Böses Blut - Dahl, Arne

Arne Dahl 

Böses Blut

Kriminalroman

Aus d. Schwed. v. Wolfgang Butt
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Böses Blut

Ein schwedischer Literaturkritiker wird auf dem New Yorker Flughafen auf ebenso ungewöhnliche wie grausame Weise getötet. Die Spur des Täters führt zu einer Mordserie, die fünfzehn Jahre zurückliegt. Paul Hjelm und Kerstin Holm von der Stockholmer Sonderkommission stoßen auf einen ungeheuerlichen Fall ...


Produktinformation

  • Verlag: PIPER
  • 2009
  • 7. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 359 S.
  • Seitenzahl: 368
  • Serie Piper Bd.4285
  • Deutsch
  • Abmessung: 191mm x 121mm x 22mm
  • Gewicht: 312g
  • ISBN-13: 9783492242851
  • ISBN-10: 3492242855
  • Best.Nr.: 12741090
"Mit diesem Roman hat sich der Schwede Dahl in die erste Reihe der internationalen Thriller-Autoren geschrieben. 'Böses Blut' ist weit mehr als die schnell konsumierte und ebenso schnell wieder vergessene Thriller-Konfektion. Dahls Roman hat literarisches Niveau." (Der Spiegel)

»Mit diesem Roman hat sich der Schwede Dahl in die erste Reihe der internationalen Thrillerautoren geschrieben. >Böses Blut< ist weit mehr als die schnell konsumierte und ebenso schnell wieder vergessene Thrillerkonfektion. Dahls Roman hat literarisches Niveau.« Der Spiegel

"Mit seinem Roman <em>Böses Blut</em> hat sich der Schwede Arne Dahl in die erste Reihe der internationalen Thriller-Autoren geschrieben."<br /> (Joachim Kronbein, Der Spiegel)

»Mit diesem Roman hat sich der Schwede Dahl in die erste Reihe der internationalen Thrillerautoren geschrieben. >Böses Blut< ist weit mehr als die schnell konsumierte und ebenso schnell wieder vergessene Thrillerkonfektion. Dahls Roman hat literarisches Niveau.« Der Spiegel
Arne Dahl, geboren 1963, hat mit seinen Kriminalromanen um den Stockholmer A-Team eine der erfolgreichsten Serien weltweit geschaffen. Nach neun Bänden, zuletzt unter anderen »Totenmesse«, »Dunkelziffer« und »Opferzahl«, von denen sich allein in Deutschland über eine Million Exemplare verkauften und für die er international zahlreiche Auszeichnungen erhielt, ist »Gier« der Beginn einer neuen Thrillerserie. Arne Dahl lebt mit seiner Frau in Stockholm und schreibt am zweiten Fall für das Europol-Team. Weiteres zum Autor unter http://www.arnedahl.de/ und http://english.arnedahl.net/.

Leseprobe zu "Böses Blut" von Arne Dahl

Arne Dahl

Böses Blut

Kriminalroman

Wortloser Schmerz, dachte er. Jetzt weiß ich, was das ist.

Lernen fürs Leben, dachte er, und das Gelächter, das sein Galgenhumor ihm eingab, war ebenso wortlos. Lernen für den Tod, dachte er, und statt des Gelächters noch ein stummer Schrei.

Als der Schmerz zu einem neuen Angriff ausholte, wußte er mit einer Art kristallener Klarheit, daß er sein letztes Lachen gelacht hatte.

Der Schmerz wurde nicht mehr schlimmer. Mit einem Gefühl, das er noch als eine Mischung von Erleichterung und Entsetzen ausmachen konnte, spürte er, daß die Intensität ihren Höhepunkt erreicht hatte, und begriff, welcher Prozeß jetzt einsetzte. Die Talfahrt.

Die Schmerzkurve stieg nicht mehr, sie flachte ab, und dahinter ahnte er den steilen Absturz, der unerbittlich wie eine Rutschbahn ins Nichts führte. Oder - und er sträubte sich gegen den Gedanken - zu Gott.

Die Poren seines Körpers waren weit offen, kleine aufgesperrte Münder, die das große Warum brüllten, das er selbst nicht brüllen konnte.

Und dann kamen die Bilder, er hatte gewußt, daß sie kommen würden. Sie hatten schon eingesetzt, als der Schmerz sich in Dimensionen steigerte, die er sich in seiner wildesten Phantasie nicht hätte ausmalen können. Er war verwundert über diese Möglichkeiten, die all die Jahre in ihm verborgen gelegen hatten. Das gab es also.

