Nach Bekunden des Regisseurs Mel Gibson geht seine Darstellung der
Leiden Christi im Film "Die Passion Christi" auf die von
Clemens Brentano niedergeschriebenen Visionen der stigmatisierten
Anna Katharina Emmerick (1774-1824) zurück, deren Seligsprechung im
Jahr 2004 erfolgen soll. Das erschütterndste Ereignis der
Weltgeschichte ist die Kreuzigung Christi auf Golgota. Es gibt in
der christlichen Literatur keine Darstellung der Passionsgeschichte
des Herrn, die so wirklichkeitsnah, echt bis in alle Details und
dramatisch das Geschehen wiedergibt wie diese. Von allen
Emmerichbüchern ist es das bekannteste. Anna Katharina schaute
nicht nur Bilder wie von ferne, sondern sie war unter Führung ihres
Schutzengels Augenzeugin im Heiligen Land, sie war mitten im
Geschehen, sie hat oft aufgeschrieen und geweint. Es handelt sich
also um einen Tatsachenbericht. Das bittere Leiden ist das einzige
Werk, das Clemens Brentano selbst zusammengestellt hat. Über fünf
Jahre lang saß er an ihrem Krankenbett und schrieb ihre Visionen
auf.
Clemens Brentano, 9. 9. 1778 Ehrenbreitstein bei Koblenz - 28. 7. 1842 Aschaffenburg, Sohn des Frankfurter Kaufmanns Peter Anton Brentano und dessen Frau Maximiliane (geb. La Roche), brach nach seiner Schulzeit am Koblenzer Jesuitengymnasium (1787-90) und dem Mannheimer Philanthropin (1791-93) mehrere Versuche einer bürgerlichen Berufsausbildung ab. Nach dem Tod von Mutter (1793) und Vater (1797) besuchte er, durch ein beträchtliches Erbe finanziell unabhängig, die Universitäten in Jena (1798-1800 Medizin) und Göttingen (1801 Philosophie), ohne einen festen Abschluss anzustreben. Wichtig für seine Entwicklung wurde vielmehr die Beziehung zum Kreis der Frühromantiker in Jena - hier lernte er auch seine spätere Frau Sophie Mereau kennen (Heirat 1803) - und die Freundschaft mit A. v. Arnim (Göttingen). Von 1804-08 kam es in Heidelberg zur intensiven Zusammenarbeit mit Arnim und weiteren romantischen Schriftstellern und Wissenschaftlern (J. Görres, Friedrich Creuzer). Neben heftigen literarischen Auseinandersetzungen mit J. H. Voß und seinen Anhängern trugen ein in turbulenter Form öffentlich ausgetragener Ehekonflikt dazu bei, den Aufenthalt in Heidelberg unmöglich zu machen (nach dem Tod S. Mereaus 1806 hatte B. 1807 Auguste Bußmann geheiratet; Trennung 1809, Scheidung 1812). Landshut (1808-09), Berlin (1809-11), Böhmen (1811-13), Wien (1813-14) und wieder Berlin (1814-18) waren die nächsten Stationen. Im Zusammenhang mit der unglücklichen Liebe zur protestantischen Pfarrerstochter Luise Hensel, die er 1816 kennenlernte, kam es zu einer tiefen Lebenskrise, die in eine Generalbeichte und die Rückkehr zum katholischen Glauben (1817) mündete. B. stellte seine Kunst von nun an in den Dienst der katholischen Erneuerung. Von 1818 bis 1824 hielt er sich im westfälischen Dülmen auf, um die Visionen der stigmatisierten Nonne Anna Katharina Emmerick aufzuzeichnen, Basis für eine (z. T. postum publizierte) erfolgreiche Trilogie eines Leben Jesu. Nach dem Tod der Nonne