Choral des Todes - Grangé, Jean-Christophe

Jean-Christophe Grangé 

Choral des Todes

Thriller

Aus d. Französ. v. Thorsten Schmidt
Gebundenes Buch
 
3 Kundenbewertungen
***** sehr gut
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Produktbeschreibung zu Choral des Todes

Ein markerschütternder Schrei hallt durch die Kirche Saint-Jean-Baptiste. Lionel Kasdan eilt über die steinerne Rundtreppe hinauf zur Empore. Er ist Sekunden zu spät. Der Mann an der Orgel ist tot. Der Fall lässt den ehemaligen Polizisten nicht mehr los. Die Einzigen, die offenbar wissen, was geschehen ist, sind die Chorjungen. Doch sie schweigen beharrlich. Ein zweiter Mord geschieht und ein dritter. Lionel begreift langsam, dass der Schlüssel zu diesem Fall die
engelsgleichen Sängerknaben sind. Sie scheinen die Unschuld selbst zu sein, aber ihre Herzen sind finsterer als die Hölle.

Produktinformation


  • Verlag: Ehrenwirth
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 570 S.
  • Seitenzahl: 576
  • Best.Nr. des Verlages: 03793
  • Deutsch
  • Abmessung: 221mm x 120mm x 44mm
  • Gewicht: 763g
  • ISBN-13: 9783431037937
  • ISBN-10: 3431037933
  • Best.Nr.: 26354482
kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Frage: Was haben das Pinochet-Regime, der Algerienkrieg, die Menschenversuche der Nazis, Kindesmissbrauch und französische Folterspezialisten gemeinsam? Extreme Grausamkeit, klar. Als verbindendes Element innerhalb eines Romans, der eine stringente und logische Geschichte erzählen soll, ist das ziemlich schwach. Dem Thrillerguru Jean-Christophe Grangé ("Die purpurnen Flüsse") gelingt es trotzdem, diese Themen innerhalb seines "Choral des Todes" zu einer homogenen Story zu verquirlen. Entscheidend sind dabei die Biografien seiner Protagonisten: Der in Paris lebende Armenier Kasdan ist pensionierter Kommissar, kämpft mit seiner Einsamkeit, seiner Vergangenheit, seinen Depressionen. Sein Mitstreiter Volokine, ein junger Russe aus dem Jugendschutzdezernat, ist ein heroinabhängiger Frauenschwarm mit traumatischer Kindheit. Gemeinsam wollen die beiden den Mord an einem Orgelspieler aufklären; Kasdan, weil der Musiker ebenfalls Armenier war, Volokine, weil er den toten Organisten als Pädophilen enttarnen will. Auf knapp 600 Seiten reiht Grangé eine Unmenschlichkeit an die nächste - seine Themen geben einiges an Stoff her -, vernachlässigt dabei die Entwicklung seiner Hauptfiguren, liefert aber insgesamt ein hochspannendes Werk ab. Nur das Ende ist wirklich dürftig. Der actionüberfrachtete Showdown mag filmreif sein; als Finale dieses Romans kommt er viel zu schnell und viel zu rudimentär in seinen Erklärungen. (jul)
Jean-Christophe Grangé, 1961 in Paris geboren, arbeitet als freier Journalist für "Paris-Match", "Gala", "Sunday Times", "Observer", "El Pais", "Spiegel" und "Stern". Seine abenteuerlichen Reportagen führten Grange zu den Eskimos, den Pygmäen, den Tuareg und in die Mongolei.

Leseprobe zu "Choral des Todes" von Jean-Christophe Grangé

KAPITEL 33 (S. 150-151)

»Nichts für ungut, aber ich musste schallend lachen, als ich hörte, dass Sie Wilhelm Götz für ein Opfer der chilenischen Diktatur gehalten haben.« Kasdan und Volokine sahen sich an. Ihre Heiterkeit hielt sich in Grenzen. »Wir sind keine Experten«, erwiderte der Armenier. »Es hätte genügt, sich die Daten anzuschauen«, sagte Velasco lächelnd. »Götz ist 1987 aus Chile geflohen. Die politischen Flüchtlinge, das heißt diejenigen, die Angst vor Pinochet haben mussten, sind 1973 geflohen, unmittelbar nach dem Putsch.« »Man hat uns gesagt, dass Götz Ärger mit der chilenischen Justiz hatte, als er das Land verließ.

