Da steht mein Haus - Keilson, Hans

Hans Keilson 

Da steht mein Haus

Erinnerungen

Herausgeber: Detering, Heinrich
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Da steht mein Haus

»Mit der Veränderung der Persönlichkeit ändert sich auch die Qualität der Erinnerung.« Diesen Satz zitiert Hans Keilson gleich zu Beginn seiner rückblickenden Erzählung. Es sind Spiegelungen und Splitter, leise und zweifelnde Betrachtungen, die in diesen ebenso bewegenden wie heiteren Erinnerungen aufscheinen.
Die Jugend in Brandenburg, das Studium und das rauschende Leben in Berlin, das Exil in Holland - das sind die äußeren Stationen dieses Lebens. Wirtschaftskrise, Antisemitismus, Krieg, aber auch Freundschaft, Musik und Hoffnung bilden den Rahmen dazu.
Entstanden in den neunziger Jahren, findet Hans Keilson in diesem Buch einen literarischen Ton, der seinem grandiosen und weltweit übersetzten Werk eine weitere Facette hinzufügt.
An Stelle eines Nachworts findet sich am Schluss des Bandes ein ausführliches Gespräch über »hundert Jahre« Lebens- und Schaffenszeit.

Hans Keilson, dessen literarisches Werk weltweit übersetzt und begeistert gelesen wird, lässt in seinen Lebensbildern eine vergangene Zeit auferstehen. Er erzählt Geschichten aus seiner Jugend und beleuchtet die Rolle der Juden in Deutschland, den zunehmend spürbaren Antisemitismus der 1920er Jahre und schließlich die schroffe Zäsur des Exils. Das Leben im Versteck, der Verlust der Eltern, Bomben über Deutschland - davon erzählt Hans Keilson behutsam und mit zarten Strichen und gerade deshalb unvergleichlich und unvergesslich.


Produktinformation

  • Verlag: S. Fischer
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 144 S.
  • Seitenzahl: 141
  • Deutsch
  • Abmessung: 213mm x 134mm x 17mm
  • Gewicht: 244g
  • ISBN-13: 9783100485199
  • ISBN-10: 310048519X
  • Best.Nr.: 33236347
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 17.04.2011

Schön, gefragt zu werden

Hans Keilson ist 101. Jetzt erscheint seine Autobiographie. 1936 floh er vor den Nazis, seither lebt er in Holland. Und im Alter kommt mit einem Mal der Ruhm, und seine Bücher werden auf der ganzen Welt gelesen

Hans Keilson lacht. Hans Keilson wundert sich. Ein alter Mann schaut auf sein Leben und staunt. Immer wieder wird er an diesem Nachmittag sagen: "Ist das nicht herrlich?", und dabei fragend hinüberschauen, von seinem großen Sofa in seinem Haus in Bussum bei Amsterdam, in dem er seit mehr als fünfzig Jahren lebt. Er erzählt vom Tod und vom Leben und immer wieder lachend von diesem späten, großen, unglaublichen Ruhm. "Ja meinen Sie, dass das echter Ruhm ist? Oder ist das Mache?" Hmm, nicht schwer, darauf zu antworten: Wenn es so etwas gibt wie echten Ruhm, ja, dann erlebt ihn der Sportlehrer, Arzt, Psychoanalytiker und Schriftsteller Hans Keilson jetzt, im Alter von 101 Jahren.

Die "New York Times" schrieb: "Keilson ist ein Genie"; seine Bücher wurden in Amerika neu aufgelegt, wurden aus dem Stand, mehr als fünfzig Jahre nach ihrem ersten Erscheinen, zu Bestsellern; Übersetzungen erscheinen in der ganzen …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 06.05.2011

Gebleicht im Strom der Zeit
Die Erinnerungen des Arztes und Schriftstellers Hans Keilson gehören zu den wichtigen Büchern deutscher Juden
Es ist ein schmales Buch, in dem ein langes Leben enthalten ist. Es trägt Verse als Motto, wie sie früher in Deutschland in die Wäsche eingestickt waren oder gerahmt an den Kleiderschränken hingen: „Geblüht im Sommerwinde, / gebleicht auf grüner Au, / liegt weiß es jetzt im Spinde / als Stolz der deutschen Frau.“ Der Spruch hat hier eine Überschrift, die er an den Kleiderschränken nicht hatte: „Als ich Deutschland verließ.“ Der Titel des schmalen Buches „Da steht mein Haus“ meint das Haus in Holland, in dem der Verfasser seit über einem halben Jahrhundert lebt. Inzwischen ist er 101 Jahre alt.
Hans Keilson, 1909 in Bad Freienwalde an der Oder geboren, hat als deutscher Jude das von den Nationalsozialisten beherrschte Deutschland 1936 verlassen. Da war er bereits ausgebildeter Mediziner und staatlich geprüfter Turn-, Sport- und Schwimmlehrer, hatte an jüdischen Schulen in Berlin und im Landschulheim Caputh unterrichtet. Und er hatte 1933, gefördert von dem bedeutenden Lektor und Lyriker Oskar …

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Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Beeindruckt zeigt sich Rezensent Lothar Müller von Hans Keilsons Erinnerungen "Da steht mein Haus". Der inzwischen 101 Jahre alte Arzt, Psychoanalytiker und Schriftsteller, der 1936 emigrieren musste und seitdem in den Niederlanden lebt, verzichtet in den 22 kurzen Kapiteln der Erinnerungen laut Müller "souverän" auf jede epische Breite, um stattdessen auszusparen, anzudeuten und zu verdichten. Damit gewinnt das Buch für Müller eine hohe Prägnanz, die in Episoden, Erinnerungsbildern und Schlüsselszenen aus der Kindheit greifbar wird. Die Kinderlandschaft geht Keilson nie verloren, erscheint aber auch nie als Idylle, wird sie doch von Beginn von den "Drohungen des Zeitalters" überschattet. Müllers Fazit: ein Werk, das in seiner "schlichten, ruhigen Sprachgestalt" zu den bedeutendsten Erinnerungsbüchern deutscher Juden zählt.

© Perlentaucher Medien GmbH
Hans Keilson wurde 1909 in Bad Freienwalde geboren. Sein Roman "Das Leben geht weiter" erschien 1933. Er war der letzte jüdische Autor, der noch im "alten" S. Fischer Verlag debütieren konnte. Hans Keilson verließ 1936 Deutschland und emigrierte in die Niederlande, wo er noch heute lebt und praktiziert. Er hat unter den deutschen Schriftstellern der Gegenwart eine einzigartige Stellung in seinem Hauptberuf als Psychotherapeut und Forscher wie als Lyriker, Romancier und Essayist. Wie kaum ein anderer Autor hat Hans Keilson die seelischen, politischen und kulturellen Folgen der NS-Zeit analysiert und sprachlich vergegenwärtigt; ein literarisches Engagement, das bis heute anhält. In großem Kontrast zu den lauten Wirren des Jahrhunderts stehen die geradezu leisen, manchmal komischen, immer aber zutiefst menschlichen Darstellungen seiner Figuren und ihrer existentiellen und geschichtlichen Erfahrung. Ein großer Dichter in seiner Prosa, ein hellsichtiger Analytiker in seiner Dichtung. Zuletzt wurde er ausgezeichnet mit dem Johann-Heinrich-Merck-Preis, der Moses-Mendelssohn-Medaille, der Humboldt-Medaille und dem WELT-Literaturpreis.

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