Das Massaker der Illusionen - Leopardi, Giacomo

Giacomo Leopardi 

Das Massaker der Illusionen

Ausgezeichnet für die Übersetzung mit dem Paul-Celan-Preis 2003

Ausgew. u. komment. v. Mario A. Rigoni. Aus d. Italien. v. Sigrid Vagt
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Das Massaker der Illusionen

Wie Leopardi zu dem Ruf eines eher harmlosen Klassikers gekommen ist, dem allenfalls ein paar schöne, wehmütige Gedichte zu verdanken sind - das ist einigermaßen schleierhaft. Er war, darin Schopenhauer ebenbürtig, einer der radikalsten Pessimisten des neunzehnten Jahrhunderts, und seine Kritik der Zivilisation erinnert an Nietzsche.
Nur, daß er kein philosophisches "Hauptwerk" hinterlassen hat, sondern ein immenses Sudelheft, den berühmten Zibaldone. Aus diesem dreitausendseitigen Konvolut hat Mario Rigoni die historischen und politischen Reflexionen Leopardis ausgezogen, eine Operation, durch die dessen subversive Kraft mit verblüffender Schärfe hervortritt. Ohne jede Rücksicht auf die Konventionen seiner Zeit, fern von rationalistischen Illusionen und utopischen Versuchungen, nimmt Leopardi Revolution und Reaktion, Demokratie und Diktatur, Fortschritt und Konservativismus ins Visier und führt unbarmherzig ihre Widersprüche vor. Einerseits erweist dieser Autor sich als genui ner Erbe Machiavellis und Guicciardinis, andererseits greift er den Problemen unserer Tage vor. Er besteht darauf, die Dinge so zu sehen, wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. Das unterscheidet ihn von allen Ideologen, damals wie heute.


Produktinformation

  • Verlag: Eichborn
  • 2002
  • Lim. u. num. Ausg.
  • Ausstattung/Bilder: Lim. u. num. Ausg. 2002. 308 S.
  • Seitenzahl: 308
  • Die Andere Bibliothek Bd.207
  • Deutsch
  • Abmessung: 220mm x 128mm x 25mm
  • Gewicht: 527g
  • ISBN-13: 9783821845111
  • ISBN-10: 3821845112
  • Best.Nr.: 09836718
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 20.03.2002

Das grade Holzbein der Inhumanität
Endlich ist er auch bei uns zu entdecken: Giacomo Leopardi, der kälteste Schriftsteller Italiens
Die besseren Kenner wussten es schon immer: Italien ist das kälteste Land der Welt – so hat es Martin Mosebach zusammengefasst –, und seine Bewohner sind, nach einer berühmten Formulierung Rudolf Borchardts, „zähe und rechnerische, kalte, überlegene und klare Kinder einer seit unvordenklicher Zeit festgewordenen Rasse, so fein von Kopf, wie deutlich, ja grob von Seele, im ausgeträumten Innern schwunglos und streng bei der Sache”. Wer das kalte Herz Italiens kennenlernen will, der muss sich an seine Staatsschriftsteller halten, an Machiavelli, Baldassare Castiglione oder den Grafen Giacomo Leopardi.
Leopardi, ein Kleinadliger aus dem Nest Recanati in einer gottverlassenen nördlichen Provinz des Kirchenstaates, lebte von 1798 bis 1837, in der Zeit, als Italien erst von den Heeren Napoleons aufgestört und danach, durch den Wiener Kongress, zu einem Bündel schlecht regierter Satellitenstaaten Österreichs „restauriert” wurde. Die Deutschen kennen Leopardi meist nur als romantischen Dichter, genauer des einen von …

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Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Gustav Seibt rezensiert ein Buch, dass eine Auswahl von Notizen zu historisch-politischen Themen von dem Philosophen Giacomo Leopardi enthält. An den Stil des italienischen Autors, der zwischen 1798 und 1837 gelebt hat und der einer breiteren Leserschaft eher als Lyriker bekannt ist, müsse man sich erst "gewöhnen", warnt der Rezensent. Er weist auf den Hang Leopardis zu "zermalmenden Tiraden" hin, meint aber, dass daraus der Prosa auch eine "dringliche, überredende Kraft" zukommt. Der jeden Gedanken durchdringende Pessimismus schafft allerdings laut Seibt ein "tintenschwarzes, labyrinthisches Gefängnis", dessen Ausweglosigkeit durchaus erschreckenden Charakter habe. Besonders die Stellen, an denen Leopardi sich mit gesellschaftlich-politischen Illusionen beschäftigt, sieht der Rezensent als einen überraschenden Vorausblick in das 20. Jahrhundert mit seinen Katastrophen. Mario A. Rigonis Kommentar zu Leopaldi findet die fast uneingeschränkte Zustimmung des Rezensenten: Er lobt ihn als "reichhaltig " und "präzise". Nur der Hinweis auf Carl Schmitt statt auf den italienischen Philosophen Vico ist für Seibt eine unnötige Konzession an den Zeitgeschmack.

© Perlentaucher Medien GmbH

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