Bronsteins Kinder - Becker, Jurek

Jurek Becker 

Bronsteins Kinder

Roman

Broschiertes Buch
 
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Bronsteins Kinder

Damals, 1973, lebte Hans zusammen mit seinem Vater. Mit Martha, der Frau, die er liebte, fuhr er häufig zu dem Häuschen des Vaters vor der Stadt. Eines Tages fand Hans das Haus besetzt. Dies war der Beginn einer Geschichte, die sein Leben veränderte: In dem Haus wurde ein Mann gefangengehalten. Der Vater und zwei seiner Freunde hatten herausgefunden, daß er Lageraufseher während des Krieges war. Nun verhörten sie ihn, schlugen ihn. Sie, die Überlebenden, glaubten eine Legitimation für ihr Handeln zu besitzen, wie sie nur Opfern zusteht. Hans ist zum Mitwisser geworden, und der Vater hielt ihn, weil er das Vorgehen mißbilligte, für einen Feind. Jetzt, ein Jahr später, lebt der Vater nicht mehr. Hans wohnt inzwischen bei Martha, aber die Liebe ist erloschen. Er will nicht bleiben und weiß nicht, wohin. Um die Geschichte vom vergangenen Jahr, von der Entführung des Aufsehers und vom Tod seines Vaters, vergessen zu können, erzählt er sie.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 1988
  • 1988.
  • Ausstattung/Bilder: 302 S.
  • Seitenzahl: 302
  • Suhrkamp Taschenbücher Nr.1517
  • Best.Nr. des Verlages: 38017
  • Deutsch
  • Abmessung: 182mm x 110mm x 20mm
  • Gewicht: 189g
  • ISBN-13: 9783518380178
  • ISBN-10: 3518380176
  • Best.Nr.: 03347644
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 22.01.2005

Band 45
Der Karpfen in der Wanne
Jurek Beckers Roman „Bronsteins Kinder”
„Vor einem Jahr kam mein Vater auf die denkbar schwerste Weise zu Schaden, er starb.” So lakonisch beginnt Hans seine Erzählung. Mit dem Verstand will er erledigen, was andere mit ihren Gefühlen leisten, und er wünscht sich das „steinerne Herz”, damit ihm in Zukunft sterben kann, wer will, „noch so ein Jahr wird mir nicht mehr passieren”. Was sich dann als Szenerie enthüllt, scheint zu gewaltig, zu überdimensioniert für die DDR-Welt des Sommers 1973 zu sein: In einem Wochenendhaus in der Nähe von Berlin wird ein ehemaliger KZ-Aufseher gefangen gehalten. Seine drei Entführer, die ihn verhören und foltern, sind Juden, frühere Häftlinge, unter ihnen Hans’ Vater, der, wenn es ein Gericht gäbe, das von ihnen, den Juden, anerkannt würde, nie auf die Idee einer Folterung gekommen wäre.
Was Hans erzählt, erklärt nicht, warum sich die drei Männer gebärden wie „die Helden eines Alptraums”. Über den Tod des Vaters weiß man am Ende kaum mehr als zu Beginn, ebenso wenig erfährt man, warum die Liebe zwischen Hans und Martha …

