Dandys - Virtuosen der Lebenskunst - Erbe, Günter

Dandys - Virtuosen der Lebenskunst

Eine Geschichte des mondänen Lebens

Günter Erbe 

 
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Dandys - Virtuosen der Lebenskunst

In unserer glitzernden Medienwelt, in der Schein mehr gilt als Sein, kommen die Attitüden des Dandys, die früher nur in exklusiven Kreisen Resonanz fanden, wieder in Mode. Der Dandy, der modebewusste Beau, in der Regel ein Aristokrat und Müßiggänger, beherrschte zu Anfang des 19. Jahrhunderts die elegante Männerwelt und erlebte im Fin de siecle eine Renaissance. Welche Faszination ging von ihm aus? Von der Regency-Epoche über die Ära des Bürgerkönigs Louis Philippe, die Belle epoque, bis zu seinen letzten Ausläufern im 20. Jahrhundert wird dieser Gesellschaftstypus in europäischem Maßstab dargestellt. Im Typ des Dandys durchdringen Mode-, Gesellschafts- und Literaturgeschichte einander auf spannende Weise. Zugleich bietet das Buch auch eine Geschichte der mondänen Gesellschaft der europäischen Metropolen, in der prominente Dandys wie George Brummell, Lord Byron, Benjamin Disra li, Charles Baudelaire oder Oscar Wilde zu Wort kommen. Memoiren, Briefe, Tagebücher von Zeitzeugen, B iografien, Reiseliteratur, Anstandsbücher und Traktate, sittengeschichtliche Darstellungen, Artikel der Modepublizistik, Modekupfer und Karikaturen sowie Werke der schönen Literatur sind die reichhaltigen Quellen, auf die sich Günter Erbe in seiner Untersuchung stützt.


Produktinformation

  • Verlag: Böhlau
  • 2002
  • Ausstattung/Bilder: 2002. 346 S. m. Abb.
  • Seitenzahl: 346
  • Deutsch
  • Abmessung: 216mm x 144mm x 31mm
  • Gewicht: 586g
  • ISBN-13: 9783412056025
  • ISBN-10: 3412056022
  • Best.Nr.: 10665985
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 18.12.2002

Prinzen sollten nicht zu dick sein
Trivialität ist zu bekämpfen: Günter Erbe führt den Dandy ins Feld

Aristokratische Lebensentwürfe gab es seit der Antike. Die "Nikomachische Ethik" war nicht das Werk eines Einsiedlers, der Autor gehörte vielmehr zur Oberschicht der führenden kulturellen Metropole am Mittelmeer. Aristoteles beobachtete die gehobene Gesellschaft von Athen, um über die Kunst des Lebens nachzudenken. Er redete nicht dem Dünkel das Wort, sondern schälte den zivilisatorischen Kern der vornehmen Lebensführung heraus. Es gelte, die Affekte, Begierde also und Zorn, zu meistern. Man müsse die Mitte, das Maß finden, freigiebig und hochherzig, witzig und gewandt sein. Ebenso lehrte in der frühen Neuzeit Michel de Montaigne in seinen "Essais" die Selbstbeherrschung, die Mäßigung und die Weltläufigkeit. Am Hof von Versailles entfalteten sich die Elemente der monde, der großen Welt. Norbert Elias zählt dazu in seiner "Höfischen Gesellschaft" die reiche Durchbildung des Geschmacks, gutes Aussehen und Benehmen, Eleganz und Esprit. Am Ende des achtzehnten Jahrhunderts wurde die aristokratische Lebensweise brüchig. Spätestens seit …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 06.11.2002

Dandy reimt sich nicht auf Handy
Artisten des Müßiggangs, Tagediebe auf höchstem Niveau, Verderber der Jugend, Verächter der Frauen: Günter Erbe schreibt die Geschichte einer ausgestorbenen Lebenskunst
Von George Bryan Brummell, der von 1798 bis 1816 über die Londoner Modewelt herrschte und wegen der makellosen Eleganz seiner Erscheinung und seines untrüglichen Stilempfindens als „Beau” Brummell bekannt war, ist die folgende Anekdote überliefert: Er, der aus einfachen Verhältnissen stammte, wurde von einem neureichen Bewunderer zur Dinnerparty geladen und aufgefordert, die Tischrunde selbst zusammenzustellen. Als die Gäste versammelt waren, äußerte Brummell sein Erstaunen darüber, dass der Gastgeber sich erkühnt hatte, mit am Tisch Platz zu nehmen.
Der Vorfall trifft, geben wir es zu, vollkommen den Humor unserer Epoche, die sich an solchem Snobismus halb lüstern, halb entrüstet delektiert, weil sie keine Chance mehr hat, ihn zu leben. George Brummell, hauptberuflich mit der Pflege seines Äußeren, der Kunst der Konversation und der despotischen Verkündung von Geschmacksurteilen beschäftigt, wurde berühmt als Urbild und König aller Dandys. …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Wirkliche Dandys gibt es nicht mehr, bedauert Erwin Seitz, denn sie seien aus einer bestimmten historischen Epoche hervorgegangen, als sich Lebensweisen des Bürgertums und Adels immer mehr verschränkten. Diese Epoche war spätestens mit dem 1. Weltkrieg vorbei. Aber es gibt Hoffnung, denn es gibt noch Autoren, die von diesen stil- und geistvollen Lebemännern berichten und dabei den richtigen Ton anzuschlagen wissen, freut sich Seitz. Je mehr sich das Bürgertum mit dem Adel vermischte, bemerkt Seitz, um so mehr bekam das Zweckmäßige Vorrang vor der Eleganz. Dies ist - historisch gesehen - der Moment für den Auftritt des Dandys, erläutert er, der die Brüchigkeit der mondänen Adelswelt erkannt und zugespitzt habe. Geschickt verknüpfe der Autor biografische Porträts berühmter Dandys wie George Bryan Brummell mit geschichtlichen Linien, so dass eine lebendige Kulturgeschichte mondäner Lebensentwürfe entstanden sei, die ihren Gegenstand mit jener "spielerischen Leichtigkeit" behandele, die ihm angemessen ist.

© Perlentaucher Medien GmbH
Günter Erbe lehrt Kultur- und Literatursoziologie an der FU Berlin und der Universität Zielona (Polen).

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