Brennende Lust - Gray, Marie

Marie Gray 

Brennende Lust

Erotische Geschichten. Deutsche Erstausgabe

Dtsch. v. Anna Lichtenberg
Broschiertes Buch
 
Vergriffen, keine Neuauflage
Nicht lieferbar
4 Angebote ab € 1,50
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Brennende Lust

Versuchung pur! Marie Gray enthüllt in ihren Geschichten unsere geheimsten Phantasien prickelnd, gewagt und unglaublich sexy. Dieses erotische Lesebuch erlaubt den Blick durchs Schlüsselloch, schildert raffinierte Verführungen und erregende Versuchungen und macht einfach Lust! Mit Leichtigkeit und einer Menge Sexappeal geht es hier um Liebe, Erotik und Leidenschaft.

"Dieser Erfolg lässt einen erröten!" Livres d'ici

"Wie Anaïs Nin erzählt Gray von ganz normalen Menschen, deren erotische Abenteuer die Leser durch subtile, aber dennoch detaillierte intime Beschreibungen anregen. Wirklich sexy!" The Montreal Gazette

"Diese sexy Short Storys machen mindestens so süchtig wie Schokolade. Man will einfach immer mehr!" Venus Book Club


Produktinformation

  • Verlag: Goldmann
  • 2007
  • Ausstattung/Bilder: 2007. 159 S.
  • Seitenzahl: 159
  • Goldmann Taschenbücher Bd.46213
  • Deutsch
  • Abmessung: 19 cm
  • Gewicht: 136g
  • ISBN-13: 9783442462131
  • ISBN-10: 3442462134
  • Best.Nr.: 20841848
Marie Gray, 1963 in Laval, Quebec, geboren, war Rocksängerin, bevor sie sich als Autorin erotischer Geschichten einen Namen machte.

Leseprobe zu "Brennende Lust"

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Leseprobe zu "Brennende Lust" von Marie Gray

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Leseprobe zu "Brennende Lust" von Marie Gray

Früher war ich dumm. Im Ernst, richtig dumm. Mein ganzer Lebensinhalt ließ sich in einem einzigen Wort zusammenfassen: Gefallsucht. Mein Fall brachte selbst die sanfteste Feministin zur Weißglut. Erst wenn ich im Blick eines Mannes - ganz egal welchem - Begierde aufflackern sah, fühlte ich mich lebendig. Ansonsten war ich nur ein ziellos umher irrendes Wrack. Ich verlor jeden Halt und wurde immer mürrischer. Gelang es mir nicht, wenigstens einen flüchtigen Ausdruck der Bewunderung in den Augen eines Mannes aufblitzen zu lassen, fühlte ich mich wertlos, überflüssig, einfach nicht vorhanden.

Ich war mir durchaus bewusst, dass dies eine äußerst rückständige Auffassung war. Absolut billig. Ich unternahm sogar den Versuch, mich von diesem Zwang zu befreien, und unterzog mich einer mehrmonatigen Therapie. Doch als ich irgendwann einsah, dass keine Besserung abzusehen war, beschloss ich, mein Geld nicht länger aus dem Fenster zu werfen.

Dabei schien ich zunächst gar nicht dazu bestimmt, einmal ein solches Dummerchen zu werden. Meine Erzeuger waren hochintelligent und hatten sich beide ebenso erfüllenden wie lukrativen Karrieren verschrieben: ein Ingenieur und eine Rechtsanwältin. Alle Achtung! Ich selber hatte die Aufnahmeprüfung für die Uni mit links geschafft, da ich im Großen und Ganzen einigermaßen begabt bin. Stinkfaul, aber begabt. Mit etwas mehr Einsatz hätte ich es im akademischen Bereich zu einer eindrucksvollen Karriere bringen können. Doch da ich bisher mit einem Minimum an Aufwand immer gut durchgekommen war, sah ich keinen Grund, meine Gewohnheiten zu ändern. Ich besitze diese spezielle Art von Intelligenz, die darin besteht, zu wissen, wie man seine Kräfte schont.

