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Bewertung von MaWiOr aus Halle am 22.12.2011 |
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Dr. Charles Alavoine steht vor Gericht. Der Arzt wird wegen Totschlags an einer jungen Frau angeklagt. Die Untersuchungen und der Prozess ziehen sich nun schon Wochen hin. Da schreibt der Angeklagte einen Brief an den Untersuchungsrichter Ernst Coméliau. Es ist ein sehr, sehr langer Brief, der den ganzen Roman ausmacht. Alavoine schildert darin nicht nur die verhängnisvolle Liebe zu der armen Martine, er legt sein ganzes Leben offen. Als frischgebackener Arzt hatte sich Alavoine in dem Dorf Ormois niedergelassen, wo ihn seine Mutter eine Arztpraxis gekauft hatte. Da der alte Arzt Marchandeau in den Ruhestand getreten war, konnte er dessen Patientenstamm übernehmen. Eine gute Startposition für den jungen Arzt. Außerdem war Alavoine gleichzeitig der Apotheker des Ortes und der alte Marchandeau unterstützte ihn bei schwierigen Fällen. Schließlich heiratete Alavoine Marchandeaus Tochter Jeanne. Es war nicht die große Liebe, aber doch eine recht glückliche Verbindung, die aber ihr jähes Ende fand, als Jeanne bei der Geburt des zweiten Kindes starb. Einige Jahre später gab Alavoine die Landarztpraxis auf und zog mit seiner Mutter und den beiden Kindern in die nächstgelegene Stadt. Hier fand er bald Kontakt zur städtischen Oberschicht und lernte dabei die Witwe Armande kennen. Sie zog bald in sein Haus, wo sie das Kommando übernahm. Trotz Heirat, konnte auch diesmal von Liebe keine Rede sein, es war eher eine praktische Beziehung. Doch eines Abends, kurz vor Weihnachten, meldet sich das Schicksal schließlich zu Wort. Alavoine verpasst auf dem Bahnsteig den Zug - doch nicht nur er, sondern auch eine junge Frau namens Martine. Noch an diesem Abend verliebt sich Alavoine - das erste Mal in seinem Leben. Diese Begegnung bringt totale Unruhe in sein sonst so geordnetes Leben. Auf der einen Seite seine Familie, das Haus und die Praxis - auf der anderen Seite das kompromisslose Abenteuer. Es beginnt die Geschichte einer obsessiven Liebe, die alles mitreißt, was sich ihr in den Weg stellt. Die beiden Liebenden gehen soweit wie möglich: „Wir haben die absolute Liebe gewollt.“ Der Roman, der 1952 von Henri Verneuil mit Fernandel in der Hauptrolle verfilmt wurde, erschien 1947 unter dem Originaltitel „Lettre à mon juge“. Die deutsche Erstausgabe des Romans wurde 1961 veröffentlicht. Diese Übersetzung wurde jetzt für die neue Edition der „Ausgewählten Romane“ noch einmal überarbeitet. Manfred Orlick |
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