Ein Mann wie kein anderer: der Schauspieler Rolf „Bobby“ B.<br /> Die Stichworte „Fernsehen“ und „Down-Syndrom“ (über Jahre hinweg durch „mongoloid“ ersetzt, ein von allen Betroffenen sehr ungeliebter Begriff, von dem man sich, zumindest in den Medien, wenn auch noch nicht in allen Köpfen, zum Glück so gut wie definitv getrennt hat) wurden in der Vergangenheit lange mit „Unser Walter“ (einer „Doku-Soap“ aus den 60ern und frühen 70ern über eine Familie mit Down-Kind) assoziiert. Heute fällt dazu spontan nur ein Name ein: Bobby Brederlow.<br /> In der vorliegenden Autobiografie berichtet sein Bruder Gerd unaufdringlich, unspektakulär und gerade darum so beeindruckend über das Schicksal der Familie und das Zusammenleben mit Rolf, der sich den Künstlernamen „Bobby“ gewählt hat. Der wesentlichste Punkt bei all den geschilderten Episoden und Anekdoten ist wohl die Erkenntnis, auf die Designer Brederlow so viel Wert legt: <em>„Mein Bruder „leidet“ nicht am Down-Syndrom. Ihm geht es sehr gut mit seiner Entwicklungsstörung.“</em> <br /> Die ganz besondere Männer-WG<br /> Vieles hätten sie in der Tat nicht erlebt, die Geschwister Brederlow und Gerds Lebensgefährte Udo Bandel (aufgrund eines falsch angefertigten Türschildes zu Herrn „Bendel“ geworden), wenn Bobby nicht diese ungerade Chromosomenanzahl aufweisen würde. <br /> Keine Filmrollen, keine intensiven und sehr persönlichen Begegnungen mit berühmten Schauspielern, keine Autogramm-Anfragen von Fans, kein Bambi und keine Goldene Kamera. <br /> Wobei natürlich ganz klar zu sehen ist, dass allein schon durch die Lebenssituation von Bobbys „Zieh-Eltern“, einem Schwulenpaar in München Schwabing, ganz andere Voraussetzungen gegeben sind als wenn der junge Mann beispielsweise bei einem Versicherungsvertreter und einer Supermarkt-Kassiererin in einem kleinen Ort auf der Schwäbischen Alb aufgewachsen wäre. Denn der Friseur und der Mode-Designer zählten auch in ihrem Leben „vor Bobby“ Künstler, Medienschaffende, Regisseure und Angehörige ähnlicher Berufsgruppen zu ihren Freunden, was den Einstieg des behinderten Schauspielers in die Szene sicherlich erleichtert hat. <br /> Lustige, packende und alltägliche Geschichten aus dem Leben<br /> Wie der 1961 geborene Bobby es aber immer wieder schafft, aus jeder Situation das Beste zu machen, wie seine Familie, seine Freunde, ihm beistehen und dadurch ihr eigenes Leben bereichert, wenn nicht sogar gerettet wird (wie damals, als nur das geistesgegenwärtige schnelle Handeln seines Bruders Gerd nach einem Schlaganfall davor bewahrte, länger als unbedingt nötig auf Reha-Maßnahmen angewiesen zu sein), das alles macht den sympathischen Gameboy-Fan so einzigartig – und liest sich dabei spannend, ohne reißerisch zu sein. <br /> Wer also auf die „wahre Geschichte“ jenes Bruderzwists aus „Bobby, der Film“ wartet (in dem es um die Sorgerechtsfrage nach dem Tod der Eltern Brederlow und die diesbezügliche Auseinandersetzung mit dem dritten Bruder, Horst, geht), der wird enttäuscht sein – schmutzige Details haben auf den 210 Seiten keinen Platz. <br /> Wer sich aber in den Bann ziehen lassen möchte von vielen Alltagserlebnissen im In- und Ausland, bei Arbeit und Freizeit, privat und in der Öffentlichkeit, wer schmunzeln, laut lachen und dann wieder zu Tränen gerührt sein möchte – der tut gut daran zu diesem Buch zu greifen. <br /> Gerd Brederlow ist es ein Anliegen, seinen Bruder und andere mit demselben Handicap aus einer Ecke zu holen, in die sie Ignoranz und Leistungsdenken lange genug gestellt haben. Dies ist ihm, und seiner Co-Autorin Heike Neumann, ebenfalls Geschwister eines Menschen mit Down Syndrom, außerordentlich gut gelungen.<br />(Michaela Pelz)<br />
Gerd Brederlow, 1951 geboren, arbeitet als freiberuflicher Designer. Vor allem ist er Bruder von Bobby. Zusammen mit ihm und seinem Lebensgefährten lebt er in München.
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