Bis aufs Blut - Rankin, Ian

Ian Rankin 

Bis aufs Blut

Thriller. Deutsche Erstausgabe

Dtsch. v. Ditte u. Giovanni Bandini
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Bis aufs Blut

"Lakonisch, raffiniert und rasant - ein typischer Rankin-Thriller!" -- The Scotsman

"'Bis aufs Blut' hat alles: Die geballte Spannung und den intelligenten Handlungsaufbau, die man von einem Rankin-Thriller erwartet." -- Manchester Evening News


Produktinformation

  • Verlag: Goldmann
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 507 S.
  • Seitenzahl: 512
  • Goldmann Taschenbücher Bd.46376
  • Deutsch
  • Abmessung: 188mm x 119mm x 35mm
  • Gewicht: 412g
  • ISBN-13: 9783442463763
  • ISBN-10: 3442463769
  • Best.Nr.: 23822840
"Lakonisch, raffiniert und rasant - ein typischer Rankin-Thriller!" (The Scotsman)

"'Bis aufs Blut' hat alles: Die geballte Spannung und den intelligenten Handlungsaufbau, die man von einem Rankin-Thriller erwartet."

"'Bis aufs Blut' hat alles: Die geballte Spannung und den intelligenten Handlungsaufbau, die man von einem Rankin-Thriller erwartet."
Ian Rankin, geboren 1960, ist Großbritanniens führender Krimiautor, seine Romane sind aus den internationalen Bestsellerlisten nicht mehr wegzudenken. Ian Rankin wurde unter anderem mit dem Gold Dagger für "Das Souvenir des Mörders", dem Edgar Allan Poe Award für "Tore der Finsternis" und dem Deutschen Krimipreis für "Die Kinder des Todes" ausgezeichnet. "So soll er sterben" und "Im Namen der Toten" erhielten jeweils als bester Spannungsroman des Jahres den renommierten British Book Award. Mit "Ein Rest von Schuld" hatte Ian Rankin seinen Ermittler John Rebus nach 17 Fällen in den wohlverdienten Ruhestand geschickt - und lässt jetzt Inspector Malcolm Fox die Bühne betreten, der in "Ein reines Gewissen" seinen ersten Fall zu lösen hat. Ian Rankin lebt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in Edinburgh.

Leseprobe zu "Bis aufs Blut" von Ian Rankin

Sie hatte noch knapp drei Stunden zu leben, und ich nippte in der Hotelbar an meinem Grapefruitsaft mit Tonic.

"Sie wissen, wie das heutzutage ist", sagte ich, "nur die Härtesten schaffen es. Kein Platz für blutende Herzen."

Mein Trinkgenosse war selbst Geschäftsmann. Auch er hatte die Hochs und Tiefs der Achtziger überlebt und nickte jetzt so emphatisch, wie der Whisky, den er intus hatte, ihm gestattete.

"Blutende Herzen", sagte er, "gehören auf den OP-Tisch, nicht ins Geschäftsleben."

"Darauf trinke ich", sagte ich, obwohl es in meiner Branche natürlich um nichts anderes als um blutende Herzen geht.

Gerry hatte mich kurz zuvor gefragt, womit ich meine Brötchen verdiene, und ich hatte ihm Import - Export gesagt. Einmal hatte ich nämlich Scheiße gebaut, als ich mir einen Beruf in allen Details zurechtlegte, nur um erfahren zu müssen, dass der Typ, mit dem ich gerade zusammen an der Bar saß, in genau derselben Branche arbeitete. Nicht gut. Inzwischen bin ich besser, viel vorsichtiger, und an einem Abschusstag trinke ich nicht. Nicht einen Tropfen. Nicht mehr. Es hieß, ich würde allmählich nachlassen. Völliger Unfug natürlich, aber manchmal ist es schwierig, Gerüchte aus der Welt zu schaffen. Ich kann ja schließlich keine Anzeige in den Zeitungen schalten. Aber ich wusste, ein paar gute, saubere Abschüsse würden diese spezielle kleine üble Nachrede Lügen strafen.

Außerdem war der heutige Auftrag wirklich keine große Sache: Ich hatte ihn auf dem Silbertablett serviert bekommen, wie ein Geschenk. Ich wusste, wo sie sein und was sie gerade tun würde. Ich wusste nicht nur, wie sie aussah, ich wusste auch ziemlich genau, was sie anhaben würde. Ich wusste eine ganze Menge über sie. Ich würde mich für diesen Abschuss nicht sonderlich anstrengen müssen, aber das würden potenzielle künftige Auftraggeber ja nicht wissen. Sie würden lediglich meine Trefferquote sehen. Schön, ich würde sämtliche leichten Ziele annehmen, die sich mir boten.

"Und, was kaufen und verkaufen Sie so, Mark?", fragte Gerry.