Der Mensch trug also ein solches Intensitätspotential in sich.

Während sein ganzes Wesen in immer neuen Kaskaden explodierte, schien der Schmerz sich von den Fingern, dem Geschlecht, dem Hals zu einem Punkt außerhalb seines Körpers zu verlagern. Es wurde irgendwie ein allgemeiner Schmerz, der sich über den Körper erhob und seine - ja, er mußte dieses Wort denken -, seine Seele okkupierte, und bei alledem versuchte er, klar zu denken. Doch da kamen die Bilder.

Zuerst hatte er gekämpft, um den Kontakt mit der Außenwelt zu behalten, und die Außenwelt war da nichts anderes als gigantische Flugzeugrümpfe, die vor der kleinen Fensterluke vorüberschossen - dann und wann glitt auch die schweigende Henkersgestalt mit ihren todbringenden Werkzeugen vorüber. Allmählich vermischten sich die brüllenden Flugzeuge mit den Bildern, und jetzt begannen auch die Flugzeuge sich in schreiende Höllengeister zu verwandeln.

Er hatte keine Kontrolle über die Bilder, wie sie kamen, ihre Reihenfolge, die Struktur. Er sah das unvergeßliche Interieur des Entbindungssaals seines Sohns, aber er selbst war nicht da, sondern hörte sich, während sein Sohn geboren wurde, wie er sich draußen auf der Toilette erbrach. Aber jetzt war er da, und es war schön, geruchsfrei, lautlos. Das Leben ging in Reinheit weiter. Er begrüßte Menschen, die er als große Autoren erkannte. Er glitt durch ahnenreiche Korridore. Er sah, wie er und seine Frau sich liebten, und ihr Gesichtsausdruck war von einer Seligkeit, wie er ihn an ihr noch nie gesehen hatte. Er stand an einem Rednerpult, die Leute applaudierten wild. Neue Korridore, Begegnungen, Sitzungen. Er war im Fernsehen, und bewundernde Blicke flogen ihm zu. Er sah sich mit glühender Leidenschaft schreiben, sah sich Buch auf Buch lesen, Papierstapel auf Papierstapel. Aber wenn die Schmerzpausen kamen und der Flugzeuglärm ihn zurückholte, merkte er, daß er nur sich selbst sah, lesend und schreibend, nie das, was er las und schrieb. Während der kurzen Atempausen fragte er sich, was das bedeutete.

Jetzt begann die Talfahrt, er spürte es deutlich. Wenn die Stiche kamen, erreichten sie ihn nicht mehr. Er entfloh seinem Quälgeist, er würde siegen. Er war sogar in der Lage, ihn anzuspucken, und die einzige Antwort war ein Knirschen und eine leichte Steigerung des Schmerzes. Aus der Dunkelheit kam ein brüllender Drache, und der wurde zu einem Flugzeug, das einen Schleier über einem Fußballfeld zurückließ, auf dem sein Sohn unruhige Blicke zur Seitenlinie warf. Er winkte ihm zu, aber sein Sohn sah ihn nicht, er winkte wilder, schrie lauter, aber sein Sohn sah nur noch resignierter aus, bis er aus Verwirrung oder aus Protest ein Eigentor schoß. Dann die junge Frau am Bücherregal, die bewundernden Blicke. Sie gehen die große Straße entlang, eifrig ihre generationsübergreifende Liebe demonstrierend. Auf der anderen Seite zwei völlig reglose Gestalten, seine Frau und sein Sohn, und er sieht sie, bleibt stehen und gibt ihr einen langen Kuß. Er joggt, trainiert. Die kleine Nadel dringt in die Kopfhaut ein, wieder und wieder, und endlich ist die üppige Mähne wieder am Platz. Sein Mobiltelefon klingelt während der Debatte auf der Buchmesse, neuer Sohn, die Champagnerkorken knallen, und als er nach Hause kommt, sind sie fort. Und wieder liest er, und in einem letzten Bewußtseinsschub denkt er, daß etwas von all dem, was er gelesen und geschrieben hat, vorüberfliegen sollte, doch das einzige, was er sieht, ist er selbst, lesend und schreibend, und in einer letzten glänzenden Klarheit, die ihm das Gefühl eingibt, in Aufrichtigkeit zu sterben, erkennt er, daß nichts von dem, was er gelesen und geschrieben hat, irgend etwas bedeutet. Er hätte ebensogut etwas ganz anderes tun können.

