Briefwechsel - Celan, Paul; Shmueli, Ilana

Paul Celan Ilana Shmueli 

Briefwechsel

Hrsg. v. Thomas Sparr u. a.
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Briefwechsel

Einer der wichtigsten Briefwechsel Paul Celans ist der mit Ilana Shmueli, einer Freundin aus Czernowitzer Jugtagen und aus der Zeit des Ghettos. Nach Jahrzehnten der Trennung waren der berühmt gewordene Dichter und die mittlerweile in Israel lebende Ilana Shmueli einander 1965 in Paris wiederbegegnet. Aber erst im Oktober 1969, mit Celans Reise nach Israel, beginnt eine dichte Korrespondenz. Jerusalem und die Frau, die ihm Jerusalem zeigt, scheinen noch einmal ein Anker der Hoffnung, eine Rettung aus Vereinzelung und Verzweiflung. Und doch muß Celan, nach Paris zurückgekehrt, erkennen, "daß die Kräfte, die ich in Jerusalem hatte, geschwunden sind". Daran werden auch Ilana Shmuelis Paris-Besuche um die Jahreswe 1969/1970, die Utopie eines gemeinsamen Lebens, ihre beschwören und oft verzweifelten Briefe bis zum April 1970 entscheid nichts ändern: zu klein sind die "Schilfe im Wasser", wie Ilana Shmueli diese Hoffnungsinseln selbst nennt.
Die intensive Korrespondenz in 130 erhaltenen Briefen, von denen manche an einem Tag verfaßt, unterbrochen, wieder aufgenommen, widerrufen oder ergänzt wurden, gibt ein äußerst anschauliches Bild der letzten Lebensmonate Paul Celans.
"Ich habe Dir ja die ganze Zeit nach Paris geschrieben in's Leere", formuliert Ilana Shmueli in einem Ausbruch von Bitterkeit, und doch ist der Briefwechsel neben den Gedichten dieser Zeit, die Paul Celan Ilana Shmueli zudachte und zusandte, ein einzigartiges Dokument des Vertrauens und der Liebe: "Du weißt, was meine Gedichte sind - lies sie, das spüre ich dann", heißt es in seinem letzten Brief an sie vom 12. April 1970. Ende April nimmt er sich in Paris das Leben.



Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2004
  • Ausstattung/Bilder: 2004. 241 S. m. Faks. u. Abb.
  • Seitenzahl: 241
  • Best.Nr. des Verlages: 41596
  • Deutsch
  • Abmessung: 209mm x 131mm x 30mm
  • Gewicht: 420g
  • ISBN-13: 9783518415962
  • ISBN-10: 3518415964
  • Best.Nr.: 12513752

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Die Briefe nehmen dem Leser den Atem, schreibt ein atemlos begeisterter Rezensent Christoph König über dieses Konvolut von 133 Briefen und 26 Gedichten, die in den Jahren 1965 - 1970 zwischen Paris und Israel hin und her gegangen sind, wo Ilana Shmueli, Freundin Paul Celans schon aus Czernowitzer Kindertagen, lebte. Die Gedichte seien 1976 posthum als zweiter Zyklus des Bandes "Zeitgehöft" zuerst erschienen. König zufolge fehlen der Korrespondenz allerdings drei Briefe Ileana Shmuelis, die im Deutschen Literaturarchiv liegen. König sieht in diesem Briefwechsel (wie schon nach der Veröffentlichung des Briefwechsels mit Celans Frau) die Frage nach der Biografie Celans neu zugespitzt. Auch gewinnt für den Rezensenten darin die Erotik ein bislang ungekanntes Gewicht. Beeindruckt sieht König in Celans Briefen an die Freundin außerdem wesentliche Gedanken aufgegriffen, die später im Gedicht weitere Form annahmen. Auch Ileana Shmuelis Einblick in Celans Wesen, die Scheu, mit der sie im Nachwort diese "schutzlosen, oft - und gerade im Schmerz hemmungslosen Briefe" kommentiert, bewegen den Rezensenten sehr. Kommentierung und umsichtige Ergänzung der Korrespondenz durch den Herausgeber werden ebenfalls lobend erwähnt.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 22.06.2001

