»Falten im Gesicht, Nackenhaare, die sich sträuben, Gänsehaut auf
dem Rücken, braune Flecken, rote Linien, schwarze Punkte: Zeugnisse
unseres Körpers. Wir nehmen sie wahr, halten uns für sehend,
erkennen ihre Bedeutung, begreifen sie als Zeugnisse. Aber manchmal
spüren wir auch, dass wir blind bleiben für den Sinn einer Schrift,
deren Botschaft, könnten wir sie lesen, uns erröten machen würde.
Oder erblassen.«
Robert Krokowski spürt in seinem Essay jener besonderen Schrift auf
unserem Körper nach, die wir alle kennen, für deren Bezeichnung wir
aber erstaunlicherweise nur eine Metapher verwenden.
Aber kann eine »Gänsehaut« lesen, wer sie als eine Art flüchtiger
Braille wahrnimmt, als eine Blindenschrift, die nicht nur für
Schrecken oder Wohlgefühl steht? Was teilt sich uns in den Spuren
auf unserer Haut mit, wenn sie der eisige Schauer des Entsetzens
streift oder der wohlige Hauch der Zärtlichkeit? Ein Essay auch
über die Grenzen des Unterscheidungsvermögens und Beobachtungen,die
ermöglichen sie zu überschreiten.
Robert Krokowski, freier Schriftsteller, Künstler und Textpraktiker, Psychoanalytiker und Dozent für Ästhetische Bildung, lebt und arbeitet seit 1980 in Berlin. Studium der Philosophie, Religionswissenschaften, Judaistik und Theologie in Bochum und Berlin. Seminare und Seminarleitungen in der Sigmund-Freud-Schule Berlin und in der Psychoanalytischen Assoziation Berlin. Seit 1990 Psychoanalytiker in eigener Praxis. Textpraktische Schrift-Kunstprojekte und Buchpublikationen seit 1978, diverse Ausstellungen, Installationen, Unikate, Multi-ples. Essays zu Psychoanalyse und Kunst. Seit 2000 Entwicklung des performativen Projekts 'Die Schrift der Engel'. Seit 2003 Lehraufträge und Projekte der Lehr- und Lernforschung für ästhetische Bildung an der Hochschule Neubrandenburg.
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