City - Baricco, Alessandro

Alessandro Baricco 

City

Roman

Übersetzer: Nattefort, Anja
Gebundenes Buch
 
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City

Shatzy Shell, eine junge Frau ohne besondere Eigenschaften, lernt bei einer Telefonumfrage das Wunderkind Gould (elf Jahre und Promotion in theoretischer Physik) kennen. Ein ungleiches Paar, das im Radio Boxkämpfen lauscht, Western erfindet und sich zwischen Universität, Wohnung und Fußballfeld bewegt. Gemeinsam mit Diesel dem Riesen und Poomerang dem Taubstummen geraten sie in allerlei seltsame Geschichten. Ein Roman wie eine Stadt: voll skurriler Menschen, die sich zusammentun - witzig, phantasievoll und berstend vor urkomischen Dialogen.


Produktinformation

  • Verlag: Hanser
  • 2000
  • Seitenzahl: 329
  • Best.Nr. des Verlages: 505/19904
  • Deutsch
  • Abmessung: 208mm x 135mm
  • Gewicht: 480g
  • ISBN-13: 9783446199040
  • ISBN-10: 3446199047
  • Best.Nr.: 08848481
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 12.10.2000

Fleischeslust der Cheeseburger
Alessandro Baricco entdeckt die Genüsse der Trivialkultur

Es ist nicht Lust und Liebe, was die knapp dreißigjährige Shatzy Shell mit dem nicht mal halb so alten Physikgenie Gould zusammenbringt. Sondern die exzessive Neigung, im unpassendsten Moment mit einer Geschichte anzukommen. Als Shatzy, bei einer Comic-Zeitschrift als Telephonistin unter Vertrag, den jungen Anrufer mit einer ihrer umständlichen Anekdoten überschüttet, ist sie den Job quitt - und zieht kurzentschlossen in die Campusbude des Wunderknaben ein. Gould ist einer dieser bedauernswerten Teenager, deren Nobelpreisaussicht sie elfenbeinturmhoch von den Spielen ihrer Altersgefährten trennt. Sein Vater hat einen wichtigen Posten beim Militär und ist weit weg, die Mutter seit Jahren in der Nervenheilanstalt. Da bleibt jede Menge Zeit für bizarre Comics und sinnlose Anrufe. Zur Unterhaltung hat sich Gould zwei imaginäre Bodygards ausgedacht, einen langen schlagfertigen und einen kurzen sprachlosen, auf die er seine endlosen Selbstgespräche abwälzen kann. Und er hat jetzt Shatzy Shell, die sich bei einem der väterlichen Kontrollanrufe als sein neues …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Klapperdürr" nennt Alexander Honold die Handlung dieses Romans, was ihn allerdings ganz und gar nicht hindert, eine hoch amüsierte Kritik zu schreiben. Was Honold gefällt, ist, wie Baricco eintaucht in die Welt zweier jugendlicher Außenseiter und sich in ihre Tagträumen, um sich in ihre Popfantasien und selbst ausgedachten Geschichten einzufühlen. Sowohl mit dem hoch talentierten Physikgenie und Comicleser Gould als auch mit der etwas älteren Shatzy Shell scheinen Baricco da zwei absolut glaubhafte Repräsentanten einer aus Comics, Filmen und Musik gespeisten Trivialkultur gelungen zu sein, die Honold übrigens angesichts der schickeren und neueren "Cyberkultur" schon zur aussterbenden Art erklärt. Das einzige, was Honold an dem Roman stört, ist denn auch alles, was von diesen beiden Hauptfiguren ablenkt, nämlich gerade die rudimentäre Rahmenhandlung und die Figur eines schweigsamen und hochtrabend intellektuellen Professors. Zum Glück scheint man auf die nächste Episode mit Shatzy und Gould nie lange warten zu müssen. Honold empfiehlt vor allem die Schnellimbiss-Szene auf den Seiten 106 bis 112. Wer da "nicht vor Lachen in konvulsivische Zuckungen verfällt, ist für dieses Buch verloren".