Doch irgendwie gerieten die Dinge aus dem Ruder. Ich weiß nicht, zu welchem Zeitpunkt genau, doch irgendwann spürte ich, dass meine akademischen oder privaten Erfolge für mich nicht den geringsten Wert besaßen, solange ich nicht in den Augen der anderen - vor allem der Männer - jene Bewunderung und jenes Verlangen aufflackern sah, die ich für mein Selbstwertgefühl brauchte. Ich sorgte also dafür, dass rings um mich herum dieses Feuer loderte, nach dem ich mich so sehr verzehrte. Es gelang mir ohne Mühe, einen beachtlichen Kreis attraktiver und begabter junger Leute um mich zu versammeln, die mir die nötige Aufmerksamkeit und Begeisterung entgegenzubringen wussten. Möglicherweise hat das einen entscheidenden Beitrag zu meinem Untergang geleistet.

Ich muss sagen, dass ich ziemliches Talent hatte. Ich bin keine außergewöhnliche Schönheit, wusste aber einige meiner Reize - vor allem meine Augen - stets wohl zu nutzten, um den Männern bei meinem Anblick das Wasser im Mund zusammenlaufen zu lassen. Als sei ich eine köstliche Frucht, ein seltene Beute. Und mein Instinkt in Bezug auf ihre empfindlichen Saiten, die ich geschickt anzuschlagen wusste, täuschte mich so gut wie nie ... Die hasserfüllten Blicke, die ich auf meinen erfolgreichen Jagdzügen von anderen Mädchen erntete, sprachen in dieser Hinsicht Bände.

Und doch gab es eigentlich keinen rechten Grund, stolz zu sein. Einen Mann zu verführen ist an sich noch kein großes Verdienst ... Wir reden hier schließlich nicht von Kernphysik! Der nötige Aufwand verhält sich direkt proportional zum gewünschten Grad der Verführung. Und da ich keinen Mann zum Heiraten suchte, sondern nur ein simples Accessoire zum Ausleben meiner Eigenliebe, zur Befriedigung meiner Eitelkeit, musste ich mich in der Regel nur empfänglich zeigen und vor allem ein bisschen Eindruck machen. Da eine Begegnung mit einer Person vom anderen Geschlecht bei Männern oft dazu führt, dass ihr Gehirn die Regie an die Lendengegend abgibt, sind sie kinderleicht um den Finger zu wickeln, sobald ihre Neugier die Gürtelschnalle passiert hat.

Ich berauschte mich insbesondere an diesem magischen Moment, diesem winzigen Zeitabschnitt, in dem der gewisse Jemand begriff, dass er in Kürze in meine Armen liegen würde. Oder zwischen meinen Schenkeln. Sein Gehirn, augenblicklich überschwemmt von erotischen Fantasien, realisierte, dass ich ihm schon bald heiße Küsse gewähren würde und dabei meine Brüste an seinen Oberkörper pressen, meine feuchte Möse an seinem Bein reiben und sein steifes Glied mit meinem ungestümen Becken zermalmen würde. Vorausgesetzt, er spielte das Spielchen mit. Und dass sich im Anschluss daran vielleicht meine rot geschminkten Lippen um seinen pochenden Schwanz legen würden, während meine flinken Hände seinen Hintern durchwalkten. Dass ich solange gierig an ihm saugen, an ihm lecken und ihm leidenschaftlich einen blasen würde, bis ihm die Knie versagten und er um Gnade winselte. Im selben Moment der Klarsicht verstünde er, dass ich ihm sogar gestatten würde, sich in meinen lechzenden Mund zu ergießen und mich schließlich genüsslich wie eine verwöhnte Katze über den üppigen Nektar seiner Lust hermachen würde.

