Das Modell für Laura - Nabokov, Vladimir

Vladimir Nabokov 

Das Modell für Laura

Sterben macht Spaß. Romanfragment auf 138 Karteikarten

Aus d. Engl. v. Dieter E. Zimmer u. Tolksdorf, Ludger. Hrsg. v. Dmitri Nabokov
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Das Modell für Laura

Dies ist Vladimir Nabokovs letzter Roman. "Das Modell für Laura", entstanden in den Jahren vor seinem Tod 1977, ist Fragment geblieben. Auf 138 Karteikarten war der vorhandene Text notiert, als Nabokov starb. Er nahm seiner Frau das Versprechen ab, sie zu verbrennen, doch sie tat es nicht. Nun hat sich sein Sohn Dmitri entschlossen, den Roman zu publizieren, was in der internationalen Presse heftig diskutiert wurde. Dmitri Nabokov hierzu: "Als mein Vater mir seine wichtigsten Bücher nannte, zählte er auch 'Das Modell für Laura' auf. So spricht man nicht von einem Buch, das man vernichten will." Held des Romans ist der etwas kuriose, an Übergewicht leidende Wissenschaftler Philip Wild, der mit einer zu Ausschweifungen und Untreue neigenden Frau namens Flora gesegnet ist. Er hat sie nur geheiratet, weil sie einer anderen ähnlich sah, die er einst sehr geliebt hat.

In seinem Unglück überlegt er, wie er sich umbringen könnte ...

Philologen haben jahrelang über die Nähe dieses Buches zu Nabokovs Welterfolg "Lolita" spekuliert: Manche waren der Ansicht, Nabokov habe den Roman deshalb nicht publizieren wollen, weil die sexuelle Thematik darin viel offener zum Ausdruck komme als in "Lolita". Seine Publikation enthält, wie man es dreht und wendet, viel Zündstoff.


Produktinformation

  • Verlag: Rowohlt, Reinbek
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 318 S. m. 138 Ktn. als Faks.
  • Seitenzahl: 318
  • Deutsch
  • Abmessung: 196mm x 128mm x 25mm
  • Gewicht: 375g
  • ISBN-13: 9783498046910
  • ISBN-10: 3498046918
  • Best.Nr.: 26390462

Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Mit dem "Moralextremisten", die zum Boykott dieses Buches aufrufen, will der russische Autor Oleg Jurjew nichts am Hut haben. Er empfiehlt, die Geschäftstüchtigkeit von Vladimir Nabokovs Sohn Dimitri mit Humor zu nehmen. Was , fragt er, könne schon Schlimmes passieren, wenn Leute statt einer Flasche Schnaps den unfertigen Roman eines sterbenden Mannes kauften. Er selbst konnte Nabokovs nachgelassenem Buch durchaus etwas abgewinnnen, meint sogar, dass es ein Bestandteil von ihm geworden sei. Ausführlich erklärt Jurjew dabei die dreiteilige Konstruktion, soweit sie sich erkennen lassen: der Schlüsselroman "Meine Laura" werde von einer Rahmenhandlung umfasst, in der es um das Vorbild für Laura, nämlich die gefühlskalte und promiske Flora, geht; dazwischen geschoben sind die Essays von Floras Mann Philip Wild. In ihm sieht Jurjew sogar die Hauptfigur des Romans, seinen "Ekel vor dem eigenen, fremd gewordenen Körper" findet er unvergesslich. Und in seinen stärksten Momenten findet er das Buch, zu dem viel besser die Kapitelüberschrift "Sterben macht Spaß" als Titel gepasst hätte, "furchteinflößend und traurig".

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 07.11.2009

Als ausgeladener Gast bei einem Begräbnis

Vladimir Nabokov wollte seinen letzten, unvollendeten Roman "Das Modell für Laura" ungelesen vernichtet wissen. Sein Sohn entschied sich dagegen und beschert Nabokovs Nachwelt jetzt die tragischste Lektüre der Weltliteratur.

Von Markus Gasser

Es ist immer erfreulich, wenn ein großer Schriftsteller stirbt. Lebt er noch, kann er sich wehren: gegen Biographen, die noch den schwülsten Unsinn über ihn in Umlauf setzen, und gegen Erben, die selbst das wortkargste Brieflein aus der Dachkammer fernster Verwandter versteigern wollen.

