Aufzeichnungen eines Psychopathen - Jerofejew, Wenedikt

Wenedikt Jerofejew 

Aufzeichnungen eines Psychopathen

Aus d. Russ. v. Thomas Reschke
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Aufzeichnungen eines Psychopathen

In einer Zeitspanne von knapp zwölf Monaten verfaßt, stellen die Aufzeichnungen eines Psychopathen das zugleich traurige und beißend komische Werk eines jungen Mannes dar, der sich auf die Suche nach Liebe und nach sich selbst begibt. Der Rat von einem guten Freund seines Vaters begleitet ihn auf seinem Weg:"Fühlen muß man klug, nicht mit dem Kopf, aber klug."

Zum ersten Mal nimmt der Leser mit diesem Buch hautnah Anteil am Leben von Wenedikt Jerofejew, dem Kultautor von Die Reise nach Petuschki. Aufgewachsen in der unwirtlichen Industriestadt Kirowsk in der Familie eines Trinkers, wird der sensible und hochbegabte Wenedikt schon früh mit dem bewährten russischen Allheilmittel gegen Seelenschmerz konfrontiert. Von vornherein hat er kaum eine Chance, sich einzugliedern und ein normales Leben zu führen.Im Jahr 1956 bricht die sowjetische Wirklichkeit mit aller Brutalität über ihn herein: Unter dem Vorwand der Bummelei und ständigen Trunkenheit wird der unbequeme Student, dessen Vater kurz zuvor nach langjähriger Lagerhaft gestorben ist, von der Universität geworfen. Dann kommt auch sein Bruder in einem Arbeitslager um. Völlig verzweifelt beginnt der 17-jährige daraufhin die Arbeit an seinem Tagebuch. Darin demontiert er mit beispiellosem sprachlichen Furor und im virtuosen Spiel mit einem vulgären Alltagsvokabular alle überkommenen moralischen und geistigen Werte und erhebt den Rausch zum literarischen Stoff.


Produktinformation

  • Verlag: Tropen Bei Klett-Cotta
  • 2004
  • Ausstattung/Bilder: 2004. 191 S.
  • Seitenzahl: 191
  • trojanische pferde Bd.13
  • Deutsch
  • Abmessung: 214mm x 149mm x 19mm
  • Gewicht: 385g
  • ISBN-13: 9783608500639
  • ISBN-10: 3608500634
  • Best.Nr.: 23870068
"Wenedikt Jerofejews großartige Aufzeichnungen eines Psychopathen beschreiben die Jugend im frühen Post-Stalinismus in finstersten Farben und magenumstülpendem Realismus."(Süddeutsche Zeitung)"Die Aufzeichnungen eines Psychopathen sind Wenedikt Jerofejews wortgewaltiges Vermächtnis."(Nürnberger Nachrichten)<br/><br/>"Die euphorisch-melancholischen Grenzgänge des Antihelden Wenedikt Jerofejew halten wundersame Überraschungen bereit."(Neue Zürcher Zeitung)<br/><br/>"Jerofejew hat den Platz, den seine Gesellschaft für ihn vorgesehen hat, angenommen - und, das ist nicht die geringste Leistung - er hat diesen Platz mit Würde ausgestattet."(Deutschlandfunk)<br/><br/>"Aufzeichnungen eines Psychopathen gehört zu den Büchern, für die gilt: Wenn Sie es nicht zwei Mal gelesen: so haben Sie es nicht ein Mal gelesen."(taz)<br/><br/>"Jerofejew ist so russisch, dass es einem die Tränen in die Augen treibt: mal vor Lachen, mal vor Weinen - und manchmal vor Rührung darüber, wie es jemand mit 18 Jahren schafft, im Schatten der Klassiker zu schreiben und dennoch originell zu sein."(Der Tagesspiegel)
Wenedikt Jerofejew, geboren 1938 in Kirowsk, mußte sich lange Zeit seinen Lebensunterhalt mit Gelegenheitsarbeiten verdienen.

Mit seinem 1969 entstandenen Meisterwerk Die Reise nach Petuschki erlangte er Weltruhm. Wenedikt Jerofejew starb am 11. Mai 1990 in Moskau.

Leseprobe zu "Aufzeichnungen eines Psychopathen"

07. Januar 1957

"Klammere dich nicht an die Universität... Und befürchte nicht, daß sie in Kirowsk Unruhen veranstalten, wenn sie etwas von dir hören... Egal - du hast schon genug Staub aufgewirbelt mit deinen Rumtreibereien, Tamara hat sich schon damit abgefunden und deine Mutter auch ...Und fürchte dich nicht vor dem Gefängnis ... Das Wichtigste - fürchte dich nicht vor dem Gefängnis ... Das Gefängnis macht einen zum Tier ... Und das ist gut. Diese Banditen sind grob und gefühllos, aber sie verhehlen es nicht... sind aufrichtig... Eure Leute von der Universität sind genauso, versuchen aber, sich sentimental zu geben... Klug sind nur wenige, aber alle stellen sich so... Fühlen muß man klug, nicht mit dem Kopf, aber klug... Alle diese Leute sind kalte Klugscheißer... Mit denen hast du nichts zu schaffen."
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