Ostsehnsucht
Paul Celans Briefwechsel mit Erich Einhorn
Eine Brieffreundschaft im Kalten Krieg, zwischen West und Ost. Sie beginnt mit einem Schreiben Paul Celans aus Paris vom 24. April 1962. Adressat ist sein Jugendfreund Erich Einhorn, dem er 1944 das letzte Mal geschrieben hat, um ihm mitzuteilen, dass seine, Celans Eltern, „von den Deutschen erschossen” worden sind. Jetzt versucht der Dichter, an die einstige Freundschaft anzuknüpfen und schreibt Einhorn – nach Moskau. Was mag ihn dazu bewogen haben? Wollte er eine aus den Jugendtagen vertraute Stimme hören?
Wie Celan, so stammte auch Einhorn aus Czernowitz in der Bukowina. Beide waren sie während des Zweiten Weltkriegs wie andere ihrer Generation in die Welt hinausgeschleudert worden und lebten im Exil oder besser: in zwei unterschiedlichen, hermetisch gegeneinander abgeriegelten Welthälften. Celan war in seiner westlichen Hemisphäre längst berühmt geworden. Trotzdem blieb er ein von den Schlägen der Geschichte tief versehrter Mensch. Als er 1962 den ersten Brief nach Moskau sandte, litt er unter den abstrusen, auch antisemitisch getönten Plagiatsvorwürfen, die ihm in Westdeutschland …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 17.04.2004

An den Toren der Vergeblichkeit
Nähe war vom Dichter nicht vorgesehen: Der beeindruckende Briefwechsel von Paul Celan und Ilana Shmueli

Von Abu Tor aus, südlich von Jerusalem gelegen, sehen Paul Celan und Ilana Shmueli im Oktober 1969 auf die Altstadt. Es ist spät am Nachmittag, die Mauern scheinen im Licht. Die Idylle trügt. Die Stationen des Spaziergangs, der sie bis hierher führte, hat Shmueli aufgezeichnet: Skopusberg, American Colony Hotel, Bethlehem. Celan rechnet mit den historischen Abgründen. "Der Blick auf die Stadt, die Kuppeln der Moscheen beherrschen das Bild - trotz allem", hält Shmueli in den Notaten fest, um die Celan sie gebeten hat, und erinnert dann an das Gahenna-Tal, das sie von Abu Tor aus ebenfalls gesehen haben und das seinen Namen vom hebräischen Wort für "Hölle" hat: Dort opferte man die Kinder dem Moloch. In gleicher Weise leitet Celan den Blick von der goldenen Kuppel des Felsendoms, die aus allem hervorsticht, zu den Mauern des Tempels darunter. Schließlich nur ein eiliger Besuch bei der Klagemauer: "Keine Ausgrabungen bitte", mahnt er sie, denn Celan gibt der Tiefe streng den Sinn der Lage hier und jetzt. Die Sorge …

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"Der im Suhrkamp Verlag erschienene Briefwechsel zwischen Paul Celan und Ilana Shmueli, der Freundin aus Czernowitzer Jugendtagen, gibt Einblick in die letzte Lebens- und Schaffensphase des Lyrikers und zeugt zugleich von einer Liebesbeziehung. ... So wünscht sich Ilana Shmueli für den liebevoll editierten Band - der gleichsam ein wertvolles Dokument darstellt - behutsame, wachsame Leser ."<br />Birgit Güll vorwaerts.de

»Der im Suhrkamp Verlag erschienene Briefwechsel zwischen Paul Celan und Ilana Shmueli, der Freundin aus Czernowitzer Jugendtagen, gibt Einblick in die letzte Lebens- und Schaffensphase des Lyrikers und zeugt zugleich von einer Liebesbeziehung. ... So wünscht sich Ilana Shmueli für den liebevoll editierten Band - der gleichsam ein wertvolles Dokument darstellt - >behutsame, wachsame Leser<.«
Paul Celan wurde am 23. November 1920 als Paul Antschel als einziger Sohn deutschsprachiger, jüdischer Eltern im damals rumänischen Czernowitz geboren. Nach dem Abitur 1938 begann er ein Medizinstudium in Tours/Frankreich, kehrte jedoch ein Jahr später nach Rumänien, zurück, um dort Romanistik zu studieren. 1942 wurden Celans Eltern deportiert. Im Herbst desselben Jahres starb sein Vater in einem Lager an Typhus, seine Mutter wurde erschossen. Von 1942 bis 1944 musste Celan in verschiedenen rumänischen Arbeitslagern Zwangsarbeit leisten. Von 1945 bis 1947 arbeitete er als Lektor und Übersetzer in Bukarest, erste Gedichte wurden publiziert. Im Juli 1948 zog er nach Paris, wo er bis zum seinem Tod lebte. Im selben Jahr begegnete Celan Ingeborg Bachmann. Dass Ingeborg Bachmann und Paul Celan Ende der vierziger Jahre und Anfang der fünfziger Jahre ein Liebesverhältnis verband, das im Oktober 1957 bis Mai 1958 wieder aufgenommen wurde, wird den posthum veröffentlichten Briefwechsel Herzzeit zwischen den beiden bestätigt. November 1951 lernte Celan in Paris die Künstlerin Gisèle de Lestrange kennen, die er ein Jahr später heiratete. 1955 kam ihr gemeinsamer Sohn Eric zur Welt. Im Frühjahr 1970 nahm sich Celan in der Seine das Leben

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