Das Kaleidoskop des Lebens - Mistry, Rohinton

Rohinton Mistry 

Das Kaleidoskop des Lebens

Roman. Aus d. Engl. v. Matthias Müller

Übersetzer: Müller, Matthias
Broschiertes Buch
 
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Das Kaleidoskop des Lebens

Der Roman erzählt vom Leben in einem Mietshaus am Firozsha-Platz in Bombay. Hier kreuzen sich die Schicksale der verschiedensten Menschen, allesamt höchst eigenwillige, skurrile Persönlichkeiten. Da ist beispielsweise Najamai, die den einzigen Kühlschrank besitzt und den Nachbarn darin Platz einräumt, um genau über deren Essgewohnheiten, finanziellen Krisen und geplanten Feste informiert zu sein. Da ist ein streitlustiger, verstopfungsgeplagter Rechtsanwalt oder die Dienerin Jaakaylee, die im Treppenhaus einen Geist entdeckt...

Jede Wohnung im Mietshaus am Firozsha-Platz ist für den jungen Kersi wie eine Zauberschachtel, in der sich Schicksale entfalten, mit anderen verbinden, überraschend kreuzen. Da ist der Rechtsanwalt Rustomji, der durch die Kapriolen seiner Wasserleitung zum Märtyrer seiner Verdauung wurde, aber zu geizig ist, einen Klempner zu organisieren. Da ist Najamai, die den einzigen Kühlschrank des Stockwerks besitzt und den Nachbarn darin Platz einräumt, um genauestens über deren Eßgewohnheiten, finanzielle Krisen und geplante Feste informiert zu sein. Da ist die Dienerin Jaakaylee, die einen Geist entdeckt und so erfolgreich Angst davor hat, daß ihm andere im Haus auch begegnen. Kersi ist zu Hause in dieser Welt, in der jeder jeden kennt, und doch träumt er mit seinen Freunden vom Studium im Ausland. Erst als er tatsächlich im kühlen Wohlstand Kanadas lebt, steigt die Erinnerung an den lebhaften, geräuschvollen, engen, stimmenerfüllten Firozsha-Platz in ihm auf - eine Sehnsucht, die ihn nicht mehr verläßt.Wie in einem kostbaren Gewebe sind die Schicksale der Menschen dieses Hauses verbunden, ein Muster, das sich durch die skurrilen, humorvollen, eigenwilligen und höchst individuellen Figuren erst langsam enthüllt. Von wohletablierten Honoratioren bis zu kleinen Dienstboten, die im Grunde alle nichts Schöneres kennen, als genußvoll die Angelegenheiten ihrer Nachbarn zu diskutieren: Rohinton Mistry zeigt die ganze Fülle Indiens.


Produktinformation

  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt
  • 2002
  • Ausstattung/Bilder: 2002. 286 S.
  • Seitenzahl: 288
  • Fischer Taschenbücher Bd.13981
  • Deutsch
  • Abmessung: 192mm x 124mm x 24mm
  • Gewicht: 250g
  • ISBN-13: 9783596139811
  • ISBN-10: 3596139813
  • Best.Nr.: 09773341
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 13.03.2000

Die Gleichgewichtssucher
Parsen in Bombay: Rohinton Mistrys "Kaleidoskop des Lebens"

Unter den angloindischen Schriftstellern, die es in den letzten zwei Jahrzehnten zu weltweiter Anerkennung gebracht haben, gehört Rohinton Mistry zu den Stillen. Ihm fehlt die aggressive, selbstbezogene Originalität eines Salman Rushdie oder einer Arundhati Roy, die lyrische Intensität von Vikram Seth und die thematische Vielfalt von Amitav Ghosh. Seine drei Bücher sind eindringliche Milieustudien der winzigen religiösen Gemeinde der Parsen, auch Zoroastrier genannt, die aus Persien eingewandert sind. Sie konnten über Jahrhunderte ihre religiöse und gesellschaftliche Identität bewahren und es dabei zu beträchtlichem Wohlstand bringen. Heute wohnt die Mehrzahl in der indischen Metropole Bombay.

Mistry, selbst Parse, wuchs in Bombay auf und wanderte als 23-Jähriger nach Kanada aus, wo er zunächst als Bankangestellter arbeitete. Sein erstes Buch "Das Kaleidoskop des Lebens", im englischen Original 1987 erschienen, ist kein Roman, wie der deutsche Verlag fälschlich ausweist, sondern eine Sammlung von zwölf Erzählungen. Es hat erst nach den …

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Rohinton Mistry wurde 1952 in Bombay, Indien, geboren und lebt mit seiner Frau in der Nähe von Toronto, Kanada. Für seine Romane wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. "Das Gleichgewicht der Welt" (Wolfgang Krüger Verlag 1998) erscheint im Dezember 1999 im Fischer Taschenbuch Verlag (Bd. 14583), "So eine lange Reise" liegt bereits vor (Bd. 14006).

