Keine andere Heiligenlegende im 20. Jahrhundert hat so viel
Resonanz gefunden wie Werfels Hohelied auf Bernadette Soubirous,
dieses kleine Mädchen vom Lande, dem, wie es hier heißt, die
"Dame" erscheint. Werfel zeichnet das Wunder nach, aber
mit gleicher Intensität auch den weltlichen wie den kirchlichen
Zweifel an einem solchen Geschehen, bis die Kirche es schließlich
anerkennt und Bernadette 1933 heiligspricht.
"Ich habe es gewagt, das Lied von Bernadette zu singen, obwohl
ich kein Katholik bin, sondern Jude. Den Mut zu diesem Unternehmen
gab mir ein weit älteres und viel unbewußteres Gelübde. Schon in
den Tagen, da ich meine ersten Verse schrieb, hatte ich mir
zugeschworen, immer und überall durch meine Schriften zu
verherrlichen das göttliche Geheimnis und die menschliche
Heiligkeit - des Zeitalters ungeachtet, das sich mit Spott, Ingrimm
und Gleichgültigkeit abkehrt von diesen letzten Werten unseres
Lebens."
Franz Werfel, Los Angeles, im Mai 1941
Franz Werfel (1890 - 1945) wurde als Kaufmannssohn in Prag geboren. Während seines Studiums befreundete er sich mit Franz Kafka und Max Brod. 1917 lernte er Alma Mahler-Gropius kennen, die er später in Wien heiratete. Die Werfels emigrierten 1938 nach Frankreich, von wo sie zusammen mit Golo Mann zu Fuß über die Pyrenäen nach Spanien flohen. Über Lissabon gelangten sie schließlich in die USA. Franz Werfel starb an einem Herzleiden in Los Angeles.
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