Briefe - Becker, Jurek

Briefe

'Ihr Unvergleichlichen'. Ausgew. v. Christine Becker u. Joanna Obrusnik

Jurek Becker 

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Briefe

Jurek Becker war ein wunderbarer, mit großem Humor gesegneter Briefeschreiber. Von 1969 bis 1996 reicht diese Sammlung von Briefen, in denen sich das Werden eines Schriftstellers, seine politische Haltung zwischen den Systemen, seine Bekanntschaften und Freundschaften, wachsender Erfolg und die unablässige Schärfung seines ironischen Talents ablesen lassen.
Die Briefpartner Jurek Beckers sind, abgesehen von den ihm Allernächsten, diejenigen, die ihm alle "sein" Verlag sind: Siegfried Unseld, Elisabeth Borchers und Burgel Zeeh. Er schreibt an Kollegen wie Max Frisch, Uwe Johnson, Günter Grass, Stephan Hermlin, Wolf Wondratschek, Bernhard Schlink und Stefan Heym, an Kritiker und Literaturwissenschaftler wie Marcel Reich-Ranicki, Fritz J. Raddatz, Heinz-Ludwig Arnold, Paul Michael Lützeler und Leslie Willson - aber auch an das Präsidium des Schriftstellerverbandes der DDR, die Polizei Delmenhorst sowie die Kundendienstabteilung eines Elektrogeräteherstellers.
Jurek Beckers Briefe, he


Produktinformation

  • Verlag: SUHRKAMP
  • 2004
  • Ausstattung/Bilder: 2004. 441 S., . Fototaf.
  • Seitenzahl: 441
  • Deutsch
  • Abmessung: 203mm x 128mm x 32mm
  • Gewicht: 520g
  • ISBN-13: 9783518416433
  • ISBN-10: 351841643X
  • Best.Nr.: 12745013
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 22.11.2004

Der Kummer des guten Menschen
Eine Frage des Talents: Jurek Becker in seinen Briefen
„Mir geht es, um auch das zu sagen, ganz gut”, schreibt Jurek Becker im Mai 1980 an den niederländischen Freund und Übersetzer Jaap Walvis. „Die Fremde kann eine hübsche Wohnung sein. Ich arbeite gut, bin gesund, habe noch alle Zähne. Meine einzige Krankheit ist die DDR.” Die „Fremde” ist Westberlin, wo er sich 1977 - nach dem Ausschluss aus der SED und seinem Austritt aus dem Schriftstellerverband der DDR - kurz aufhielt, um sofort als „writer-in-residence” an das Oberlin College in Ohio weiterzuziehen. Erst danach nahm er festen Wohnsitz im Westteil der Stadt. Trotz vieler Sticheleien von offizieller Seite, Anfeindungen und Zensurversuchen blieb für ihn die Ablösung von der DDR schwierig. Noch 1989, zwei Monate vor dem Mauerfall, bat er Klaus Höpcke, den für Literatur und Verlage zuständigen stellvertretenden Kulturminister der DDR, um Verlängerung seines Passes „für eine ziemlich lange Zeit”. Am Schluss des Briefes gestand er, dass ihm „die Vorstellung, ein normaler Westberliner oder Westdeutscher zu werden, sehr schwer fällt”.
Man sollte …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 26.11.2004

Schreiben verdient keine mildernden Umstände
Kein Mann für Kompromisse: Jurek Becker in seinen Briefen / Von Heinz Ludwig Arnold

Samarkand. Das war das letzte magische Wort zwischen uns. 1995 hatte das Goethe-Institut mich zu einer Reise in die neu sich etablierenden zentralasiatischen Länder eingeladen und gelockt mit dem Hinweis, Jurek Becker fahre auch; und als er hörte, daß ich dabeisein sollte, rief er mich an: "Dann müssen wir aber unbedingt auch nach Samarkand!" Das wollte ich auch, es klang nach Seidenstraße und Marco Polo, da mußten wir hin. Das sollte 1996 sein.

Diese Reise fand nicht statt. Jurek Becker wurde krank und starb am 14. März 1997 im schleswig-holsteinischen Sieseby in seinem Haus an der Schlei, mit einem Strändchen von zwei Metern, auf das er so stolz gewesen war. Und dort, fern vom Betrieb, ist auch sein Grab. Er wollte es so, unbedingt.