Kundenbewertungen zu "Das Kaleidoskop des Lebens" von "Rohinton Mistry"

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Bewertung von sabatayn76 am 27.12.2009 ***** sehr gut
Inhalt:
Rohinton Mistry erzählt von Menschen und Schicksalen in einem Mietshaus in Bombay. Da gibt es beispielsweise den Anwalt Rustomji, der in einer Wohnung lebt, die dringend saniert werden müsste, der sich jedoch weigert, etwas dafür zu bezahlen, und stattdessen Briefe an die Hausverwaltung schreibt. Da gibt es die aus Goa stammende Jacqueline, die von jedem Jaakeylee genannt wird, seit 49 Jahren als Ayah in Bombay arbeitet und an Geister glaubt. Da gibt es Francis, der sich als Bote durchs Leben schlägt, seit er seine Arbeit im Möbelgeschäft verloren hat. Da gibt es den Briefmarkensammler Dr. Burjor Mody, der von seinem nichtsnutzigen Sohn enttäuscht ist und deshalb den stillen und in sich gekehrten Jehangir in die Kunst der Philatelie einweiht.

Mein Eindruck:
Der Autor bietet dem Leser ein Kaleidoskop des Lebens in Indien - ohne kunterbunte und heile Bollywood-Welt. Er erzählt von Elend und Schmutz, von Gestank und Enttäuschung. Die Schilderungen sind bisweilen unappetitlich, doch wirken sie stets authentisch. Der Leser begibt sich auf eine Reise in ein Indien der Bettler, der Ratten und Kakerlaken, der Paan-Kauer, der überfließenden Gullys, des Kastensystems. Und doch gibt es Lichtblicke - das Zusammengehörigkeitsgefühl in Familien, die unvergleichliche Nachbarschaftshilfe, die Unterstützung und Liebe, die die Protagonisten trotz der häufig nicht einfachen Lebensumstände erfahren.

Mein Resümee:
Ein spannendes Buch über ein Indien fernab touristischer Pfade und ein lebendiges Zeugnis eines Landes der großen Gegensätze.

Weiterlesen:
Großartig und nicht zu übertreffen: Das Gleichgewicht der Welt von Mistry.

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Bewertung von Lisega am 02.09.2009 ***** sehr gut
In zwölf Erzählungen entführt Rohinton Mistry die Leser nach Bombay, genauer gesagt in einen Mietkomplex am Firozsha Baag. Leider beginnt das Buch mit einer Geschichte über den unsympathischsten Bewohner, Rustomji den „Zorngickel“. Dies und die vielen indischen Begriffe, die nur teilweise im Anhang erläutert sind, haben mir den Einstieg in das Buch ein bisschen erschwert. Ohne Vorkenntnisse über die parsische Religion und Kultur blieb mir vieles unklar. Doch nach und nach haben mich die Geschichten aus Bombay gepackt – man muss halt nicht alles verstehen, sondern sollte einfach unbefangen in das Leben der Bewohner vom Firozsha Baag eintauchen. Mistry versteht es, ein farbenprächtiges Bild der Hausgemeinschaft zu schaffen, und seine Charakterzeichnungen sind trotz der relativen Kürze der einzelnen Erzählungen sehr tiefgründig. Da gibt es neben dem grantigen Anwalt Rustomji die Witwe Najamai, die über alles und jeden Bescheid weiß und durch ihre Neugier leicht aufdringlich werden kann, den Arzt Dr. Mody, der die Verzweiflung ob seines missratenen Sohnes hinter seinem jovialen Auftreten versteckt, das Kindermädchen Jaakaylee, das aus Goa stammt und als Christin unter Parsen lebt, den schüchternen Jehangir, der sich wegen seiner Freundin mit den Eltern anlegt, und nicht zuletzt Kersi, das Alter Ego des Autors, der es zwar schafft, nach Kanada auszuwandern, aber den Draht zu seinem sozial engagierten Bruder Percy verliert. Insgesamt ein schönes Buch, das einen Einblick in das indische Großstadtleben gewährt und neugierig auf die hochgelobten Romane des Autors macht („Das Gleichgewicht der Welt“ werde ich demnächst auch lesen).

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