Brechts Frauen - Häntzschel, Hiltrud

Hiltrud Häntzschel 

Brechts Frauen

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Brechts Frauen

Bertolt Brecht war ein Jahrhundertgenie - vielleicht der bedeutendste Dramatiker seit Shakespeare. Aber war der große Dichter nicht zugleich ein elender Chauvinist? Hat er die Frauen, die ihn liebten und mit denen er arbeitete, rücksichtslos ausgenutzt und ausgebeutet - oder ist dieser Vorwurf nur billige Polemik und üble Nachrede?
Hiltrud Häntzschel geht einen neuen Weg, um diese vieldiskutierten Fragen zu beantworten: Sie berichtet vorrangig über Leben und Leistung der Frauen, die in Brechts Biographie eine besondere Bedeutung hatten, und stellt damit das Thema wieder auf das Niveau, das ihm gebührt.


Produktinformation

  • Verlag: Rowohlt, Reinbek
  • 2002
  • Ausstattung/Bilder: m. 40 Abb.
  • Seitenzahl: 314
  • Deutsch
  • Gewicht: 537g
  • ISBN-13: 9783498029647
  • ISBN-10: 3498029649
  • Best.Nr.: 10307315
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 16.11.2002

Ellbögen frei haben, allein schlafen, skrupellos sein
Erfahrung der Einsamkeit, an die Gefährtinnen delegiert - Hiltrud Häntzschels glänzende Porträts der sieben Frauen Bertolt Brechts

Wer treu ist, kennt nur die triviale Seite der Liebe. Die Treulosen kennen die Tragödien der Liebe. Das ist von Oscar Wilde im Stil des späten neunzehnten Jahrhunderts pointiert formuliert. Bei Bertolt Brecht bekommt man es, ein bis zwei Epochen moderner, mit trivialer Treulosigkeit zu tun, während die Frauen, die dem weibstollen Dichter gegen alle Vernunft treu blieben, die Tragödien der Liebe kennenlernen durften.

Tragödien sind faszinierender als epische Lehrstücke, und so ist es sehr verständlich, daß - im Gegensatz zu seinen Dramen - die Damen Brechts heute noch mit lebhaftem Interesse rechnen können. Hiltrud Häntzschel hat die sieben Hauptfrauen des Dichters in einer essayistischen Porträtgalerie versammelt: Paula Bannholzer, Marianne Zoff, Marieluise Fleißer, Helene Weigel, Elisabeth Hauptmann, Margarete Steffin und Ruth Berlau. Sie alle wußten, was sie von Brecht zu erwarten hatten: "In meine leeren Schaukelstühle vormittags / Setze ich …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Sehr bewegend findet Rezensent Wolfgang Schneider diese "essayistischen Porträtgalerie". Passend zur neuen Angestelltenwelt sind hier Brechts "Musen Mitarbeiterinnen geworden", deren im vorliegenden Buch glänzend geschilderte Tragödien der Rezensent "faszinierender als epische Lehrstücke" findet. Besonders schätzt er die Unabhängigkeit der Autorin, deren Darstellung offensichtlich auch manches Klischee gerade rückt. Gleichzeitig begibt sich das Buch Schneider zufolge in "Frontstellung" zum Buch des "Enthüllungsgermanisten" John Fuegi "Brecht und Co.", das Autorin Häntzschel als "Machwerk" bezeichne. Andererseits jedoch widerspreche sie auch den Verteidigern von Brechts "höchst einseitigem Liebeskommunismus", zu denen "an vorderster Stelle" die Frauen selbst gehört hätten. Nicht aus einer auf Brecht konzentrierten Zentralperspektive habe Häntzschel die Lebensgeschichten der Frauen skizziert, sondern aus ihrem jeweiligen Eigensinn heraus. Sie lasse auch Brecht selbst "durch die vielfältig eingearbeiteten Textzeugnisse" zu seinem Recht kommen, vor allem mit Liebesgedichten, in denen Schneider "Zärtliches und Obszönes, Wärme und zynische Schroffheit" sich hinreißend mischen sieht.

© Perlentaucher Medien GmbH
Hiltrud Häntzschel, Dr. phil., arbeitet freiberuflich als Germanistin und Autorin in München. Mitarbeit an der Süddeutschen Zeitung, am Bayerischen Rundfunk, als Kuratorin an mehreren Ausstellungen. Publikationen zur Literatur der Weimarer Republik, zur Exilforschung, Wissenschaftsgeschichte, Wissenschaftsemigration, Biographik und zur Literatur von Frauen; Mitarbeiterin am Projekt "NS-Dokumentationszentrum München.

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