Ja, ich fand diesen Augenblick des Begreifens ganz und gar magisch und das Feuer, das im selben Moment in den Augen der Männer aufloderte, äußerst befriedigend. Der Jagdinstinkt, den jeder Mann in sich trägt, gewinnt dann vollständig die Oberhand und macht jede Art von Ratio zunichte. Bevor ein zarter und zögerlicher Schleier des Anstandes ihre schändlichen Triebe aufs Neue verhüllte, erhaschte ich einen untrüglichen Blick auf diese äußerste Form der Nacktheit. Wie ich diesen erhabenen Augenblick vergötterte! Diejenige zu sein, die sie für den Bruchteil einer Sekunde ihre zivilisierte Hülle verlieren ließ, war für mich das höchste der Gefühle.

An zweiter Stelle in der Hitliste meiner liebsten Momente folgte jener, bei dem mitten beim Blasen der Schwanz meines Liebhabers hart gegen meinen Rachen stieß, so dass ich fast keine Luft mehr bekam, während seine kräftigen Hände meine Haare gepackt hielten und die Bewegungen meines Kopfes seinem Willen unterwarfen. Ich liebte es, solche Begierde hervorzurufen und einen bebenden, hüpfenden und zuckenden Schwanz in meinem geschickten Mund zu spüren. Ich sog erst ganz sanft, gerade so viel wie nötig, und dann immer langsamer und intensiver. Allmählich beschleunigte ich wieder, überzog den dankbaren Schwanz mit meinem Speichel und liebkoste ihn mit meinem heißen Atem, wobei ich manchmal für einen kurzen Augenblick meiner Hand das Kommando überließ, um meine Zähne in seine Oberschenkel zu schlagen oder mit der Zunge ganz sanft über seine prallen Hoden zu fahren. Und manchmal, wenn mir der Sinn danach stand, eine besonders lebhafte Reaktion meines Opfers hervorzurufen, benutzte ich diese trügerische Ruhe, einen kühnen Finger zwischen seine angespannten Pobacken wandern und ihn sanft dort eindringen zu lassen. Um auf diese Weise seiner bereits trockenen Kehle ein absolut hinreißendes Stöhnen zu entlocken. In einem solchen Augenblick unterliegt der Mann dem erhebendsten Paradoxon überhaupt: Er ist einerseits extrem verletzlich - der Willkür meines Zungenschlages preisgegeben, der leisesten Berührung durch meine Zähne oder des sanftesten Drucks meines kecken Fingers - und andererseits mit einer grenzenlosen Macht versehen, die mich zum Werkzeug seiner Lust werden lässt, willig und unterwürfig zu seinen Füßen kniend. Ja, in der Tat fand ich die Männer beim Blasen absolut hinreißend. Es war nie nur ein simpler Blowjob, den sich frustrierte Ehefrauen oder hochnäsige Freundinnen mit spitzen Lippen abringen wie eine lästige Pflicht. Nein, meine Liebhaber kamen in den Genuss einer perfekten Fellatio.

Um noch spektakulärere Erfolge zu erzielen, also dem berühmten Funken des Begehrens in den geheimnisvollen Blicken noch eine Dimension hinzuzufügen, machte ich mir lange Zeit einen Spaß daraus, gerade solche Männer zu "pflücken", die Aufmerksamkeit nicht gewohnt waren. Die Schüchternen, denen es an Selbstvertrauen mangelte. Die Ladenhüter, die von Frauen meines Ranges in der Regel gar nicht wahrgenommen wurden. Ich hatte Vergnügen daran, sie zu reizen, nur um zu sehen, wie sich in ihren Zügen zuerst Ungläubigkeit und dann Genugtuung breitmachten. Einige, die kaum glauben konnten, nicht das Opfer eines schlechten Scherzes zu sein, wollten von mir wissen, was ich eigentlich bezweckte. Damit zerstörten sie die ganze Subtilität dieses Spiels. Jene Männer hatten nicht oft die Gelegenheit, ihren fleischlichen Gelüsten Tribut zu zollen, und sei es auch nur für einen kurzen Augenblick. Doch mithilfe von diskreten, aber höchst wirkungsvollen flüchtigen Berührungen brachte ich sie dazu, sich so lange von mir betören zu lassen, bis ich sie ganz in meiner Gewalt hatte. Waren diese Männer erst einmal gewonnen, so überließen sie sich diesem Zustand übrigens viel ausschließlicher und länger als alle anderen.