Er denkt an die Drohungen. "Niemand wird deine Schreie hören können." Daran, daß er die Drohungen nicht ernst nahm. Weil er vermutete ... Ein letzter Schmerzschub löscht den letzten Gedankengang aus.

Dann beginnt das Ende. Der Schmerz verebbt. Die Bilder sind jetzt schnell. Als wäre es eilig.

Er geht im Demonstrationszug, der Polizist hebt den Schlagstock über ihm. Er steht im Sommergarten, das Pferd kommt immer rascher auf ihn zu. Eine kleine Blindschleiche gleitet in seine Gummistiefel und windet sich zwischen seinen Zehen. Der Vater schaut zerstreut auf seine Zeichnung der riesigen Schlange. Die Wolken ziehen über der Kante des Verdecks vorbei, und er meint eine Katze zu sehen, die sich da oben bewegt. Süße Milch spritzt über sein Gesicht. Der dicke hellgrüne Strang weist den Weg, und er treibt durch dunkle, fleischige Kanäle. Dann treibt er nicht mehr.

Irgendwo denkt es: "Was für eine schäbige Art zu sterben."

Paul Hjelm war davon überzeugt, daß es reglose Vormittage gab. Und er war sich ganz sicher, daß dieser Spätsommermorgen ein solcher war. Kein Blatt regte sich in den verkümmerten Grünanlagen des Innenhofs. Und auch in dem Büro, aus dessen Fenster er hinausstarrte, bewegte sich kein Staubkorn. Außerdem waren unterhalb seiner Schädeldecke nur äußerst wenige Gehirnzellen in Bewegung. Mit anderen Worten: Es war ein unbeweglicher Morgen im Polizeipräsidium auf Kungsholmen in Stockholm.

Leider war es auch ein unbewegliches Jahr gewesen. Paul Hjelm gehörte dem Polizeikommando an, das im Vorjahr mit der Ermittlung der sogenannten Machtmorde befaßt gewesen war, als ein Serienmörder zielbewußt die Elite des schwedischen Wirtschaftslebens auszuradieren begann. Weil die Ermittlung ein Erfolg war, wurde die Gruppe in eine ständige Spezialeinheit beim Reichskriminalamt aufgenommen, als eine Kapazitätsreserve für "Gewaltverbrechen von internationalem Charakter", wie die offizielle Formulierung lautete. In der Praxis handelte es sich darum, mit der neuen Form von Kriminalität Schritt zu halten, die die Grenzen Schwedens noch nicht ernstlich erreicht hatte.

Da lag auch das Problem. Das Land war im Laufe des letzten Jahres nicht von weiteren ausgeprägten "Gewaltverbrechen von internationalem Charakter" heimgesucht worden, und deshalb richtete sich immer mehr interne Kritik gegen die Existenz der A-Gruppe. Eigentlich hieß sie nicht A-Gruppe, das war nur der Name, auf den man sich in leichter Panik geeinigt hatte, als die Gruppe vor eineinhalb Jahren von heute auf morgen gebildet worden war. Aus formalen und aus Gründen der Existenzberechtigung hieß die Gruppe jetzt "Spezialeinheit beim Reichskriminalamt für Gewaltverbrechen von internationalem Charakter", und weil die Bezeichnung unmöglich auszusprechen war, ohne daß man anfing zu lachen, benutzte man inoffiziell weiter den Namen A-Gruppe, der an und für sich nicht weniger komisch war, aber zumindest einen gewissen emotionalen Wert hatte. Und man war jetzt auf dem besten Weg, zu den Annalen gelegt zu werden. Relativ beschäftigungslose öffentlich Bedienstete entsprachen kaum der Tonart der Zeit, und die Gruppe wurde ganz allmählich aufgelöst; sie wurde mit diversem Kleinkram behelligt, und ihre Mitglieder wurden hierhin und dahin ausgeliehen. Obwohl ihr formaler Chef Waldemar Mörner, Abteilungsleiter bei der Reichspolizeiführung, wie ein Verrückter schuftete, schien die Saga der A-Gruppe bald zu Ende zu sein.

Was sie brauchten, war ein robuster Serienmörder. Von robustem internationalem Charakter.

Paul Hjelm starrte unbeweglich in den unbeweglichen Morgen, sah ein kleines Blatt, eins der wenigen gelben, zittern und auf den tristen Beton des Innenhofs fallen. Als sei es die Vorwarnung eines Orkans, zuckte er zusammen, und das Zucken brachte ihn wieder zu sich. Er ging hinüber zu einem abblätternden Rasierspiegel an der Wand des anonymen Büroraums und betrachtete das Mal auf seiner Wange.