Wie war das möglich, wenn er auf der Seite der Macht stand?« »Auch dort unten haben sich die Dinge geändert. Demokratische Organisationen haben mit Hilfe der katholischen Kirche Informationen über gefolterte, verschwundene oder hingerichtete Menschen gesammelt und Akten angelegt. Die Anwälte der Organisation ›Vikariat der Solidarität‹ zum Beispiel haben gute Arbeit geleistet. Die ersten Strafanzeigen wurden schon Anfang der achtziger Jahre erstattet. Wegen Entführung, Folter, Totschlags. Was das Militär als Verhaftung, Vernehmung, Eliminierung bezeichnete.

In den härtesten Zeiten stieg die Zahl der Vermissten schätzungsweise auf dreitausend. Und das waren nicht nur Chilenen. Die ›Ausländer‹ wurden sogar vorrangig verschleppt: Spanier, Franzosen, Deutsche, Skandinavier. Es waren viele. Die Regierung Salvador Allende, die Pinochet dann mit seinem Putsch beseitigte, verkörperte eine Art Internationale des Sozialismus. Eine verwirklichte Utopie, die Aktivisten aus aller Welt anzog.

Die Belle Époque für alle, die sich zu jenen Ideen bekannten.« Das schien jedoch nicht für Simon Velasco zu gelten. Ein großer, bärtiger, grau melierter Mann mit einer ausladenden Gestik und einem einnehmenden Lächeln. Er sprach akzentfrei Französisch, abgesehen von einem leicht snobistischen Tonfall, den er sich zweifellos auf seinen diplomatischen Abendgesellschaften zugelegt hatte. Ein Großbürger aus Santiago, der bestimmt noch nie ein Gefängnis oder einen Linksradikalen aus der Nähe gesehen hatte. Der Mann bot ihnen eine eisgekühlte Limonade an, was zu dieser Jahreszeit ziemlich merkwürdig war. Aber Velasco schien noch immer im Rhythmus des sehr langen Spätsommers von Santiago de Chile zu leben.

Er hatte sie in seinem Büro empfangen – lackiertes Holz, mahagonifarbiges Leder, Zigarrenduft. Im Halbdunkel hatte Kasdan die goldbraunen Einbände der Bibliothèque de La Pléiade ausgemacht, sich die Brille auf die Nase gesetzt und die Namen der Autoren gelesen: Montaigne, Balzac, Maupassant, Montherlant. Ein ausgesprochener Frankophiler. Nachdem er die Gläser gefüllt hatte, stellte Velasco die Kristallkaraffe ab und nahm ihnen gegenüber Platz. »In den achtziger Jahren schützte eine verkappte Amnestie die Folterer. Zum einen gab es das Problem der Vermissten. Ohne Leichen keine Opfer. Zum anderen kam das Wort ›Folter‹ nicht einmal im chilenischen Strafgesetzbuch vor. Auf den ersten Blick schienen die Militärs nichts zu befürchten zu haben. Aber nur auf den ersten Blick, denn es gab andere Länder, in denen Strafanzeige erstattet wurde.

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Kundenbewertungen zu "Choral des Todes" von "Jean-Christophe Grangé"

Durchschnittliche Kundenbewertung 4 von 5 Sterne bei 3 Bewertungen ***** sehr gut
(aus 3 Bewertungen)

Bewertung von blaustgrom45 aus Walzbachtal am 07.10.2011 ***** ausgezeichnet
Das Buch ist so komplex, dass es schwierig ist, eine kurze Inhaltsangabe zu verfassen.
Wie von Grange gewohnt, haben wir ein Polizistengespann, das auf den ersten Blick nicht recht zusammenpasst. Auf der einen Seite Lionel Kasdan, ein 63jähriger, depressiver Expolizist im Ruhestand. Als in seiner armenischen Kirchengemeinde ein Mord geschieht, fängt er an zu ermitteln.
Auf der anderen Seite der junge, drogenabhängige Cedric Volokine, ein Polizist der neue Wege beschreitet, nur auf seinen Instinkt hört und dadurch eine hohe Erfolgsrate vorweisen kann.
Kasdan braucht die Ermittlungen, um seinem eintönigen Dasein zu entfliehen, Volokine braucht sie, um sich von seinem Entzug abzulenken. Beide Polizisten haben schwarze Punkte in ihrer Vergangenheit, die im Laufe der Ermittlungen immer mehr zu Tage treten. Sie müssen sich ihrer Vergangenheit stellen um zur Lösung des Falles vorzudringen.