So begab ich mich mit Vorliebe in Bars, deren stickige Luft dazu einlud, viel nackte Haut zu zeigen. Unter allen Anwesenden machte ich den Einsamsten ausfindig, denjenigen, dem am deutlichsten anzusehen war, dass er später mit seinem Schwanz in der Hand allein im Bett liegen würde, kurz: den Bedauernswertesten. Ich umkreiste und umgarnte ihn langsam und äußerst behutsam, um ihn nicht zu erschrecken. Ein Mann, der glaubt, Opfer eines grausamen Streiches zu sein, entwickelt oft einen erstaunlichen Überlebensinstinkt!

Dann wurden meine Annäherungsversuche immer direkter. Ich berauschte mich an der Fassungslosigkeit meiner Beute, nachdem ich wie ein Falke meine Kreise um sie gezogen hatte und ihr dann tief in die Augen sah, um sie geradeheraus zu fragen: "Willst du mich?" Die Antwort bestand meist in einem halb verschluckten, aber deutlich signalisierten "Ja". Wenn mein Opfer zufällig in Begleitung eines Freundes da war, achtete ich darauf, keinen Anlass zur Eifersucht zu geben. Auf diese Weise kam es nicht selten zu höchst interessanten Situationen. Dann schwebte ich auf einer rosaroten Wolke der Wonne und genoss es einfach, unverstellt und wahrhaftig begehrt zu werden.

Wie viele Schwänze ich schon probiert habe! Beschnitten oder unbeschnitten, salzig oder süßlich, in allen nur erdenklichen Formen, Größen und Sorten. Freilich zeigten sich einige der Männer, denen diese köstlichen Schwengel gehörten, mir gegenüber großzügiger als andere. Sie ließen die Begierde in ihren feuchten Augen aufblitzen und mich hemmungslos diese überwältigende Lust auskosten. Andere hielten sich gar für unsterblich verliebt. Ich ließ sie ruhig eine Weile zappeln und genoss die nahezu grenzenlose Vergötterung, die sie mir entgegenbrachten.

In der Tat fand ich Gefallen daran, für die Dauer von ein paar Stunden die Frau zu sein, von der diese Männer träumten. Ich ließ ihnen Liebkosungen zuteil werden, um die sie niemanden anderen zu bitten gewagt hätten, machte es ihnen so oft mit dem Mund, wie sie wollten, und ließ sie nach Lust und Laune über jeden Zentimeter meines Körpers verfügen. Doch ich stellte eine Bedingung, eine einzige: Sie mussten mich um jeden Preis begehren und mit jeder ihre Fasern spüren, dass dies alles eine flüchtige Gunst war, die ich ihnen erwies. Und nicht umgekehrt.

Früher war ich dumm. Ich glaubte wirklich, dass dies die beste Art war, meine Jugend auszuleben. Ich sagte mir, wenn ich erst einmal welk und aufgedunsen war, wäre es mit diesem kindischen Spielchen sowieso vorbei. Ich sagte mir, dass es besser war, das Leben in vollen Zügen zu genießen, solange mein Körper noch jung und attraktiv war.

Früher war ich dumm. Ihre Lust, ihre Verzauberung reichten mir zum Glücklichsein. Mehr brauchte ich nicht. Mein Gott! Wie viele Generationen von Teenies waren schon diesem Unsinn aufgesessen? Dem Glauben, Frauen hätten nichts anderes im Sinn, als begehrenswert zu erscheinen, und müssten sich diesem einzigen Lebenszweck unermüdlich, um jeden Preis und ohne Murren hingeben.

