Brauchen Sie eine Tragetasche? - Weischenberg, Sibylle
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Sibylle Weischenberg 

Brauchen Sie eine Tragetasche?

Aus dem Leben einer gebeutelten Frau. Originalausgabe

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Brauchen Sie eine Tragetasche?

'Witzige und freche Geschichten für die nicht perfekte Frau.' Express über 'Meine 30 Lippenstifte und ich'

Das Leben geht weiter, das Chaos zum Glück auch ...

"Liebe Leser,sparen Sie auch immer an der falschen Stelle? Kaufen im Discounter drei billige Blusen statt eine teure, die dafür passt? Lassen Sie sich auch immer wieder übers Ohr hauen, weil Sie das Kleingedruckte in Verträgen nicht lesen, obwohl Sie doch so aufgeklärt sind? Kennen Sie auch das Phänomen, dass der Zwickel Ihrer Strumpfhose immer an der falschen Stelle klemmt? Und, mal ganz unter uns, gehen Ihnen auch die unfassbar vielen TV-Kochsendungen auf den Keks? Dann willkommen in meiner Welt, in der es derzeit an allen Ecken und Enden kracht. Stemmen wir uns doch gemeinsam gegen die allgemeine Weltuntergangsstimmung und beschäftigen wir uns lieber mit unseren ganz eigenen Katastrophen - eben dem Chaos im Leben einer ganz normalen Frau ..."


Produktinformation

  • Verlag: Blanvalet
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 319 S.
  • Seitenzahl: 319
  • Blanvalet Taschenbuch Nr.37397
  • Deutsch
  • Abmessung: 181mm x 116mm x 28mm
  • Gewicht: 245g
  • ISBN-13: 9783442373970
  • ISBN-10: 3442373972
  • Best.Nr.: 26234571
"Jetzt beweist ein weiteres Buch im Blanvalet-Verlag: Schreiben kann sie auch. Wer Weischenbergs Auftritte im Fernsehen unterhaltsam findet, wird dieses Buch lieben."
Millionen Fernsehzuschauer kennen Sibylle Weischenberg: Die renommierte Society-Expertin steht täglich für die Promi-Magazine nahezu aller TV-Sender vor der Kamera. Ihr Berufsweg führte die Kennerin des nationalen und internationalen Jet-Sets und Hochadels u. a. zu Stationen beim Polit-Magazin "Der Spiegel", als Korrespondentin der britischen Nachrichtenagentur Reuter, als Persönliche Pressereferentin von Johannes Rau sowie als Ressortleiterin bei den People-Magazinen "Bunte" und "Gala". Außerdem ist Sibylle Weischenberg seit Jahren beliebt als tägliche Radio-Kolumnistin zahlreicher Sender im In- und Ausland.

Leseprobe zu "Brauchen Sie eine Tragetasche?" von Sibylle Weischenberg

"Juhu!", tönte es von oben. "Wo bleiben Sie denn?"

"Pfff", machte ich. "Ich ... keuch ... komme ... pfff ... gleich." Ich zog mich mehr am Geländer hoch, als dass ich ging. Mein Mantel schleifte auf den Stufen. Mein Kopf hing hochrot auf meiner Brust. Keuch. Ein Blick durch meine Ponyfransen zeigte mir, dass ich noch lange nicht am Ziel war.

"Das ersetzt das Training im Fitness-Studio, nicht wahr?", zwitscherte von hoch oben die Maklerin. Wie hatte die das nur geschafft? Als ich sie vor gefühlten zwei Stunden vor der Haustür des hochherrschaftlich anmutenden Hauses getroffen hatte, erschien sie mir wie eine Werbefigur der angesagtesten Boutique der Stadt. Im figurbetonten Kostüm, ein ultrateures Tuch kunstvoll um den Hals gezwirbelt, High Heels mit Killerabsätzen und eine Markenhandtasche vorschriftsmäßig in die Armbeuge geklemmt. Nach einer nahezu euphorisch freudigen Begrüßung eröffnete sie mir, dass der Weg zu der von mir gesuchten Dachterrassen-Traumwohnung zwar nicht steinig, aber lang werden würde.

"Die Hausverwaltung hat den Einbau eines Lifts schon abgenickt", teilte sie mir strahlend mit, "aber es dauert halt noch ein Weilchen."

"Wie lange?", hatte ich wissen wollen, was sie mit einem munteren "Que sera?" quittierte. Als sie die ersten Stufen der Treppe fast hüpfend bewältigte, gab sie den Blick auf tadellose Beine in hauchdünnen, fleischfarbenen Nylons frei. Ich folgte ihnen.

Sie schien keine Mühe mit dem Luftholen zu haben, denn während sie in rasender Geschwindigkeit Stufe für Stufe erklomm, schüttete sie ein Füllhorn voll Informationen über mir aus.

"Das Haus ist 1912 gebaut, ganz solide Grundsubstanz, alle Wohnungen wurden kernsaniert und tipptopp instand gesetzt. Die Wohnungen sind alle an 1A-Mieter vergeben. Nur beste Namen. Hier links wohnt übrigens ein Prof. Dr. Dr. und hier oben wohnt ..."

Ich hatte längst den Anschluss verloren. War mir doch egal, ob der akademische Titelträger links oder rechts residierte, ich wollte nur endlich oben ankommen.

