Briefwechsel - Celan, Paul; Szondi, Peter

Paul Celan Peter Szondi 

Briefwechsel

Mit Briefen von Gisele Celan-Lestrange an Peter Szondi und Auszügen aus dem Briefwechsel zwischen Peter Szondi und Jean und Mayotte Bollack

Hrsg. v. Christoph König
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Briefwechsel

"Noch von den :Besten9 wird der Jude - und das ist ja nichts als eine Gestalt des Menschlichen, aber immerhin eine Gestalt - nur allzu gerne als Subjekt aufgehoben und zum Objekt pervertiert", schreibt Paul Celan im Jahr 1961 an Peter Szondi. Der Dichter und der Literaturwissenschaftler hatten einander 1959 in Paris kennengelernt. Sie wechselten - von Zürich, Berlin, Göttingen und Paris aus - bis zu Celans Tod im Jahr 1970 über 150 Briefe, Postkarten, Telegramme und Widmungen, die nun erstmals vollständig und kommentiert vorliegen. Die Goll-Affäre, in der Szondi Celan entschieden verteidigte, ihrer beider Judentum, Celans Depression und das Verständnis von Celans Gedichten, vor allem aber die ethischen Ansprüche, die Szondis literarischer Hermeneutik zugrunde liegen - das alles kommt zur Sprache. Mit seinen Celan-Studien (1972 postum erschienen) konnte Szondi daher früh die Frage nach der Biographie in Celans Werk stellen, und gerade weil er an dessen Leben teilhatte, erkannte er die kritische, sprachliche Individualität seiner Gedichte. Noch darüber hinaus aber ist diese Korrespondenz das Dokument einer großen, stets gefährdeten Freundschaft, die einen Dritten mit einschloß: Jean Bollack, den Gräzisten und Philosophen in Paris. Auszüge aus den Briefen an ihn und von ihm konturieren die Korrespondenz durch eine gewichtige, bald teilnehmende, bald kommentierende Stimme. END

"Noch von den 'Besten' wird der Jude - und das ist ja nichts als eine Gestalt des Menschlichen, aber immerhin eine Gestalt - nur allzu gerne als Subjekt aufgehoben und zum Objekt pervertiert", schreibt Paul Celan im Jahr 1961 an Peter Szondi. Der Dichter und der Literaturwissenschaftler hatten einander 1959 in Paris kennengelernt. Sie wechselten - von Zürich, Berlin, Göttingen und Paris aus - bis zu Celans Tod im Jahr 1970 über 150 Briefe, Postkarten, Telegramme und Widmungen, die nun erstmals vollständig und kommentiert vorliegen.

Die Goll-Affäre, in der Szondi Celan entschieden verteidigte, ihrer beider Judentum, Celans Depression und das Verständnis von Celans Gedichten, vor allem aber die ethischen Ansprüche, die Szondis literarischer Hermeneutik zugrunde liegen - das alles kommt zur Sprache. Mit seinen Celan-Studien (1972 postum erschienen) konnte Szondi daher früh die Frage nach der Biographie in Celans Werk stellen, und gerade weil er an dessen Leben teilhatte, erkannte er die kritische, sprachliche Individualität seiner Gedichte. Noch darüber hinaus aber ist diese Korrespondenz das Dokument einer großen, stets gefährdeten Freundschaft, die einen Dritten mit einschloß: Jean Bollack, den Gräzisten und Philosophen in Paris. Auszüge aus den Briefen an ihn und von ihm konturieren die Korrespondenz durch eine gewichtige, bald teilnehmende, bald kommentierende Stimme.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2005
  • Ausstattung/Bilder: 2005. 263 S., 14 Fotos, Dok. u. Faks. auf Taf.
  • Seitenzahl: 180
  • Best.Nr. des Verlages: 41714
  • Deutsch
  • Abmessung: 205mm x 129mm x 25mm
  • Gewicht: 376g
  • ISBN-13: 9783518417140
  • ISBN-10: 3518417142
  • Best.Nr.: 14102377
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 16.01.2006

Ästhetik fordert Verstecktheit
Paul Celans Briefwechsel mit Peter Szondi und nachgelassene Prosa

Von 1959 bis zu seinem Freitod im Jahr 1970 wechselte der Dichter Paul Celan mit dem neun Jahre jüngeren Literaturwissenschaftler Peter Szondi über hundert Briefe, Postkarten, Telegramme und Widmungen, die Christoph König nun in einer sorgfältigen Edition mit zahlreichen Zusatzdokumenten, einem Kommentarteil und ausführlichem Nachwort herausgegeben hat.