Früher war ich dumm. Heute sehe ich einige Dinge mit anderen Augen. Oh, ich liebe es immer noch genauso, die Männer zu verführen, die unbändige Lust in ihren Augen tanzen zu sehen, zu erleben, wie sie sich wegen ihrer unübersehbaren Erektion verschämt winden. Eigentlich genieße ich ihre Blicke mehr denn je und die Reaktion ihrer Körper, wenn ihnen allmählich dämmert, was sie erwartet. Wenn ich sie vielversprechend anlächle.

Früher war ich dumm. Aber inzwischen habe ich verstanden. Ich sehne mich nach ihren Wohltaten immer noch genauso. Sehne mich danach, von ihnen wie eine Göttin behandelt zu werden. Und ich bleibe ihnen nichts schuldig. Was ich heute tue, unterscheidet sich eigentlich kaum von meinen damaligen Umtrieben als Dummerchen. Ich verführe sie, ich schmeichle ihnen, ich lasse sie vor Begierde und Vorfreude wahnsinnig werden.

Früher war ich dumm. Ich tat das alles für lau. Inzwischen bin ich schlauer. Ich kassiere an die zweihundert Dollar. Jedes Mal.

Frühlingsgefühle

Endlich war der Frühling da! Wie lange hatte er doch auf sich warten lassen! Die Sonne schien, in der Luft lag bereits der Duft der ersten zaghaften Blüten, die Vögel zwitscherten, und ich erwachte wie die gesamte Natur zu neuem Leben. Ich musste in meinem früheren Leben eine Tulpe gewesen sein. Oder ein Krokus. Mit den ersten Sonnenstrahlen flossen auch bei mir die Säfte. Und der Sinn stand mir nach Aufbruch, Neuanfang und tiefgreifenden Veränderungen. In den vergangenen Jahren hatte ich diese Frühlingsgefühle dazu genutzt, um umzuziehen, mir einen neuen Lebensstil zuzulegen, einen neuen Haarschnitt, einen neuen Liebhaber. Doch in diesem Jahr war alles anders. Gefühlsmäßig war nichts wie früher. Zum ersten Mal verspürte ich neben der gewohnten Aufbruchstimmung eine Art Melancholie, eine unbestimmte Traurigkeit.

Dabei verwiesen alle Symptome auf die üblichen frühlingshaften Gefühlswallungen: Wie immer hatte ich es eilig, als eine der Ersten in den kaum eröffneten Biergärten zu sitzen und mich an einem schönen kühlen Bier zu erfrischen. Mit fast kindlicher Faszination bestaunte ich das rührende Schauspiel männlicher Körper, die sich endlich meinen Blicken darboten, nachdem sie viel zu lange von dicken Wollsachen verhüllt gewesen waren, Bizepse wurden gezeigt, Radfahrerwaden enthüllt und knackige Hintern vorgeführt. Immer mehr gebräunte Haut war zu sehen, die das Weiß der Zähne in den lächelnden Mündern heller strahlen ließ. Die getönten Gläser der Sonnenbrillen schmeichelten markanten Gesichtszügen und bargen das Geheimnis fremder Augenpaare. War es ein strahlendes Azurblau? Ein keckes Nussbraun? Katzenhaftes Jadegrün? Mysteriöses Schwarz? Jedes Frühjahr zog mich diese Vielfalt der möglichen Überraschungen aufs Neue in ihren Bann.

Doch in diesem Jahr hatte ich das Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmte. Obwohl die Männer ebenso attraktiv wie im letzten Frühling waren, erschienen mir ihre Reize viel kurzlebiger. Ich hatte es auf einmal eilig, den schönen Dunklen durch einen frischer strahlenden Blonden zu ersetzen. Und bald wurde ich auch seiner überdrüssig. Als suchte ich nach jemand Bestimmtem, ohne jedoch zu wissen, nach wem, ohne ihn überhaupt zu kennen. Schließlich offenbarte ich mich Julie, meiner langjährigen Busenfreundin, die die Sache höchst interessant fand. Julie, ihres Zeichens Hobbypsychologin, hatte ihre helle Freude daran, den verborgenen Sinn einer Äußerung zu entschlüsseln. Sie erklärte immer wieder, dass unsere Gedanken stets etwas von uns Verdrängtes, Uneingestandenes verrieten.