© Perlentaucher Medien GmbH

"Selten wurde eine Kunstwelt expressiver und mit mehr gesellschaftsrelevanter Ironie dargestellt als in dieser virtuellen Stadt." (Schweizer Illustrierte)<br/><br/>"Alessandro Baricco verbindet in seinem neuesten Roman die verschiedenen Ebenen von Western, Boxreportage, Fußballberichterstattung, wissenschaftlichem Vortrag, philosophischer Abhandlung und skurrilen Geschichten. (...) Virtuelles und Reales mischt sich in dieser Romanwelt zu immer neuen Überraschungen und fordert den Leser stets von neuem heraus. (...) Ein abstruses Lesevergnügen." (Münchner Merkur)<br/><br/>"Mit einem furiosen Ideen-Überschuss und unglaublichem, perfektem Tempo- und Stilwechsel zwischen knappen Dialogen und abschweifiger Gedankenspinnerei ist 'City' wie ein 35facher Looping mit Extraschleife am Anfang und am Ende." (Schnüss)<br/><br/>"Baricco bewahrt seinen Witz. ... Das Schöne am Buch ist, dass es über 15 Seiten einen Boxkampf beschreiben kann, ohne zu langweilen. Mit dem Empfinden kennt sich Baricco gut aus, und das Denken überlässt er ohnehin seinen Professoren. Und am Ende des Buchs hat man Gould und Shatzy deshalb so gern, weil man dabei war, wie sie dreimal um ihr Haus streiften, anstatt einfach reinzugehen." (Die Zeit)<br/><br/>"Baricco nimmt sich viel Zeit für Geschichten, deren Sound auf die Liste vom Aussterben bedrohter Tonlagen gehört." (Frankfurter Allgemeine Zeitung)<br/><br/>"Baricco besticht mit einem raffiniert gewobenen Erzählstrang-Verwirrspiel ... Baricco hat Freude am Fabulieren, er will seine Leser nicht belehren, sondern bietet ihnen Kurzweil mit fein gesponnenen Phantastereien." (Der Standard)<br/><br/>"Am Ende siegt doch wieder die Poesie ..." (KulturSpiegel)
Alessandro Baricco, geboren 1958 in Turin, wird in Italien nach dem Sensationserfolg "Seta" (auf deutsch "Seide", 1997) endgültig als Kultautor und Medienphänomen gefeiert. Er veröffentlichte zunächst Musikkritiken in den wichtigsten italienischen Tageszeitungen. Seine Popularität begann mit der literarischen Fensehsendung "Pickwick", die er bis 1994 leitete. Dort stellte er mit großem Erfolg ausschließlich seine Lieblingsbücher vor, die vornehmlich aus Klassikern der Weltliteratur bestanden. Ähnlich ambitioniert ist seine Gründung der "Kreativitätsuniverität" in Turin, die angehenden jungen Autoren eine fächerübergreifende Ausbildung ermöglicht.§Seine verspielt literarischen Romane "Castelli di rabbia" (auf deutsch "Land aus Glas, 1991) und "Oceane mare" (1993) waren zunächst noch Geheimtips, gehören jedoch inzwischen nach "Seta" zu den auflagenstärksten Dauersellern der italienischen Gegenwartsliteratur.

