum Pfälzer Vereinigungskanzler paßte -, aber leider war das erst 1991. Und daß "im Jahr der Übernahme" Stuttgart mit dem früheren Dresdner Sammer vorn war, sei "folgerichtig". Stuttgart wurde erst 1992 Meister. Mit dem biografischen Perspektivwechsel vom miterlebenden Fan zum professionellen Reporter verliert das Buch. Am Ende trieft es vor einem Kulturpessimismus, der im Fußball en vogue geworden ist. Irgendwann stellt Schümann fest, daß "mir die Unbedingtheit meines früheren Fanseins abhanden gekommen" war - ein Verlust, den er in der Vermessenheit eines Früher-war-alles-besser-Welterklärers ins große Ganze überhöht: "Die Kundschaft" der Liga ahne nichts mehr "von der Melancholie einer gemeinsam durchlebten Niederlage".

Ist es wirklich der Niedergang des guten alten Fußballs? Oder nur die veränderte Weltsicht des Veteranen, der nun im Warmen sitzt? Da, wo Schümann heute sitzt, auf der Pressetribüne, gibt es wirklich nicht die Liebe und Melancholie der Fankurve. Dafür die verführerische Nähe zu den Mächtigen des Fußballs, die Schümann eine unerwartete Sympathie für Uli Hoeneß entwickeln läßt. Der Bayern-Manager holte den Dribbler Brian Laudrup, und der damalige Bayern-Reporter Schümann schreibt allen Ernstes: "Ich glaube, ohne Übertreibung, er hat ihn wegen mir verpflichtet."

Spätestens da mag man nicht mehr weiterlesen. Da werden Klagen über "die Umwandlung des Fußballs zur Spaßindustrie" angestimmt und zugleich, damit ja kein Spaß aufkommt, seitenweise ganze WM-Kader und Torszenen beschrieben, das mitunter sogar falsch: Der Paß auf van Basten zum Siegtor der Holländer gegen Deutschland bei der EM 1988 ("das teutonische Spiel besiegt von einigen Popstars") kam nicht von Koeman, sondern von Wouters. Und den Übersteiger zeigte Buchwald im WM-Achtelfinale 1990 gegen Holland und nicht erst im Viertelfinale gegen die Tschechen. So scheitert Schümann beim Versuch, das Runde ins Eckige zu bringen, erst als Konkurrenz für Hornby, dann für Seitz. Und schließlich auch für den "Kicker-Almanach".

Helmut Schümann: "Das Runde muß ins Eckige". Eine Geschichte der Bundesliga. Mit einem Vorwort von Günter Netzer. Alexander Fest Verlag, Berlin 2001. 224 S., geb., 36,- DM.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
…mehr

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

"Nur ansatzweise interessant findet der Rezensent Christian Eichler, was Helmut Schümann hier versucht. "Hübsch" seien die autobiografischen Erinnerungen des Autors (vor allem an seine Kindheit und die Rolle, die der Fußball darin gespielt hat), dann aber verhebt er sich, so Eichler, zusehends. Fußball wird ihm zum "zwanghaften Universalerklärungsmodell", oft genug erkauft durch Verbiegungen der Realität. Besonders ärgert sich der Rezensent, dass es auf den im Fußball allgegenwärtigen "Kulturpessimismus" hinausläuft, die Verklärung der alten Zeiten, die sich durch einen schlichten Perspektivwechsels Schümanns erklären lässt, der heute eben nicht mehr in der Fankurve, sondern auf der Pressetribüne sitzt. "Spätestens da mag man nicht mehr weiterlesen", meint Eichler, als Schümann anfängt, ein Loblied auf Uli Hoeneß zu singen und weist dem Experten zuletzt auch noch sachliche Fehler nach.

© Perlentaucher Medien GmbH"