"Dein Fall ist sonnenklar. Keine besonders spannende Herausforderung. Es liegt ja alles auf der Hand!"

"Ach ja? Also dann klär mich doch bitte auf ..."

Sie behauptete, ich hätte mächtige, jedoch tief verborgene Bedürfnisse, die sich nun bemerkbar machten. Bedürfnisse, die weniger oberflächlich waren, als ich dachte, die nicht allein darin bestanden, mein Bett mit schönen, austauschbaren und leicht zu ersetzenden Männerkörpern zu verzieren. Ich sei von dem unbewussten Verlangen getrieben, endlich unter die Haube zu kommen. Bei diesem Ausdruck schüttelte es mich, ich spürte einen Stich in der Brust. Unter die Haube? Ich?

Nachdem die erste Schockreaktion abgeklungen war, musste ich einräumen, dass ich mich an diesen folgenlosen kleinen Flirts natürlich ergötzte, sie aber jederzeit für etwas Bedeutsameres hergegeben hätte. Doch wofür? Für den Märchenprinzen? Das war nun wirklich nicht mein Ding! Ich hatte eher eine Schwäche für Männer vom Typ wilder Hengst. Plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Jetzt war klar, was ich suchte: den wilden Prinzen. Sicher hätte es auch ein Märchenhengst getan, doch das kam mir irgendwie albern vor. Die Vorstellung vom wilden Prinzen erschien mir weitaus erhabener. Es musste jemand sein, der zugleich der Verführer war, nach dem ich mich sehnte, wie auch die sichere Stütze, die mir Halt geben konnte. Der sinnliche Liebhaber, der mich um den Verstand brachte, wie auch der Gentleman, bei dem ich den nötigen Schutz finden konnte. Genau das war es! Alles klar, oder? Und doch konnte ich mir einfach nicht vorstellen, wo und wann ich ihm jemals begegnen sollte. Für mich war laut Julie nun die Zeit gekommen, mich auf die Reise zu machen, einen Kreuzzug zu beginnen, mich auf die finale Suche nach meiner "sanften wie auch lebhaften zweiten Hälfte" zu begeben. Zum Fürchten!

Julies Ratschläge schienen mir viel zu ernst für einen so schönen Mainachmittag. Wenn es tatsächlich irgendwo meinen wilden Prinzen gab, würde ich ihn jedenfalls nicht mit Gejammer und Mutmaßungen über seine Person herbeizaubern. Irgendwann würde ich schon mit der Nase auf ihn stoßen, dann, wenn ich es am wenigsten erwartete. Bis dahin hinderte mich nichts daran, mich an dem Augenschmaus zu erfreuen, den der Frühling bereithielt. Und dabei vielleicht meinem Schicksal ein klein wenig auf die Sprünge zu helfen. Warum sollte ich bis zu jener alles entscheidenden Begegnung nicht die unzähligen Versuchungen auskosten? Wenn ich mich einer größtmöglichen Zahl potenzieller Prinzen aussetzte, waren meine Chancen, auf den Richtigen zu treffen, doch am größten, oder? Ich musste also einfach wieder ich selbst werden, zu einer unbefangenen Grundeinstellung zurückfinden und vor allem mit offenen Augen durch die Welt gehen. Ich riskierte schlimmstenfalls ein paar harmlose Schwärmereien oder nette, aber folgenlose Flirts.

Während ich mich endlich wieder unbekümmert meinem Frühlingssyndrom und seinen vielfältigen Möglichkeiten überließ, spülte ich mit einem Schluck Bier den letzten Rest Melancholie hinunter. Her mit den verliebten Blicken und den verführerisch lächelnden Mündern! Her mit dem kindischen Vergnügen, mich begehrt zu fühlen! Her damit, solange es noch nicht zu spät war! Denn wenn ich erst meinen wilden Prinzen getroffen hätte, wäre es mit dem Lotterleben vorbei.