Das war er auch: unbedingt. Und direkt. Klar und unmißverständlich. Für ihn galt das gesprochene ebenso wie das geschriebene Wort: Er war Schriftsteller, ohne Wenn und Aber. So schrieb er 1973 "stocksauer" an die Suhrkamp-Lektorin Elisabeth Borchers, in deren Lektorat …

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Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Ein wichtiger Band ist dieses Buch mit Briefen von Jurek Becker, meint Joachim Sartorius, weil es das Bild eines "klugen, aufrechten, geistreichen" Autors vervollständigt und einmal mehr vergegenwärtigt, welch große Lücke Beckers früher Tod hinterlassen hat. Der Band ist in drei große Teile gegliedert: Verlagskorrespondenz, Briefe an Freunde und Kollegen und schließlich "eher belanglose" Einladungs- und Reiseplanungskorrespondenz. Wer politisch Erhellendes erwartet, wird laut Sartorius enttäuscht werden: Beckers kompliziertes Verhältnis zur DDR und die Schwierigkeiten, die ihm dieses System gemacht hat, sind bekannt und "machen den geringsten Teil dieses Bandes aus". Auch große Weltprobleme werden bei Becker nicht gewälzt; er ist kein Briefeschreibr a la Thomas Mann oder Gottfried Benn, erklärt der Kritiker. Dafür offenbaren die Briefe den "klaren, zupackenden Verstand" des Autors, der in all seinen Facetten, "mal schamhaft, mal liebenswürdig, mal Rabauke" gezeigt wird. Schade findet Joachim Sartorius lediglich die fehlenden Antworten auf Beckers Briefe und wünscht sich daher, "dass diesem Band bald eine umfassendere Ausgabe wichtiger Briefwechsel folgt".

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Ein wichtiger Band ist dieses Buch mit Briefen von Jurek Becker, meint Joachim Sartorius, weil es das Bild eines "klugen, aufrechten, geistreichen" Autors vervollständigt und einmal mehr vergegenwärtigt, welch große Lücke Beckers früher Tod hinterlassen hat. Der Band ist in drei große Teile gegliedert: Verlagskorrespondenz, Briefe an Freunde und Kollegen und schließlich "eher belanglose" Einladungs- und Reiseplanungskorrespondenz. Wer politisch Erhellendes erwartet, wird laut Sartorius enttäuscht werden: Beckers kompliziertes Verhältnis zur DDR und die Schwierigkeiten, die ihm dieses System gemacht hat, sind bekannt und "machen den geringsten Teil dieses Bandes aus". Auch große Weltprobleme werden bei Becker nicht gewälzt; er ist kein Briefeschreibr a la Thomas Mann oder Gottfried Benn, erklärt der Kritiker. Dafür offenbaren die Briefe den "klaren, zupackenden Verstand" des Autors, der in all seinen Facetten, "mal schamhaft, mal liebenswürdig, mal Rabauke" gezeigt wird. Schade findet Joachim Sartorius lediglich die fehlenden Antworten auf Beckers Briefe und wünscht sich daher, "dass diesem Band bald eine umfassendere Ausgabe wichtiger Briefwechsel folgt".

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Jurek Becker, geb. am 30. September 1937 in Lódz (Polen), wuchs im Ghetto auf und wurde später mit seiner Mutter in den Konzentrationslagern Ravensbrück und Sachsenhausen inhaftiert. Seine Mutter starb kurz nach der Befreiung, seinen Vater, der nach Auschwitz deportiert worden war, fand er nach Kriegsende mithilfe einer Suchorganisation wieder. 1945 zog er gemeinsam mit ihm nach Ost-Berlin. Sein erster Roman Jakob der Lügner (1969) wurde über die Grenzen der DDR hinaus bekannt. Als Becker 1976 gegen den Ausschluss Rainer Kunzes aus dem Schriftstellerverband der DDR und gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns protestierte, wurde er selbst aus der SED und dem Schriftstellerverband ausgeschlossen. Ein Jahr später verließ er die DDR. Großen Erfolg hat er in der Bundesrepublik mit seinen Drehbüchern für die Erfolgsserie 'Liebling Kreuzberg'. Jurek Becker starb am 14. März 1997 in Sieseby, Schleswig-Holstein.

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