Celan und Szondi lernten sich 1959 auf Vermittlung von Bernhard Böschenstein in Paris kennen. Szondi hatte zu diesem Zeitpunkt mit der "Theorie des modernen Dramas" seine Dissertation vorgelegt, Celan gerade seinen Gedichtband "Sprachgitter" fertiggestellt. Es trafen sich zwei, die durch ihre Biographie als Überlebende des Holocaust verbunden waren. Szondi war mit seiner Familie durch das Kasztner-Abkommen mit etwa 1600 anderen ungarischen Juden der nationalsozialistischen Massenvernichtung entgangen und hatte 1944 Exil in der Schweiz gefunden. Celan hatte seine Eltern durch den Holocaust verloren und war selbst mit dem Leben davongekommen. Die traumatischen Erfahrungen liegen der Präzision …

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Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Der Briefwechsel des Literaturwissenschaftlers Peter Szondi mit dem Lyriker Paul Celan ist vor allem das "Zeugnis einer Freundschaft" zweier Holocaust-Überlebender, erklärt Alexander von Bormann. Bis zu ihrem Freitod 1970 bzw. 1971 tauschten sich Celan und Szondi über Termine, Begegnungen und Lektüreerfahrungen aus und ließen dabei nur selten die "Tiefe der Probleme" aufscheinen, die eher "verdeckt" in den Briefen vorkommen, wie Bormann feststellt. Neben der Korrespondenz der beiden Freunde enthält der Band auch Briefe des befreundeten Ehepaars Jean und Mayotte Bollack, die der Rezensent als ebenso "unentbehrlich" preist wie den ausführlichen, "hochinteressanten" Anmerkungsapparat von Herausgeber Christoph König, in dem alle in den Briefen vorkommende Namen und Hintergründe erläutert werden. Auch das Nachwort lobt Bormann als "kundig" und findet darin vor allem deutlich gemacht, wie "empfindlich und präzise" die Korrespondenzpartner "aufeinander reagierten", wie sich z. B. anhand der gegen Celan gerichteten Rufmord-Affäre um Karl Goll zeigt. Besonders beeindruckt haben den Rezensenten die Briefe aus den 60er Jahren, aus denen er, wie er schwärmt, am liebsten "alles zitieren möchte". Insgesamt preist er den Band als ein "wichtiges" Stück "Literatur- und Zeitgeschichte", das "berührt".

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 19.01.2006

Die Entlassung aus der Mitwisserschaft
Ein Dichter, nicht ohne Bosheit: Paul Celans Prosa aus dem Nachlass und sein Briefwechsel mit Peter Szondi
Wer ihn kannte, musste bei der Nachricht von der Auffindung der Leiche des Literaturwissenschaftlers Peter Szondi im Halensee am 9. November 1971 unwillkürlich an den nur ein Jahr zurückliegenden Selbstmord des Dichters Paul Celan in der Seine denken ( 20. April). Nach einem Menschenalter erscheint nun beider Briefwechsel in einer schönen, sorgfältig gearbeiteten Ausgabe, mit einem erschöpfenden Kommentar und einem Nachwort von Christoph König. Die eigentümliche Mischung von Anziehung und Zurückweisung, von Sympathie und Misstrauen, die man bei Peter Szondi ebenso wie bei Paul Celan im Umgang spürte, durchzieht auch die Freundschaft dieses Briefwechsels.
Die Schreiber beobachten einander genau: Wenn Szondi einmal vergisst, auf seinem gedruckten Briefkopf „Dr. Szondi” den Dr. durchzustreichen, schreibt Celan sofort „Lieber Herr Dr. Szondi” statt dem üblichen „Lieber Herr Szondi”. Nachdem Szondi sich in einem Artikel in der Neuen Zürcher Zeitung kompromisslos für Paul Celan eingesetzt hatte, wird …

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Paul Celan wurde am 23. November 1920 als Paul Antschel als einziger Sohn deutschsprachiger, jüdischer Eltern im damals rumänischen Czernowitz geboren. Nach dem Abitur 1938 begann er ein Medizinstudium in Tours/Frankreich, kehrte jedoch ein Jahr später nach Rumänien, zurück, um dort Romanistik zu studieren. 1942 wurden Celans Eltern deportiert. Im Herbst desselben Jahres starb sein Vater in einem Lager an Typhus, seine Mutter wurde erschossen. Von 1942 bis 1944 musste Celan in verschiedenen rumänischen Arbeitslagern Zwangsarbeit leisten. Von 1945 bis 1947 arbeitete er als Lektor und Übersetzer in Bukarest, erste Gedichte wurden publiziert. Im Juli 1948 zog er nach Paris, wo er bis zum seinem Tod lebte. Im selben Jahr begegnete Celan Ingeborg Bachmann. Dass Ingeborg Bachmann und Paul Celan Ende der vierziger Jahre und Anfang der fünfziger Jahre ein Liebesverhältnis verband, das im Oktober 1957 bis Mai 1958 wieder aufgenommen wurde, wird den posthum veröffentlichten Briefwechsel Herzzeit zwischen den beiden bestätigt. November 1951 lernte Celan in Paris die Künstlerin Gisèle de Lestrange kennen, die er ein Jahr später heiratete. 1955 kam ihr gemeinsamer Sohn Eric zur Welt. Im Frühjahr 1970 nahm sich Celan in der Seine das Leben

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