Nach kurzer Zeit musste ich einsehen, dass sich auf diesem Wege nichts Interessantes ergab. Unter den Männerhorden in meinen angestammten Jagdrevieren wurde ich einfach nicht fündig. Ich fasste also den Entschluss, mich in weniger vertraute Gefilde zu begeben, in der Hoffnung, dass darunter eines wäre, in dem es vor Männern, die meinen Anforderungen gerecht wurden, nur so wimmelte. Mein entzückender Adonis musste doch irgendwo stecken! Und ich beabsichtigte, ihn zu finden.

Nachdem ich mehrere Nächte lang ergebnislos durch die belebten Straßen der Stadt gestreift war, entdeckte ich schließlich einen Latino-Club, der auf den ersten Blick verlockende Aussichten zu bieten schien. Einer verführerischer als der andere, wiegten unzählige gut aussehende Männer auf der Tanzfläche ihre Hüften und wirbelten von einer Partnerin zur nächsten. Wie schön sie waren! Wollüstig beobachtete ich ihre geschmeidigen, fließenden Bewegungen und genoss es, wie ihre schmachtenden Blicke über meinen Körper wanderten. Vor allem aber gefiel mir dieser gewisse südländische Charme, der schon Anlass zu so vielen Klischees gegeben hat. In der Tat hatten diese Männer eine ganz eigene Art, eine Frau anzusehen. Sie wirklich anzusehen, ihr das Gefühl zu geben, dass sie einzigartig war und dass ihre Reize mit denen keiner anderen Frau zu vergleichen waren.

Sobald ich mir auf meinen Beutezügen einen Platz gesucht hatte, erlag ich jedes Mal einer Art Trancezustand, einer vorübergehenden Verwirrung der Sinne. Ich entschwand in eine Welt, in der ... um mich herum unzählige geschmeidige Körper tanzten, mich allmählich umzingelten, ihren Kreis immer enger zogen, näher und näher kamen und mich unaufhaltsam einkesselten. Ich wurde an die Boxen gedrängt, und plötzlich saß ich fest, die einzige Frau in einem Meer aus purem Testosteron. Sie pressten sich an mich, ihre gierigen Hände wanderten unter meine Kleider und begruben meinen Körper unter einer Flut von Berührungen, die verstohlen und zärtlich, wild und aufdringlich zugleich waren. Und ich rührte mich nicht, versuchte nicht im Geringsten, auszubrechen, mich aus diesen Umklammerungen zu befreien. Denn ich genoss diese Berührungen, diese Nähe. An meinen Hüften, meinem Bauch und meinem Hintern spürte ich das energische Pressen eines ganzen Rudels dicker, hart gewordener Schwänze, die ihre zu engen Hosen verlassen wollten. Würden ihre Besitzer es wagen, sie zu befreien und mich ihre Härte spüren zu lassen? Ich konnte es nicht erwarten, sie nackt zu sehen, in ihrer wunderbaren Vielfalt der Größen und Formen. Mir lief das Wasser im Mund zusammen. Die Berührungen wurden immer kühner, einige Finger drängelten sich zwischen meine Beine, andere zwickten meine Brüste. Ein paar Hände befühlten mich sanft, andere betasteten mich fordernd, Zungen schleckten mich ab. Ich seufzte vor Wonne, als hätte ich nur darauf gewartet, als hätte ich es vorhergesehen und damit gerechnet. In diesem Moment spürte ich, wie sich meine Kleider vom Körper lösten und meine Beine sich spreizten, für eine lebhafte Fortsetzung der ... und an diesem Punkt landete ich jedes Mal wieder in der Wirklichkeit. Wie schade! Getrieben von Neugier, hatte ich schon mehrmals versucht, meinen Traum fortzuführen, doch nichts half. Es war, als zerplatze meine Seifenblase immer genau in dem Augenblick, in dem es spannend wurde. Vielleicht war das eine Art Signal, das mir zu verstehen gab, dass diese Fantasie mir nichts wirklich brachte?

