G. W. Rabener, einst hochberühmt und in viele europäische Sprachen
übersetzt, in seiner Zeit als Briefschreiber ebenso geschätzt wie
als Satiriker, ist heute allenfalls noch bekannt als Verfasser des
vielgedruckten Briefes über die Zerstörung Dresdens durch
preußische Kanonen im Jahre 1760, bei der mit seiner gesamten Habe
auch alle ungedruckten Satiren und Freundesbriefe verbrannten. Die
vorliegende Sammlung, die auf planmäßig gesuchte, an entlegenen
Stellen gedruckte oder in Archiven verborgene Texte zurückgeht,
versteht sich als Rückgewinnung eines wichtigen Autors der
deutschen Aufklärung. Bekannt war seine Doppelrolle als Satiriker
und kursächsischer Steuerbeamter in zuletzt hoher Position.
Unbekannt, von ihm selbst und anderen beharrlich verschwiegen und
erst durch neu gefundene Briefe fassbar geworden, ist die
politische Seite Rabeners, dessen Freundschaft mit Thomas von
Fritsch und Friedrich Wilhelm Ferber zum praktischen Engagement auf
Seiten der brühlkritischen Opposition Kursachsens geführt hat. Über
die in den Briefen reich belegten literarischen Beziehungen zu
Hagedorn, Bodmer, Klopstock und dem eigentlichen Freundeskreis der
"Bremer Beiträge" hinaus sind es die vielfältigen
Reaktionen Rabeners auf die Leiden Sachsens im Siebenjährigen
Krieg, die unserer Zeit zu denken geben dürften.
Alexander Kosenina zeigt sich begeistert ob dieser, wie er schreibt, gänzlich neuen Art einer Briefedition. Die Verluste durch Brand und Zeit macht der um Gründlichkeit bemühte Herausgeber Ernst Theodor Voss kurzerhand durch sogenannte Hintergrundgespräche wett, indem er fehlende Dokumente durch Kontextuelles von Zeitgenossen ersetzt. Laut Rezensent ensteht so eine zudem umsichtig kommentierte Lebenschronologie, die den bekanntesten Satiriker der Aufklärung Gottlieb Wilhelm Rabener im fiktiven Diskurs mit Kollegen und anderen Wegbegleitern zeigt. Kosenina zählt auf: Gottsched, Gellert, Hagedorn, Klopstock, die Schlegels usw. Geschichtsvergessenheit also war gestern, heute ist Rabener, und zwar nicht nur als Satiriker, sondern dank Voss auch als politisch aktiver Zeitgenosse, Ministersekretär und Oppositioneller. Auf Rabeners Satiren wirft das womöglich ganz neue Lichter, meint Kosenina.
Gottlieb Wilhlem Rabener (1714-1771), deutscher Schriftsteller der Aufklärung. Arbeitete als Steuerbeamter in Leipzig und ab 1741 in Dresden; er verfasste satirische und essayistische Zeitschriftenartikel und Prosasatiren, in denen er gesellschaftliche Missstände und menschliche Schwächen ins Visier nahm. Durch seine vierbändige »Sammlung satirischer Schriften« von 1750 wurde er europaweit bekanntDer Herausgeber E. Theodor Voss, geb. 1928, em. Professor für Literaturwissenschaft an der Universität Marburg. 1958-1959 Wiss. Mitarbeiter am Schiller-Nationalmuseum Marbach a. N., lehrte u.a. an der Columbia University, New York, und an der Universität Budapest. Mitbegründer und Mitherausgeber der Sammlung Metzler, Herausgeber der Editionen von Johann Jakob Engel (1964) und Johann Heinrich Voss (1968).
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