In der Zeitungsannonce war mir eine "charmante" Wohnung in Aussicht gestellt worden mit einer "sensationellen" Dachterrasse geradezu olympischen Ausmaßes, eine Einbauküche eines "exklusiven" Herstellers, eine Ankleide mit "exquisiten" Einbauten und ein Marmorkamin "traumhafter" Anmutung. Bei der ausgewiesenen Höhe des geforderten Mietzinses war ich mir völlig sicher gewesen, dass den technischen Mitarbeitern der Zeitung ein Fehler unterlaufen war und sie fatalerweise eine entscheidende Zahl zu viel gedruckt hatten. Aber so was konnte man ja richtigstellen, erst einmal wollte ich das Objekt in Augenschein nehmen.

"Pfff ... hu ... pfff ..."

Meine Lunge schrammte kurz am Kollaps vorbei. Ich ließ mich mit einem hörbaren Plumps auf die oberste Stufe eines Treppenabsatzes fallen. Nur eine kleine Minute wollte ich mich ausruhen, als im selben Moment eine Tür neben mir geöffnet wurde. Eine Dame trat auf den Flur, gestylt von den blondgefärbten Haaren bis zur Spitze ihrer schwarzen Lackschuhe. Erschrocken zog sie die Luft ein.

"Wer sind Sie denn?", giftete sie los. "Was machen Sie hier?"

"Ich ... pffff ... keuch ...", versuchte ich ihr meine Anwesenheit zu erläutern.

"Max", rief sie scharf, "kommst du bitte einmal?"

Das war keine Bitte. Das war ein Befehl. Ein etwas kurz geratener Mann mit grauen Haaren folgte ihrer Anweisung. Erstaunt nahm er meinen zusammengesunkenen Körper zur Kenntnis.

"Frag du sie mal", forderte die gestrenge Blondine ihn auf, "was sie hier macht. Mir antwortet sie ja nicht."

"Pffft ... keuch ... ich ...", setzte ich meine Erklärung fort, was er mit hochgezogenen Augenbrauen zur Kenntnis nahm.

"Sie kriegt keine Luft mehr", diagnostizierte er präzise.

"Und warum tut sie das hier?", wollte die scharfe Lady wissen. Sie begutachtete mich, als sei ich ein lästiges Insekt, das der Wind durch die offene Haustür ins Innere geweht hatte.

"Vielleicht will sie ...", begann der Gefragte und blickte nach oben, denn hastige Schritte übertönten mein pfeifendes Keuchen.

Meine sportive Maklerin hatte den Abstieg vom sechsten Stock in den dritten in lockerer Rekordzeit bewältigt.

"Hallöchen, Herr Prof. Dr. Dr.", flötete sie mit lockendem Unterton.

"Prof. Dr. Dr. Dr.", korrigierte die strenge Blondine. "So viel Respekt kann mein Gatte ja wohl erwarten. Schließlich hat er sich die Titel erarbeitet, als er ..."Chefarzt einer Klinik in Tübingen war", vollendete meine Maklerin mit servilem Unterton. "Selbstverständlich. Bitte verzeihen Sie meinen Fauxpas. Wie geht es Ihnen, Frau ..."

Ich konnte nicht mehr folgen. Mir war es schon peinlich genug, dass ich hier wie ein Penner auf der frisch gebohnerten Treppe in einem 1912 erbauten Prachthaus hing, aber mussten mich auch noch potenzielle Nachbarn in dieser demütigenden Schwächephase erwischen?

"... und die Dame interessiert sich für die Dachterrassen-Wohnung", hörte ich gerade die Maklerin mitteilen.

"Pffff", stimmte ich zu.

Der Prof. Dr. Dr. Dr. schien sich plötzlich seiner lange zurückliegenden glanzvollen beruflichen Bestimmung zu erinnern.

"Kann ich was für Sie tun?", fragte er mich unvermittelt.

"Wasser ...", krächzte ich.

"Tut uns leid", beschied mich Lady Gnadenlos. "Wir müssen weg." Untermauert wurde diese Behauptung von dem Knall, den ihre tonnenschwere Tür machte, als sie das Schloss einrasten ließ.

"Das macht doch nichts", behauptete die Maklerin, ohne mich erst einmal zu fragen. Sie zerrte an meinem schlaff herunterhängenden Arm und vermittelte so den Eindruck, sie würde mich schon wieder in die Senkrechte kriegen.

Der eigentlich zum Helfertum verpflichtete Titelträger folgte ohne Widerspruch seiner geltungssüchtigen Frau und verschwand, während ich versuchte, mich wieder hochzurappeln.

"Es sind doch nur noch ein paar Stüfchen", verkündete meine durchtrainierte Maklerin, was sie erneut unter Beweis stellte, da ich nur noch das Tack, Tack, Tack ihrer High Heels hörte. Sie selbst war schon wieder außerhalb meiner Blickreichweite.

Seufzend machte ich mich an den Aufstieg. Die letzten Stufen bis zur Tür der "charmanten" Dachterrassen-Wohnung kroch ich. Den noch verbliebenen Rest von Stolz hatte ich eh bei meinem Zusammentreffen mit möglichen zukünftigen Mitbewohnern verloren. Jetzt zog ich mich mit bleischweren Gliedern am Türrahmen hoch und stand schwankend im Flur.

"Ist das nicht herrlich?", fragte mich die Maklerin jubilierend. "Schauen Sie sich in aller Ruhe um und genießen Sie das Ambiente."

Taumelnd begann ich meinen Rundgang. Mit schwammigen Knien folgte ich dem Lichteinfall. Luft, war mein einziger Gedanke. Ich rüttelte an der Terrassentür. Nichts bewegte sich.

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