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Jurek Becker wurde am 30. September 1937 in Lodz/Polen geboren und starb am 14. März 1997 in Sieseby/Schleswig-Holstein. Von 1939 bis 1945 wuchs Becker im Ghetto in Lodz auf und wurde später in den Konzentrationslagern Ravensbrück und Sachsenhausen inhaftiert. 1945 siedelte er in den Ostteil Berlins über, wo er von 1957 bis 1960 Philosophie an der Humboldt-Universität studierte. 1960 wurde Becker aus politischen Gründen vom Studium ausgeschlossen und ging an die Filmhochschule Babelsberg. Becker ist Autor zahlreicher Drehbücher. 1969 wurde sein erster Roman veröffentlicht. Jakob der Lügner wurde weltbekannt. Jurek Beckers Werk wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Adolf-Grimme-Preis in Gold und dem Bundesverdienstkreuz.   Zeittafel 1937 30. September: Jurek Becker wird in Lodz/Polen geboren. 1939-1945 Becker wächst im Ghetto in Lodz auf und wird später in den Konzentrationslagern Ravensbrück und Sachsenhausen inhaftiert. 1945 Übersiedlung in den Ostteil von Berlin, Jurek Becker lernt Deutsch. 1955 Nach dem Abitur zweijähriger Militärdienst in der Nationalen Volksarmee der DDR. Mitglied der Freien Deutschen Jugend (FDJ) und 1957 auch der SED. 1957-1960 Studium der Philosophie an der Humboldt-Universität. 1960 wird Becker aus politischen Gründen vom Studium ausgeschlossen. 1960 Studium an der Filmhochschule Babelsberg. 1962-1977 lebte als freier Schriftsteller in Ost-Berlin, arbeitete als DEFA-Drehbuchautor, wo sein Drehbuch Jakob der Lügner zunächst abgelehnt wurde. Texte für das Kabarett Die Diestel und für die Filme Wenn ein Marquis schon Pläne macht (1962), Gäste im Haus (1963), Zu viele Kreuze (1963/64) und Immer um den März (1967). 1969 Sein erster Roman Jakob der Lügner wird veröffentlicht. Der Roman wird weltbekannt. 1971 Charles-Veillon-Preis und Heinrich-Mann-Preis. 1972 Mitglied im PEN-Zentrum der DDR. 1973 Bremer Literaturpreis für seinen zweiten Roman Irreführung der Behörden. Wird in den Vorstand des Schriftstellerverbandes gewählt, trat jedoch 1977 aus Protest gegen die Partei aus. 1975 Verleihung des Nationalpreises der DDR. 1976 Der Roman Der Boxer wird veröffentlicht. Becker protestiert öffentlich gegen den Ausschluß Rainer Kunzes aus dem Schriftstellerverband der DDR und ist Mitinitiator des Protestbriefes gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann. Daraufhin wird er aus der SED und aus dem Vorstand des Schriftstellerverbandes ausgeschlossen, trat aus Protest gegen diesen Ausschluss 1977 aus dem Verband aus. 1977 Becker verläßt die DDR und lebt vorwiegend in Berlin. 1978 Gastprofessur, Oberlin, Ohio 1978 Veröffentlichung seines Romans Schlaflose Tage in einem westdeutschen Verlag. Das Buch wird in der DDR nicht verlegt. 1978/79 Gastdozentur an der Universität Essen, anschließend Umzug nach West-Berlin. 1979 und 1982 Verfilmung der Bücher Der Boxer und Schlaflose Tage für das Fernsehen. 1980 Veröffentlichung der Erzählungen Nach der ersten Zukunft. 1981 Gastprofessor an der Universität Augsburg. 1982 Veröffentlichung des Romans Aller Welt Freund. 1983 Mitglied der Akademie für Sprache und Dichtung Darmstadt. 1986 Drehbücher für die ARD-Serie Liebling Kreuzberg. Verleihung des Adolf-Grimme-Preis in Gold an Manfred Krug, Jurek Becker und Heinz Schirk . Veröffentlichung des Romans Bronsteins Kinder. 1989 Poetikvorlesungen an der Universität Frankfurt/Main. 1990 Der Film Neuner, nach dem Drehbuch von Becker kommt in die Kinos und wird 1991 mit dem Deutschen Filmpreis "Filmband in Gold" ausgezeichnet. Mitglied der Akademie der Künste Berlin. 1992 Veröffentlichung des Romans Amanda herzlos. 1994 Die Fernsehsatire Wir sind auch nur ein Volk wird in der ARD gesendet. 1996 Veröffentlichung des Bandes Ende des Größenwahns, in dem Aufsätze und Vorträge aus den Jahren 1971 bis 1995 zusammengestellt sind. 1997 14. März: Jurek Becker stirbt in Sieseby / Schleswig-Holstein.

Kundenbewertungen zu "Bronsteins Kinder" von "Jurek Becker"

3 Kundenbewertungen (Durchschnitt 3.7 von 5 Sterne bei 3 Bewertungen ***** sehr gut)
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Bewertung von olgica am 31.05.2010 ***** sehr gut
"Darf einer, der mit dreißig Jahren geschlagen wurde, mit sechzig zurückschlagen?"

Der 19jährige Hans Bronstein lebt im Jahre 1973 zusammen mit seinem Vater, seine doppelt so alte Schwester wurde während des Krieges weggegeben, da die Familie jüdischen Glaubens ist. Die Schwester ist seither geistig verwirrt und lebt in einem Heim, wo sie regelmäßig von Hans besucht wird. Als Hans sich mit seiner Freundin Martha zu einem romantischen Stelldichein in der Waldlaube seines Vaters treffen will, macht er dort eine schockierende Entdeckung: Sein Vater und zwei weitere Männer, halten dort einen Mann gefangen und scheinen ihn auch zu foltern. Der Mann war im Krieg Aufseher in einem Konzentrationslager und die drei Juden möchten sich nun rächen.

Jurek Becker verwebt geschickt zwei Zeitebenen miteinander. Der Ich-Erzähler berichtet abwechselnd aus seinem jetzigen Leben und dem von vor einem Jahr, als er das Geheimnis seines Vaters entdeckte. Mit einer lebendigen Sprache werden die Ereignisse und Gedanken unterhaltsam geschildert. Leider bleibt jedoch einiges im Dunkeln was mich noch interessiert hätte, z.B. woran Hans' Vater gestorben ist oder warum seine Beziehung zu Martha gescheitert ist. Aber das ist wohl nebensächlich, denn der Roman behandelt zentral zwei grundsätzliche Problematiken; Dürfen sich Kriegsopfer an ihren Peinigern rächen? und Darf ein Geheimnis unter keinen Umständen verraten werden? Zu letzterer Frage ist der Gefühlszwiespalt von Hans sehr gut beschrieben und man kommt nicht umhin sich zu fragen, wie man selbst in dieser moralischen Zwickmühle verfahren würde. Die Frage der Rache wird weniger ausführlich besprochen, doch steht sie stets im Raum. Handelt es sich doch fast um eine Grundfrage der Menschheit, die bereits mit dem Zitat "Auge um Auge, Zahn um Zahn" im Alten Testament aufgeführt wird, dem Buch woran Juden und Christen gleichermaßen glauben.

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Bewertung von Schülerin aus Göppingen am 16.12.2002 ***** sehr gut
Da wir dieses Buch in der Schule durchgenommen haben, war ich "gezwungen", es zu lesen. Doch so schlecht ist es gar nicht...

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Bewertung von Schülerin, gezwungen dieses Buch zu lesen am 11.01.2001 ***** gut
Dieses Buch ist durch und durch einfach langweilig....wirkliche Tiefgründigkeit kommt nicht auf und man braucht lange um herauszufinden, was dieses Buch aussagen will!

1 von 4 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
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