Candide oder Der Optimismus - Voltaire

Voltaire 

Candide oder Der Optimismus

Übersetzer: Tschöke, Wolfgang
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Candide oder Der Optimismus

Dem arglosen jungen Candide erscheint das westfälische Schlösschen, auf dem er seine Kindheit verlebt hat, als paradiesisch-vollkommen, als bester aller möglichen Wohnorte. Leider begeht er - in aller Unschuld - das Verbrechen, Kunigunde, die appetitliche Tochter des Hauses, zu küssen, und wird mit Tritten in den Hintern aus seinem Kindheitsparadies davongejagt. Nun tritt er eine Reise an, die ihn kreuz und quer durch ganz Europa, Südamerika bis in das utopische Eldorado führt. Eine Kette von abenteuerlichen Erlebnissen, Krieg und die Verfolgungen der spanischen Inquisition, Schiffbruch und Erdbeben, plötzlicher Reichtum und ebenso plötzlicher Verlust, muss der Held durchstehen, bis er in Konstantinopel auf überraschende Weise Kunigunde und seine Freunde wiedertrifft. Im Kostüm amüsantester Unterhaltung versteckt sich eine der scharfsinnigsten philosophischen Satiren, die jemals gegen den Optimismus der Aufklärung geschrieben wurden. Mit Ironie und sarkastischem Wortwitz führt Voltaire (1694-1778) die Leibnizsche Doktrin des "Alles ist gut" ad absurdum, bedarf es doch einer Reihe fast tödlich endender Abenteuer, bis der gutgläubige, von seinem Lehrer Pangloß zu stetem Optimismus angehaltene Candide erkennt, wieviel in dieser Welt im Argen liegt.


Produktinformation

  • Verlag: Hanser
  • Seitenzahl: 152
  • Deutsch
  • Gewicht: 240g
  • ISBN-13: 9783446201514
  • ISBN-10: 3446201513
  • Best.Nr.: 10218292
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 11.05.1998

1776
Voltaire - Wezel "Candide" - "Belphegor"

Ein Jubeljahr für Menschenhasser und Liebhaber der Literatur, und das vereinigt sich ja oft, ein wundervolles Jahr für diese also, dieses Jahr 1776, fast, als wären Pest und Cholera gemeinsam ausgebrochen. In Frankreich war im Jahre 57, aus der Feder des großen Voltaire (der, fast zweiundachtzigjährig, tatsächlich noch lebte), "Candide" erschienen, das lakonischste und brillanteste Buch zur Heilung aller, die immer noch glaubten, es sei Vernunft in der Welt außer in solchen Romanen - und dieses Buch erschien jetzt, 1776, erstmals deutsch, übersetzt und in Riga herausgebracht von einem gewissen Philippi, der sich als Übersetzer Ralph nennt. Und im selben Jahr, und der Autor war erst elf, als Voltaires Buch in Frankreich erschien, kommt, gleich auf deutsch, ganz original, "Belphegor" heraus, von Johann Karl Wezel, der wenige Jahre danach dann "Herrmann und Ulrike" herausbrachte. Sicher kannte Wezel Voltaire, er hat selber auch aus dem Französischen übersetzt, Theaterstücke. Aber Voltaire, als er seinen Candide durch die vernunftlose Welt schickt, war alt, häßlich und entsetzlich abgebrüht; Wezel, …

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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Das Buch war anonym erschienen, bald in halb Europa verboten (nicht jedoch in Preußen) und dennoch ein Riesenerfolg, mit 48 Ausgaben 1789. Ein philosophischer Text im Gewand der Erzählung, ein tiefschwarzer Blick auf die Welt, in dem manches surreale Übertreibung ist, anderes die schlichte Wahrheit: das war der 1759 erstmals erschienene Candide Voltaires. Eher unbeachtet geblieben ist, wie Ursula Pia Jauch meint, dass man auch Interessantes über das deutsch-französische Verhältnis erfährt. Kein Wunder, dass Gottsched bei Erscheinen der ersten deutschen Übersetzung 1761 den "Generalverriss" des Buches in Deutschland anführte. Die neue Ausgabe nun ist auch neu übersetzt und zwar von Wolfgang Tschöke, und zwar mit, wie die Rezensentin formuliert, "instruierter Feder". Schön findet sie auch, dass die bisher als Baron von Donnerstrauch bekannte Figur nun wieder, wie im sperrigeren Original, als Baron von Thunder-ten-tronckh auftreten darf.

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Voltaire, eig. François-Marie Arouet, geb. 1694 in Paris, besuchte dort das Jesuitenkolleg Louis-le-Grand und fand nach Abschluß seines Studiums bald Zugang zu aristokratischen freidenkerischen Kreisen. 1717 brachte ihm eine Satire auf Ludwig XIV. ein Jahr Haft in der Bastille ein. Später mußte er seines Freidenkertums und seiner aufklärerischen Schriften wegen mehrfach Paris verlassen. In England und auf dem Schloß einer Freundin in der Champagne fand er Asyl. 1750 folgte er einer Einladung an den Hof Friedrich des Großen, wurde aber drei Jahre später in Ungnade wieder entlassen. Er starb 1778 in Paris.

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