Leseprobe zu "City" von Alessandro Baricco

"Was ist nun, Herr Klauser, soll Mami Jane sterben?"
"Von mir aus können alle zum Teufel gehen."
"Heißt das ja oder nein?"
"Was glauben Sie?"
Im Oktober des Jahres 1987 beschloß das Verlagshaus CRB, das seit zweiundzwanzig Jahren die Abenteuer des legendären Ballon Mac veröffentlichte, seine Leser in einer Meinungsumfrage darüber entscheiden zu lassen, ob Mami Jane sterben solle. Ballon Mac war ein blinder Superheld, der tagsüber als Zahnarzt arbeitete und nachts das Böse mit den sehr speziellen Kräften seines Speichels bekämpfte. Mami Jane war seine Mutter. Bei den meisten Lesern war sie sehr beliebt: Sie sammelte alte Indianerskalpe und trat abends als Bassistin in einer Bluesband auf, die ausschließlich aus Schwarzen bestand. Sie selbst war weiß. Die Idee, sie abkratzen zu lassen, kam vom kaufmännischen Leiter der CRB - einem sehr ruhigen Herrn, der nur eine einzige Leidenschaft hatte: Modelleisenbahnen. Er war der Ansicht, daß Ballon Mac auf einem toten Gleis gelandet sei und neuen Antrieb brauche. Der Tod der Mutter - die auf der Flucht vor einem paranoiden Weichensteller von einem Zug überrollt werden sollte - würde ihn in eine explosive Mischung aus Wut und Traurigkeit verwandeln, also in das genaue Abbild seines Durchschnittslesers. Die Idee war bescheuert. Aber der Durchschnittsleser von Ballon Mac war ebenfalls bescheuert.
Und so wurde im Oktober des Jahres 1987 im zweiten Stock der CRB ein Büro freigeräumt und mit acht jungen Damen besetzt, deren Aufgabe darin bestand, Anrufe entgegenzunehmen und die Meinung der Leser einzuholen. Die Frage lautete: Soll Mami Jane sterben?
Von den acht jungen Damen waren vier Angestellte der CRB, zwei hatte das Arbeitsamt geschickt, eine war die Nichte des Verlagsleiters. Die achte, eine junge Frau um die Dreißig aus Pomona, absolvierte hier ein Praktikum, das sie für die richtige Antwort bei einem Radioquiz gewonnen hatte ("Was haßt Ballon Mac am meisten auf der Welt?" "Zahnsteinentfernen."). Sie lief immer mit einem kleinen Kassettenrecorder herum. Ab und zu schaltete sie ihn an und sprach etwas hinein.
Sie hieß Shatzy Shell.
Um 10 Uhr 45 des zwölften Tages der Umfrage - der Tod von Mami Jane war mit 64 zu 30 Prozent fast beschlossene Sache (die restlichen sechs Prozent waren der Meinung, daß die ganze Mannschaft zum Teufel gehen solle, und hatten lediglich angerufen, um das mal loszuwerden) - klingelte bei Shatzy Shell zum einundzwanzigstenmal das Telefon; sie notierte die Zahl 21 auf den vor ihr liegenden Fragebogen und nahm den Hörer ab. Dann entspann sich folgende Unterhaltung.
"CRB, guten Tag."
"Guten Tag, ist Diesel schon da?"
"Wer?"
"Okay, dann ist er noch nicht da..."
"Sie sprechen mit dem Verlagshaus CRB."
"Ja, weiß ich."
"Sie müssen sich verwählt haben."
"Nein, nein, ist schon richtig, hören Sie..."
"Entschuldigung..."
"Ja?"
"Hier ist CRB, wir machen eine Umfrage zum Thema Soll Mami Jane sterben? ."
"Danke, weiß ich."
"Wären Sie so freundlich, mir Ihren Namen zu sagen?"
"Mein Name tut nichts zur Sache..."
"Den müßten Sie mir aber schon nennen."
"Okay, okay... Gould... Mein Name ist Gould."
"Herr Gould."
"Ja, Herr Gould. Dürfte ich jetzt vielleicht -"
"Soll Mami Jane sterben?"
"Wie bitte?"
"Ich hätte gern Ihre Meinung... ob Mami Jane sterben soll oder nicht."
"Aber ich -"
"Sie wissen doch, wer Mami Jane ist?"
"Ja, natürlich, aber..."
"Schauen Sie, ich möchte von Ihnen nur wissen, ob -"
"Würden Sie mir bitte einen Moment zuhören?"
"Selbstverständlich."
"Gut. Tun Sie mir einen Gefallen und schauen Sie sich kurz um."
"Ich?"
"Ja."
"Hier?"
"Ja, im Zimmer, seien Sie doch bitte so nett."
"Okay, ich schaue mich um."
"Gut. Sehen Sie zufällig einen kahlrasierten jungen Mann mit einem sehr großen Kerl an der Hand, einem wirklich großen Kerl, einer Art Riese, mit unglaublich großen Schuhen und einer grünen Jacke?"
"Nein, ich glaube nicht."
"Sind Sie sic

Kundenbewertungen zu "City" von "Alessandro Baricco"

1 Kundenbewertung (Durchschnitt 4 von 5 Sterne bei 1 Bewertungen ***** sehr gut)
***** ausgezeichnet
***** sehr gut
 
(1)
***** gut
***** weniger gut
***** schlecht
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Bewertung von Manuela aus Konstanz am 04.02.2001 ***** sehr gut
Hier zeigt sich Baricco von einer völlig anderen Seite: Witzig, frivol, brutal und sehr skurril. Seine Figuren haben außergewöhnliche Charaktere, sind gleichzeitig verrückt und liebenswert. Eine vergügliche Lektüre für all jene, die gerne auch mal die Fünfe im Leben grade sein lassen.

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