Vladimir Nabokov, gerade in Fragen des Nachlebens in dieser wie einer anderen Welt Experte, war sich solchen Kulturvandalismus bitter bewusst und verkehrte mit seinem ersten Biographen Andrew Field nur über Anwälte, da der ihm drohte, seine von vulgären Irrtümern durchflachste Vita unter dem Titel "Er nannte seine Mutter Lolita" unter die Leute zu bringen und dabei auch um Nabokovs etwaige Kleinmädchenträume nicht verlegen zu sein. Bereits für seinen vorletzten, 1974 vollendeten Roman "Sieh doch die Harlekine!" hatte Nabokov testamentarisch verfügt, ihn …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 12.11.2009

Sehr undurchsichtige Dinge
Fahrt zu einem Bahnhof namens „Sex”: Letzte Karteikarten von Vladimir Nabokov, als „Das Modell für Laura” ediert
Es gibt vermutlich weniges, was Vladimir Nabokov mit mehr Verachtung gestraft hätte als die Idee vom „offenen Kunstwerk”, hätte er von ihr Notiz genommen. Rechnet man von Nabokovs universitären Unterrichtsmethoden herunter auf das, was er vom normalen Leser gedacht hat, dann kann die Vorstellung, dieser sei eine Art Co-Autor oder Mitschöpfer eines Sprachkunstwerks, ihn nur mit Schaudern erfüllt haben.
Nichts überließ er in seinen Büchern dem Zufall, ihre stilistische Oberfläche zeigt bis in die Feinheiten des Rhythmus eine Politur von abweisender Glätte, ihr tieferliegendes Motivgeflecht ist von einer anderswo kaum erreichten Dichte und Ökonomie. Die durchaus unendliche Sinnfülle, die sie bieten, verdankt sich keineswegs dem Spielraum für die Willkür der Rezeption, sondern ist Effekt von raffiniert austarierten erzähltechnischen Effekten, verglichen mit denen einander ins Endlose wiederholende Spiegel ein läppischer Kindertrick sind.
Die Verweisungsfülle vor allem in Nabokovs Spätwerk ist …

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Nach viel Gewese und einigem Hin und Her hat Vladimir Nabokovs Sohn Dimitri es jetzt also wirklich getan: Den Anweisungen seines Vaters zur Vernichtung des unvollendeten letzten Werks handelt er guten Gewissens ganz zuwider. Auch in deutscher Übersetzung liegt, was von "Das Modell für Laura" vorhanden ist, nunmehr vor. Rezensent Markus Gasser kann in seiner ausführlichen Rezension zwar das Genie von Nabokov im allgemeinen nicht genug rühmen - befasst sich sogar in langen Passagen mit der schreibhemmenden Wirkung auf eingeschüchterte Kolleginnen und Kollegen (vor allem Zadie Smith). Auf das Fragment kommt er vergleichsweise kurz zu sprechen, indem er insbesondere dessen Fragmentcharakter auch betont. Das zentrale Plotmoment, das die vorliegenden Trümmer (138 Karteikarten) zu einem Ganzen gemacht hätte, fehlt, postum und für immer. Um einen Neuropsychologen geht es, um seine Gattin, um Selbstekel und Prostatakrebs. Wie das aber zusammengehangen hätte, das erläutern dem Rezensenten die Anmerkungen von Dieter E. Zimmer schon doppelt und dreifach nicht. Insbesondere über diese aus "uneingestandener Ratlosigkeit" so wenig hilfreiche editorische Leistung zeigt sich der Rezensent enttäuscht. Ansonsten beherrscht er vor allem die Kunst, aus etwas, das wohl eher eine Maus ist, eine elefantöse Besprechung zu machen.

© Perlentaucher Medien GmbH
Vladimir Nabokov, geb. am 22.04.1899 in St. Petersburg, entstammte einer großbürgerlichen russischen Familie, die nach der Oktoberrevolution von 1917 emigrierte. Nabokov selbst ging zunächst nach England, wo er am Trinity College in Cambridge französische und russische Literatur studierte. Von 1922-37 lebte er in Berlin, wo er 1925 die Russin Vera Slonim heiratete, der er bis zu seinem Lebensende nahezu alle seine Bücher gewidmet hat. 1938 verließ Nabokov Deutschland und ging mit seiner Frau und seinem Sohn nach Paris, bevor er 1940 nach Amerika übersiedelte. Wegen seiner Kenntnisse als Schmetterlingsforscher erhielt er 1942 einen Forschungsauftrag der Harvard Universität. Er beschrieb eine Reihe von neuen Schmetterlingsarten, von denen eine nach ihm benannt wurde. 1945 wurde er amerikanischer Staatsbürger. Mit der Hilfe von Freunden und unter anderem aufgrund der Studie über Nikolai Gogol, die er 1944 veröffentlichte, wurde ihm 1948 eine Professur für Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität von Cornell angeboten. Hier arbeitete er zehn Jahre lang, bis ihm der der Welterfolg von "Lolita" es ihm ermöglichte, seine Lehrtätigkeit aufzugeben. Nabokov zog in die Schweiz, wo er sich ganz dem Schreiben widmete, Schmetterlinge fing und seine russischen Romane ins Englische übersetzte. In gewisser Weise hat er sein Exildasein bis zu seinem Lebensende bewusst aufrechterhalten. Nie besaß er eine Wohnung oder ein Haus. Er lebte in einem Hotel in Montreux, wo er am 5. Juli 1977 starb. Auszeichnung der American Academy of Arts and Letters (1953); Kunstpreis der Brandeis Universität (1963/64); Orden des National Institut of Arts and Letters (1969).

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