Der Epiker Balzac war auch ein Meister der kleinen Form, der
Novelle. Ganz Goethes Diktum von der "unerhörten
Begebenheit" folgend, schildert er mit hinreißender
Beredsamkeit und einer überwältigenden Buntheit der Bilder eine
Welt, deren grausame und grandiose Seiten ihm bis ins letzte
vertraut waren.
"Das Mädchen mit den Goldaugen" ist eine der
eindringlichsten seiner "Szenen des Pariser Lebens". Der
Orient "schlägt die schweren Augen auf mitten im schlaflosen
Paris": Im magischen Märchen von der exotischen, goldäugigen
Paquita Valdès leuchten Motive aus Tausendundeiner Nacht auf. Henri
de Marsay besitzt alles, ein so außerordentliches Geschöpf wie
Paquita zu bezaubern, nur nicht das Herz, an ihr zugrunde zu
gehen...
Honoré de Balzac (1799-1850): Der französische Schriftsteller gilt als Begründer des soziologischen Realismus. Mit seinem Hauptwerk, dem unvollendeten Zyklus 'La Comédie Humaine' versucht er in über 80 Bänden, die Gesellschaft seiner Zeit darzustellen. Balzac, am 20. Mai 1799 in Tours als Sohn eines Rechtsanwalts geboren, wandte sich allerdings erst nach dem Abbruch seines Jura-Studiums an der Pariser Sorbonne der Literatur zu. Zunächst verfasste er jedoch wenig erfolgreich unter verschiedenen Pseudonymen Romane. Ebenso scheiterte er als Verleger, mit seiner Druckerei ging er Bankrott. Erst sein historischer Roman 'La dernier Chouan' bringt 1829 den Durchbruch. Fünf Monate vor seinem Tod am 18. August 1850 heiratet Balzac Eveline Hanska, mit der er bereits viele Jahre Briefkontakt pflegte.