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Vergriffen, keine Neuauflage
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3 Angebote ab € 2,10
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Bewertung von http://gottagivethembooks.wordpress.com am 08.08.2011 |
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Als Marie Zweisam mit 14 Jahren die Möglichkeit bekommt sich als Dienstmädchen in einem vornehmen Haushalt im österreichischen Linz zu verdingen, kann sie sich glücklich schätzen. Denn als unehelich geborenes Kind einer einfachen Bauerntochter vom Dorf stehen ihr nun wahrlich nicht viele Türen offen. Auch ihre hervorragenden schulischen Leistungen konnten daran nichts ändern. Doch ihren Drang nach Wissen kann dem gescheiten Mädchen niemand nehmen und so findet sie immer wieder Wege, ihrem Geist Nahrung zu verschaffen. Als Franz Janus, der Sohn einer angesehenen Bäckerfamilie, beginnt, ihr den Hof zu machen und schließlich um ihre Hand anhält, scheint zunächst alles gut zu werden. Doch eine unvergessene Liebe und die politischen Unruhen durch die Machtergreifung der Nazis scheinen ein Happy End unmöglich zu machen. Packend und einfühlsam erzählt Rosemarie Marschner die eindrucksvolle Geschichte einer Frau vor dem Hintergrund der Nazidiktatur in Österreich. Ein junges Mädchen, das sich weder von seiner Herkunft noch von den verbohrten Vorstellungen und Vorurteilen seiner Mitmenschen seinen Wissensdurst nehmen lässt und das lernt, für sich selbst zu kämpfen und seinen eigenen Weg zu finden. Die Charaktere sind wunderbar gezeichnet und auch das Gesellschaftsbild Österreichs zur Nazizeit ist überaus überzeugend. Man fühlt die Beklemmung und den Druck, unter dem die Menschen stehen, spürt die konfliktgeladene Stimmung in der Stadt. Ein Hexenkessel, bei dem ein Funke genügt um ihn zum explodieren zu bringen. Auch sprachlich bleiben bei diesem Roman wenige Wünsche offen. Sehr stilsicher gelingen der Autorin ganz wunderbare Szenen: "In der Nacht, wenn Marie im Bett lag und nicht einschlafen konnte, lauschte sie den Geräuschen des Hauses: dem Ächzen der Dachsparren, dem unerklärlichen, leisen Poltern draußen in der Scheune und dem Knarren der Holzstufen. Als sie noch ein Kind gewesen war, hatte ihr die Mutter erklärt, dass sich im Laufe des Tages in den Stufen die Schritte sammelten und sich nachts in umgekehrter Reihenfolge wiederholten und auflösten. Mancher glaube dann wohl, dies seien die Gespenster der Verstorbenen, doch in Wahrheit sei es nur das Echo vom Leben des vergangenen Tages." (Seite 203) Ich fühlte mich beim Lesen stilistisch sogar gelegentlich an Ulla Hahn erinnert, die zwar in erster Linie als Lyrikerin von sich Reden macht, aber für mich auch in der Prosa zu den ganz großen der deutschen Literatur gehört. Rosemarie Marschner ist also unbedingt auf dem richtigen Weg und hat mich mich diesem Roman definitiv von sich überzeugt. Zitate: Wie hätte sie sich je hier zurechtfinden können? Wie sich Achtung erwerben unter diesen Menschen, denen der Schein nicht weniger galt als das Sein? (Seite 78) Alles lag so lange zurück. Und doch war es nicht vergessen. Wie kann es sein, dass Menschen einander solchen Schmerz zufügten? Sogar Menschen, die einander geliebt hatten. Oder gerade sie? (Seite 187) Ein Regime plante, die Welt zu erobern: Aus den Nachrichtenfetzen im Radio, die Marie kaum beachtet hatte, hatte sie dieses eine entnommen und gleich wieder vergessen, weil sie nun in einer Wirklichkeit lebte, die viel kleiner war und in der sich keiner für die Begierden der Mächtigen und der Machthungrigen interessierte. Leben wollte man. Gesund sein wollte man. Und vor allem nicht einsam sein wollte man. Doch Marie war nun einsam. Sie hatte alles verloren. Alles. (Seite 211/212) Auf immer? Während der Wind ihr trauerlose Tränen in die Augen trieb, dachte Marie, dass sie gar nicht wusste, was das war: immer. Kein fester Zustand wohl, sondern eine ständige Entwicklung. Doch wohin führte diese Entwicklung? Was würde in zehn Jahren sein? Oder in zwanzig? Oder gar noch mehr? (Seite 221) (Rezension leider gekürzt wegen Begrenzung auf 4000 Zeichen) |
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