»Einer der mutigsten, verspieltesten und interessantesten deutschen Jungautoren.«(David Hugendick, Die ZEIT)
"Einer der mutigsten, verspieltesten und interessantesten deutschen Jungautoren."(David Hugendick, Die ZEIT)
 | Besprechung von 17.08.2012 |
Lost in BerlinBerlin ist ein Albtraum, und zwar nicht nur im Schlaf. Die fünf jungen Antihelden, deren Geschichten in dem Roman des 1981 in Bonn geborenen Jörg Albrecht erzählt werden, haben das schnell begriffen - und sich angepasst. Jetzt, ein paar Jahre nur nachdem sie alle hoffnungsfroh aus der Provinz in die große Stadt gekommen sind, arbeiten sie rund um die Uhr und bringen doch nichts zustande. Geld haben sie keines, Beziehungen können sie nicht führen, weil sie glauben, flexibel bleiben zu müssen, kreativ in einem innovativen Sinn sind sie längst nicht mehr, weil sie dazu einfach zu müde sind. Kurz gesagt, gehören die fünf zu genau jenem zwischen Praktika und Projekten gefangenen Prekariat, das Berlins Nimbus des Arm-aber-sexy-Seins zu einem gehörigen Anteil geprägt hat. Stoff für einen Roman böte sich da eigentlich genug, auch wenn das Thema in der Hauptstadt-Literatur natürlich schon behandelt worden ist. Dass er keinen Originalitätspreis gewinnen dürfte, muss Albrecht also gewusst haben. Dass er deswegen versucht hat, seinem Roman über die Form einen Anstrich von Besonderheit zu verleihen, ist eine naheliegende Vermutung: Der schnelle, …
"Einer der mutigsten, verspieltesten und interessantesten deutschen Jungautoren."
(David Hugendick, Die ZEIT)
"Im schnellen Takt der Großstadt komponiert der Autor einen vielstimmigen und gelegentlich auch dissonanten Satz auf das Lebensgefühl einer bestimmten Szene, konterkariert dies aber auch mit Erfahrungen von Migrantenkindern seiner Generation, die seine Probleme für den reinen Luxus halten. (...) Im Werwolf wird die Verwandlung, das Spiel mit den Identitäten, auf eine andere Ebene gehoben. (...) Das mag recht schräg klingen, aber in aufregend frischer und unkonventioneller Weise, auch im Rückgriff auf beinahe klassische Werwolf-Filme, schleicht sich etwas ein, was den Roman im Chor der jungen Literatur zu etwas Besonderem macht: eine beinah melancholisch eingefärbte Suche nach dem Politischen."
(Detlef Grumbach, Saarländischer Rundfunk, KulturRadio, 07.04.2012)
"In Zeiten, in denen Kreativwirtschaft selbstverständlich KreatIVwirtschaft geschrieben werden muss, jobbt der Nachwuchslektor nebenbei als Barmann und knutscht samstags seine Fallmanagerin; Albrecht wagt die Frage, was denn das für ein Leben ist. Sein Vollmondgeheul gegen Kapitalismus-Exzesse, gegen eine deregulierte Sex- und Spaßgesellschaft klingt schräg-schaurig, doch erstrahlt im Mondenschein mancher Satz umso klarer: "Wie kommen wir eigentlich davon los, nur glücklich zu sein, wenn wir arbeiten?"" (Britta Heidemann, DerWesten, 26.04.2012)
"Es ist (...) nicht so einfach, "Beim Anblick des Wolfes" zu lesen. Der Roman stellt auf diese Weise aber perfekt das zerrissene, rhythmuslose Lebensgefühl der prekär lebenden Kreativen dar."
(Anja Kümmel, Der Tagesspiegel, 22.04.2012)
"Albrechts Spiel mit Sprache ist gar keines. Es sind vielmehr punktgenaue Analysen, die man mit Bleistift-Strichen am Seitenrand markieren will. Doch das reicht nicht. Der Vampir in dir wird sie weiter twittern."
(fm4.orf.org.at, 13.05.2012)
"Gut möglich, dass die Vielschichtigkeit und Tiefe des Romans, der eine Vielzahl von klugen Sätzen zu den Themen Gentrifizierung, Subkultur der 90er und Coming-out enthält, erst in einigen Jahren erkannt werden wird."
(Martin Willems, triggerfish.de, 08.05.2012)
"In einem Mix aus Generationsporträt und Thriller lässt er darin Virtualität und Realität auf virtuose und ironische Weise miteinander kollidieren."
(Christoph Hartner, Steirerkrone, 04.06.2012)
"Der Roman ist aufregend, weil er der Scheinaufgeregtheit des kreativen Großstädtertums zuwiderläuft. Er ist gesplittet aufgebaut, und er ist sprachlich aufwühlend, weil Sprechformen wie Slang oder Quizshowprosa ineinandergreifen. All das zusammen macht ihn zu einer der schillerndsten Kritiken des Neoliberalismus..."
(Margarete Affenzeller, Der Standard, 09.06.2012)
"Schon die Romane "Drei Herzen" und "Sternstaub, Goldfunk, Silberstreif" waren collagierte, schleifenartig verwobene, sprachvirtuose Textflächen, die ihre Leser nicht zuletzt durch die weitgehende Abwesenheit traditioneller Erzählmuster herausfordern. Das gilt mehr noch für "Beim Anblick des Bildes vom Wolf", mit dem Albrecht sein Verfahren noch einmal raffiniert hat, um der Gegenwart ihre aus Kreativ-Phrasen, Anglizismen und Werbe-Claims komponierte Melodie abzulauschen. Bisweilen fragt man sich, ob der Roman dieses Lied, das in allen Waren schläft, bloß verstärkt, oder ob er es dissonant verzerrt. Aber eben diese Unentschiedenheit macht Albrechts "Beim Anblick des Bildes vom Wolf" lesenswert."
(K. West, Das Kulturmagazin des Westens, Juni 2012)
"Daß dem gebürtigen Bonner Albrecht die einfache Machart von Texten zuwider ist, merkt man dem Buch deutlich an. Gut möglich, daß die Vielschichtigkeit und Tiefe des Romans, der eine Vielzahl von klugen Sätzen zu den Themen Gentrifizierung, Subkultur und Coming-out enthält, erst in einigen Jahren erkannt werden wird."
(Martin Willems, junge Welt, 13.06.2012)
Jörg Albrecht, geboren 1981 in Bonn, lebt in Dortmund. Er studierte Komparatistik, Geschichte, Literatur- und Theaterwissenschaft in Wien und Bochum und veröffentlichte Prosa in Anthologien und Zeitschriften, schrieb ein Libretto für die Staatsoper Hannover und gewann Preise bei Literaturfestivals, u.a. beim open mike der Literaturwerkstatt Berlin 2005.