Ich war Mark Wesley. Ich war Engländer. Gerry war ebenfalls Engländer, aber als international tätige Geschäftsleute sprachen wir miteinander mid-Atlantic: die Lingua franca der Businesswelt. Wir waren neidisch auf unsere amerikanischen Vettern, hätten es aber niemals zugegeben.

"Was immer gerade verlangt wird, Gerry", sagte ich.

"Darauf trink ich." Gerry prostete mir mit Whisky zu. Es war fünfzehn Uhr Ortszeit. Der Whisky kostete sechs Pfund das Glas, auch nicht viel mehr als mein alkoholfreier Drink. Ich habe schon in Hotelbars auf der ganzen Welt getrunken, und diese eine sah wie jede andere aus. Halbdunkel selbst bei Tag, die immer gleichen Flaschen hinter dem blank polierten Tresen, der immer gleiche uniformierte Barkeeper, der aus ihnen einschenkt. Ich empfinde diese Unveränderlichkeit als beruhigend. Ich hasse es, an einen fremden Ort zu fahren, wo man keinerlei Bezugspunkt findet, nichts Erkennbares, woran man sich halten könnte. Ägypten konnte ich nicht ausstehen: Selbst die Coke-Logos waren auf Arabisch geschrieben, und die Zahlen stimmten alle nicht, und alle Leute trugen die falschen Klamotten. Dritte-Welt-Länder mag ich nicht; wenn das Honorar nicht wirklich verlockend ist, erledige ich da grundsätzlich keine Aufträge. Ich bin gern an einem Ort mit sauberen Krankenhäusern und hygienischen Einrichtungen, trockenen Laken auf dem Bett, Englisch sprechenden, lächelnden Gesichtern.

"Tja, Gerry", sagte ich, "war nett, sich mit Ihnen zu unterhalten."

"Fand ich auch, Mark." Er öffnete seine Brieftasche und zog eine Geschäftskarte heraus. "Hier, für alle Fälle."

Ich sah sie mir an. Gerald Flitch, Marketingstratege. Darunter ein Firmenname, Telefon-, Fax- und Autotelefonnummer und eine Liverpooler Adresse. Ich steckte die Karte ein, klopfte mir dann auf das Jackett.

"Tut mir leid, ich kann mich nicht revanchieren. Keine Karten dabei."

"Schon okay."

"Aber die Drinks gehen auf mich." "Tja also, ich weiß nicht -"

"Ist mir ein Vergnügen, Gerry." Der Barkeeper gab mir die Rechnung, und ich unterschrieb sie und notierte dazu meine Zimmernummer. "Schließlich", sagte ich, "kann man nie wissen, ob ich sie nicht mal um einen Gefallen bitten muss."

Gerry nickte. "Im Geschäftsleben braucht man Freunde. Ein Gesicht, dem man vertrauen kann."

"Das stimmt, Gerry, in unserem Metier ist Vertrauen das A und O."

Woraus man klar ersehen kann, dass ich in philosophischer Stimmung war.

Wieder in meinem Zimmer, hängte ich das "Bitte nicht stören"-Schild raus, schloss die Tür ab und klemmte einen Stuhl unter die Klinke. Das Bett war zwar schon gemacht, die Handtücher waren im Bad gewechselt worden, aber man konnte nie vorsichtig genug sein. Manchmal tauchte unversehens ein Zimmermädchen auf. Zwischen Anklopfen und Aufschließen ließen sie nie viel Zeit verstreichen.

Ich holte den Koffer aus dem Kleiderschrank und legte ihn aufs Bett, überprüfte dann das Streifchen Klebeband, mit dem ich ihn versiegelt hatte. Das Siegel war noch intakt. Ich zerschnitt es mit dem Daumennagel, schloss den Koffer auf, nahm ein paar Hemden und T-Shirts heraus, bis der dunkelblaue Regenmantel zum Vorschein kam. Den hob ich heraus und legte ihn auf das Bett. Bevor ich weitermachte, streifte ich meine Autohandschuhe aus Glaceleder über. Erst jetzt faltete ich den Mantel auseinander. Darin lag, in Plastikfolie eingewickelt, mein Gewehr.

Man kann nie vorsichtig genug sein, und wie vorsichtig man auch ist, hinterlässt man zwangsläufig Spuren. Ich bemühe mich, mit den Fortschritten der Kriminaltechnik mitzuhalten, und ich weiß, dass wir alle, wo wir auch sind, Spuren hinterlassen: Gewebefasern, Haare, einen Fingerabdruck, Hautfett von einem Finger oder Arm. Heutzutage reicht ein einziges Haar für eine DNA-Abgleichung. Deswegen war das Gewehr in Plastikfolie eingewickelt, die hinterließ weniger Spuren als Stoff.

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