Welch gute Liebhaber sie doch abgegeben hätten! Doch weil mir wieder einfiel, dass ich ja von nun an etwas anderes als nur gute Liebhaber suchte, beschloss ich, neue Pfade zu erkunden. Ich misstraute diesen notorischen Frauenhelden viel zu sehr, als dass ich mich ernsthaft in sie verlieben konnte. Dem vielfältigen Klatsch nach zu urteilen, der in dem Club kursierte, waren sie ungeachtet ihrer Vorzüge als Seitensprungkandidaten ziemlich lausige Beziehungspartner. Zumindest für mich, die ich - allmählich immer zielstrebiger - auf der Suche nach etwas Stabilerem, Exklusiverem war. Ach, wild waren sie bestimmt allesamt! Aber Prinzen? Da war ich mir nicht so sicher ...

Je mehr Zeit verstrich, desto aussichtsloser erschien meine Suche. Bei meinen Freundinnen hatte ich inzwischen den offiziellen Status des Single-auf-der-Suche-nach-dem-Mann-fürs-Leben erreicht. Eine unter so vielen, die obendrein immer mehr wurden. Eine Ziffer mehr in der Statistik. Also suchten sie mich alle mit ihren Vorschlägen heim: Partnervermittlung, Kontaktanzeigen, Internet, Singlepartys etc. Nichts von alledem gefiel mir. Vielleicht später, im Herbst, sagte ich mir, falls sich meine sommerlichen Bemühungen tatsächlich als ganz und gar fruchtlos erweisen sollten. Als geborene Optimistin war ich fest davon überzeugt, dass mein Prinz früher oder später schon in mein Leben treten würde, obwohl meine Gewissheit langsam ins Wanken geriet. Wer war er nur? Und wo würde ich ihn finden? Was soll's, sagte ich mir, irgendwann würde ich schon mit der Nase drauf stoßen, nämlich dann, wenn ich es am wenigsten erwartete.An einem schönen, sonnigen Juninachmittag hatte ich, etwas deprimiert wegen meiner dürftigen Resultate in Herzensangelegenheiten, meinen Arbeitstag etwas früher beendet. Ich beschloss, in den kleinen Park in der Nähe meiner Wohnung zu gehen. Seit den ersten warmen Tagen war ich noch gar nicht wieder dort gewesen, zehrte jedoch von schönen Erinnerungen an überaus angenehme Nachmittage, an denen ich es mir im Schatten der großen Weiden bequem gemacht und stundenlang die vorbeilaufenden Passanten beobachtet hatte. Dieser Park war ein richtiges Kleinod und wunderbar angelegt. Die unglaubliche Blumenpracht, eine entzückende Fontäne und ein hübscher Pavillon verliehen dem Ganzen einen französischen Touch. Als ich jedoch an jenem Tag dort ankam, musste ich feststellen, dass vermutlich wegen des verspäteten Frühlings noch keine Blumen gepflanzt worden waren und kein Tropfen Wasser aus der Fontäne kam. Und dann sah ich sie. An die zwanzig Männer, die meisten mit nacktem Oberkörper, mühten sich damit ab, das Unkraut zu jäten, alte Pflanzen herauszureißen, neue Beete zu graben und die alten neu zu bepflanzen. An die zwanzig wohlgeformte, schweißgebadete Körper, von denen die Mehrheit der Kategorie junger Kerle von atemberaubender Schönheit angehörte, die sich ihrer eigenen Reize noch zu wenig bewusst waren, um sie hemmungslos auszunutzen. Die meisten waren kaum aus dem Jünglingsalter heraus und hatten noch vielversprechende Jahre vor sich, bevor sie zu überheblichen und schmerbäuchigen Erwachsenen werden würden.

4 Marktplatz-Angebote für "Brennende Lust" ab EUR 1,50

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