Als die Leiche des Chorleiters in der armenischen Kirche gefunden wird, geht Kasdan zuerst von einem politischen Mord aus, ist der Ermordete doch ein Exilchilene. Als Kasdan feststellt, dass das Opfer homosexuell war und dass im Laufe der Jahre mehrere Jungen aus den vom Opfer geleiteten Chören verschwunden sind, richten sich die Ermittlungen auf die Pädophilenszene. Doch auch dieser Ermittlungsansatz führt in die Irre und die beiden Ermittler wissen nicht mehr, was Sie glauben sollen. Beide Polizisten müssen alle ihre unterschiedlichen Kontakte und Quellen anzapfen und je mehr sie über das Opfer erfahren, desto verworrener wird der Fall. Erschwerend kommt hinzu, dass beide nicht offiziell mit den Ermittlungen betraut sind und heimlich agieren müssen.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Die Chemie zwischen beiden Hauptprotagonisten stimmt, beide brauchen einander und nur zusammen können sie die Lösung finden. Die Randinformationen über Musik, Chile, Afrika ,das dritte Reich und über die Vergangenheit Frankreichs sind sehr umfassend und behindern trotz ihrer Fülle den Lesefluss nicht sondern machen das Buch zu mehr als einem Thriller.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiertes Buch

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Bewertung von Lanara am 05.10.2011 ***** gut
Der Chorleiter einer armenischen Gemeinde, Wilhelm Götz, wird ermordet. Der pensionierte Kommissar Lionel Kasdan – Mitglied dieser Gemeinde und zum Tatzeitpunkt gerade in der Kirche – mischt sich in die Ermittlungen. Unterstützung erhält er hier von dem beurlaubten Cédric Volokine und seinen ehemaligen Kollegen, die ihm heimlich Informationen zukommen lassen. Der Mord an Götz zieht weitere Morde nach sich; die Todesursache scheint die gleiche zu sein wie bei Götz, nur werden die nächsten Opfer zusätzlich gefoltert. Die Ermittlungen bringen Kasdan und Volokine an ihre Grenzen und sie müssen mehr als einmal umdenken.

Das Buch beginnt für mich ein wenig zu schleppend – ausführliche Beschreibungen, auch von Nebensächlichkeiten, haben mir den Einstieg ins Buch schwer gemacht. Doch ab dem zweiten Teil nimmt die Rasanz zu und der Spannungsbogen steigt. Der Fall wird mit Ereignissen in Deutschland und Chile, die bis zum 2. Weltkrieg zurückreichen, verknüpft und nimmt überraschende Wendungen. Wenn man sich erst mal an Grangés teilweise etwas umständlichen Schreibstil gewöhnt hat, verspricht der Roman viel Spannung. Zum Ende hin wollte ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen.

Fazit: Das war mein erster Grangé, aber nicht mein letzter

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Bewertung von Silke Schröder, hallo-buch.de aus Hannover am 24.10.2009 ***** sehr gut
„Choral des Todes“ ist der zweite Teil von Jean-Christophe Grangé’s „Trilogie des Bösen“. Wie schon der erste Band „Blut der Hölle“ beginnt der Thriller mit einem religiös-mythischen Thema. In gewohnt unheimlicher Atmosphäre verbeißt sich sein alternder Kommissar Kasdan in einen obskuren Fall, den er zunächst kaum überblicken kann - im Geiste sieht man hier bereits Jean Reno agieren, der schon in der Verfilmung von Grangés Thriller „Die purpurnen Flüsse“ einen ebenso harten wie gewieften Seniorcop gab. Inhaltlich spannt Grangé in seiner Story einen weiten Bogen von den Menschenversuchen in deutschen Nazi-KZ’s bis hin zu den brutalen Diktaturen Lateinamerikas.

Und auch wenn das Ende fast ein wenig zu fantastisch erscheint, gelingt es Grange in „Choral des Todes“ erneut, seine düster-fasziniernde Stimmung bis zum Finale aufrecht zu erhalten. Nicht zu letzt ein Verdienst des Schauspielers Wolfgang Pampel, der das Hörbuch engagiert und überaus authentisch liest.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Audio CD

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