Während der Jagd nach dem Machtmörder hatte sich auf seiner Backe ein rotes Mal gezeigt, und ein Mensch, der ihm sehr nahestand, hatte gesagt, das Mal sehe aus wie ein Herz. Das war lange her. Sie stand ihm nicht mehr nahe, und die, die es jetzt tat, fand das Mal vor allem eklig.

Kundenbewertungen zu "Böses Blut" von "Arne Dahl"

3 Kundenbewertungen (Durchschnitt 3 von 5 Sterne bei 3 Bewertungen ***** gut)
***** ausgezeichnet
***** sehr gut
 
(2)
***** gut
***** weniger gut
***** schlecht
 
(1)
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Bewertung von Urmu aus Kiel am 20.05.2010 ***** sehr gut
Die Bücher von Arne Dahl sind am besten in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu lesen, dann hat der Leser einen guten Überblick über das , was Dahl nebenbei erzählt. denn das "Nebenbei" ist der wahre Inhalt, der´Kriminalfall nur der Kitt, der die A-Gruppe zusammenhält. Für mich immer wieder großes Kino!

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Bewertung von Xirxe aus Hannover am 11.03.2010 ***** sehr gut
Die 'Spezialeinheit beim Reichskriminalamt für Gewaltverbrechen von internationalem Charakter' in Stockholm, kurz A-Team genannt, steht wegen Nichtbeschäftigung kurz vor der Auflösung. Da naht 'Entspannung': Ein Serienmörder aus den USA ist auf dem Weg nach Schweden, das A-Team ist in Alarmbereitschaft. Schon nach kurzer Zeit werden mehrere Tote gefunden, auf grausame Art und Weise gefoltert und ermordet. Doch es lässt sich kein Muster erkennen, völlig untypisch für einen Serienmörder scheint er seine Opfer wahllos auszuwählen. Kerstin Holm und Paul Hjelm, Mitglieder des A-Teams, fliegen nach New York, um mehr über die bisherigen Ermittlungen des FBI zu erfahren.
Endlich mal ein Krimi ohne schwedische depressive Ermittler :-) Natürlich haben auch die Angehörigen des A-Teams ihre Schwächen (wie auch Stärken), aber zur Abwechslung mal keine 'normale' Lebenssinnkrise (sieht man von Paul Hjelm ab) die sich in Form von Resignation, Frust und Flucht in den Alkohol äußert. Statt dessen ein verkrachter Bodybuilder, ein geläuterter Ex-Staranwalt, ein energiegeladener Jazzbassist... Die Figuren werden detailgetreu dargestellt mit all ihren Vor- und Nachteilen, ihren Widersprüchen und inneren Konflikten.
Dahl gelingen ungewöhnliche, durchaus vergnügliche Bilder (Zwei Lungenentzündungen kamen durch die Luft gesegelt und suchten ihre rechtmäßigen Besitzer), aber er spart auch nicht mit Gesellschaftskritik. Bemerkenswert ist ein zweiseitiger Part, in dem Hjelm sich Gedanken über das Verhalten der Unternehmen in der Gesellschaft macht. Obwohl das Buch bereits 1998 erschienen ist, lässt es sich 1:1 auf die Bankenkrise des letzten Jahres übertragen.
Weshalb nicht die volle Punktzahl? Im Klappentext wird in der Zusammenfassung erklärt, dass es sich um das zweite Buch mit Kommissar Hjelm handelt. Direkt darunter in der Autorennotiz steht hingegen, es wäre sein erster Fall. Nach der Lektüre würde ich nun sagen, es ist das zweite Buch. Ein weiterer Grund für den Abzug sind die überdurchschnittlich vielen Rechtschreibefehler.

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Bewertung von Seitan aus Hannover am 27.01.2009 ***** schlecht
Ich bin leider sehr enttäuscht von diesem Buch. Ich habe es zwar geschafft, es bis zum Schluss durchzulesen, doch es war eine Qual. Es fehlt der Flow. Sobald mal ein wenig Spannung aufkam, hat der Autor es geschafft, sie umgehend wieder zu zerstören - entweder durch einen Szenenwechsel oder einfach durch seinen langweiligen, ich-bin-ja-so-intellektuell Schreibstil.
Die Story ist leider auch mehr als an den Haaren herbeigezogen. Vielleicht sollte sich der Herr Dahl erstmal mit kleineren Verbrechen begnügen, bevor er sich an internationalen Storys versucht.

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