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Blauer Hibiskus

Blauer Hibiskus

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Palmsonntag

Bei uns zu Hause begann alles in die Brüche zu gehen, als mein Bruder Jaja nicht bei der Kommunion war und mein Vater sein schweres Meßbuch durch das Zimmer schleuderte und die Keramikfiguren auf der Etagere zerbrach. Wir kamen gerade von der Kirche. Mama legte die frischen Palmzweige, die noch feucht vom Weihwasser waren, auf den Eßtisch und ging nach oben, um sich umzuziehen. Später würde sie die Zweige zu schweren Kreuzen binden und sie neben unser goldgerahmtes Familienfoto an die Wand hängen. Dort blieben sie bis Aschermittwoch; dann trugen wir sie in die Kirche, wo sie zu Asche verbrannt wurden. Papa half jedes Jahr beim Austeilen der Aschekreuze, wie die anderen Laienbrüder in einem langen, grauen Gewand. Seine Reihe kam immer am langsamsten voran, weil er mit seinem ascheverschmierten Daumen besonders fest auf jede Stirn drückte, um ein perfektes Kreuz zu malen, und dabei langsam und bedeutungsvoll jedes einzelne Wort betonte: "Denn Staub bist du, und zum Staub wirst du zurückkehren."

Papa saß bei der Messe immer in der ersten Reihe, gleich neben dem Gang, und Mama, Jaja und ich saßen neben ihm. Er war der erste, der zur Kommunion …

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29.03.2005

Masken, Mütter, Mythen
Schlicht, doch nicht ergreifend: Chimamanda Ngozi Adichies Debüt

Eine wohlerzogene Tochter, um die Fünfzehn, findet sich in der vormals vertrauten Welt nicht mehr zurecht. Das streng gebahnte Leben der Familie vermittelt ihr keine Geborgenheit, sondern nur noch Druck und Zwang. Ihr vorsichtiges Aufbegehren gegen heimische Autorität verbindet sich mit leiser Angst, den Halt am Hergebrachten zu verlieren, während sie zugleich beginnt, das Leben jenseits der bekannten und engumgrenzten Erfahrungsräume zu erkunden. Eine erste, schwärmerische Verliebtheit in einen unerreichbar fernen Mann; zaghafte Zweifel an der Religion, die den Familienalltag machtvoll prägt; heimliche Bewunderung für den älteren Bruder, der sich dem Regime des Vaters widersetzt - vielleicht sind es solche gängigen Motive und einfachen Geschichten, die immer wieder neu zu würdigen und zu erzählen sind, weil das Abenteuer des Erwachsenwerdens unser aller Leben irgendwann einmal bestimmt. Bei Chimamanda Ngozi Adichie allerdings spielt diese Geschichte in Nigeria, und dort ist alles noch viel abenteuerlicher.

Angesiedelt in den frühen neunziger …

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Kundenbewertungen zu "Blauer Hibiskus"

Durchschnittliche Kundenbewertung (aus 1 Bewertungen): ***** ausgezeichnet

  • 0 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
  • Bewertung von Enno Kleinhans aus Hochzoll am 02.05.2007
  • *****
  • ausgezeichnet
  • Meine literarische Entdeckung dieses Jahr!

    Dem schmalzigen Titel zum Trotz ein klischeefreies, genau beobachtetes Porträt einer neurotischen Familie und vor allem das einer Vaterfigur, bei deren Schilderung der Leser zwischen Bewunderung, Mitleid und Grauen alles Denkbare empfindet. Erstaunlich distanziert geschrieben von einer kaum 20-jährigen Nigerianerin und für ein Erstlingswerk erstaunlich reif. Kein Wunder, dass sie als eine der großen Hoffnungen in der englischsprachigen Literatur gehandelt wird.

    Inzwischen gibt es einen neuen Roman von Chimamanda Ngozi Adichie, "Die Hälfte der Sonne", der schon auf meiner Merkliste steht.
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Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

12.05.2005

 Ins Schwärmen gerät Ludwig Fels bei diesem Roman der nigerianischen Autorin Chimamanda Ngozi Adichie, Jahrgang 1977, die mal nicht das gewohnte Klischeebild vom armen oder exotischen Afrika bedient, wie er aufatmend schreibt, sondern, auch nicht viel erbaulicher, das ganze "zwischenmenschliche Elend" einer nigerianischen Upper Class-Familie aus Perspektive eines heranwachsenden Mädchens erzählt. Der Vater ist ein Psychopath, ein Tyrann, der nach außen als Systemkritiker auftritt, aber die Familie mit pseudoreligiösen Vorschriften und Gewaltandrohungen quält. Schinderei, die sich als Liebe, Quälerei, die sich als Erziehung ausgibt, so sieht es Fels, der froh ist über dieses anrührende und verstörende Buch, das mit seiner Wärme, Lebendigkeit, Dramatik und Ambitioniertheit "streckenweise verstummen macht". Einerseits rufe Adichie die Sinnlichkeit der Kindheit in Erinnerung, freut er sich, während sie zugleich die innerfamiliären Beziehungen genau unter die Lupe nehme und uns ein durchaus realistisches Bild vom heutigen Nigeria vermittele.

© Perlentaucher Medien GmbH

Autorenporträt

Chimamanda Ngozi Adichie, geb. 1977 in Nigeria, studierte Medizin und Kommunikationswissenschaften, ging 1998 in die USA, bekam mehrere Preise für ihre Kurzgeschichten. "Blauer Hibiskus" war auf der "Shortlist" für den "Orange Fiction Prize 2004".

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