Aufstand der Fischer von St. Barbara - Seghers, Anna

Anna Seghers 

Aufstand der Fischer von St. Barbara

Mit Anm. u. Kommentar

Herausgeber: Fehervary, Helen; Spies, Bernhard, Bearb. v. Helen Fehervary
Buch mit Leinen-Einband
 
1 Kundenbewertung
***** sehr gut
versandkostenfrei
innerhalb Deutschlands
23 ebmiles sammeln
EUR 22,50
Sofort lieferbar
Alle Preise inkl. MwSt.
Bewerten Empfehlen Merken Auf Lieblingsliste


Aufstand der Fischer von St. Barbara

Mit einem kleinen, rostigen Dampfer fährt Johann Hull von der Margareteninsel an der bretonischen Küste auf die Insel St. Barbara. Er ist müde und einsam. Auf St. Barbara wird er voller Hoffnung erwartet, denn die Fischer dort sind unzufrieden: die Einnahmen für ihre Fänge sollen verringert werden. Soll man streiken, wie auf anderen Inseln auch? Hull macht ihnen Mut, den Aufstand zu wagen und an die eigene Kraft zu glauben ...
Die eindringlichen, expressiven Bilder, verbunden mit den mythischen Dimensionen des Textes, veranlassten bereits Zeitgenossen, das mit dem Kleist-Preis ausgezeichnete Werk als Meistererzählung der deutschen Moderne anzuerkennen.

Diese Erzählung machte Anna Seghers 1928 in Deutschland bekannt. Sie benutzt ihr Pseudonym ohne Vornamen und löste eine Diskussion um ihr Geschlecht aus, denn die kühle, klare Sprache der Neuen Sachlichkeit hatte man eher einem Mann zugeschrieben. Es waren aber gerade die expressiven Bilder, verbunden mit den mythischen Dimensionen, die Hans Henny Jahnn veranlaßten, Anna Seghers zum Kleist-Preis vorzuschlagen.
Der Edition liegt die Erstausgabe von 1928 zugrunde. Sie ist mit einer ausführlichen Kommentierung versehen und basiert auf neu eingesehenen Archivbeständen, z.B. einem Typoskript mit vielen Korrekturen, das Pierre Radvanyi, Anna Seghers´ Sohn, erst kürzlich aufgefunden hat.
Mit einem kleinen, rostigen Dampfer fährt Johann Hull von der Margareteninsel an der bretonischen Küste auf die Insel St. Barbara. Die Fischer dort sind unzufrieden: Die Einnahmen für ihre Fänge sollen verringert werden. Soll man streiken? Hull macht ihnen Mut, an die eigene Kraft zu glauben. Am nächsten Morgen weigern sich die Fischer auszufahren. Je länger der Aufstand dauert und je aussichtsloser er zu sein scheint, um so stärker zerreißen Widersprüche und Konflikte das Leben der Inselbewohner. Schließlich wird der Aufstand zu Bedingungen beendet, die schlechter sind als vor dem Streik. Hull wird festgenommen und zum Prozeß ans Festland gebracht.


Produktinformation

  • Werkausgabe
  • Das erzählerische Werk I, Bd.I/1
  • Verlag: Aufbau-Verlag
  • 2002
  • Ausstattung/Bilder: 2002. 160 S.
  • Seitenzahl: 171
  • Deutsch
  • Abmessung: 214mm x 131mm x 20mm
  • Gewicht: 280g
  • ISBN-13: 9783351034511
  • ISBN-10: 3351034512
  • Best.Nr.: 10300710
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 03.08.2002

Dasein im Aufstand
Erste kurze Ausfahrt auf das Meer der Sprache: Anna Seghers' meisterliches Romandebüt ist wieder zu entdecken

Wir wissen nicht, wo dieses St. Barbara liegt. Hart und düster ist es dort, kalt und naß. Die Menschen sind lausig dran, arm, besitzen nur das Notdürftigste, hausen in ihren miefigen Hütten, zusammengeduckt zu Dörfern, die weit über die Insel verstreut liegen. Die Männer gehen ihrer harten und schlechtbezahlten Arbeit als Fischer nach. Das geht gut für die Reedereibesitzer. Bis ein Mann auftaucht, der sich Hull nennt, der die allgemeine Not in die Forderung nach etwas mehr Lohn fließen läßt und als Wortführer einen Streik auf die Beine bringt. Der Streik wird von Soldaten blutig niedergeschlagen. Wir sind nicht bedrückt, die Rollen von Gut und Böse sind nicht nach Reich und Arm verteilt. Doch was fangen wir heute mit einer Geschichte an, die aus dem Repertoire der fernen Klassenkämpfe und fernen Revolutionen kommt?

Der Roman "Aufstand der Fischer von St. Barbara" erscheint 1928 im Verlag Gustav Kiepenheuer. Anna Seghers ist damals 28 Jahre alt. Es ist ihr erster Roman. Als sie das Manuskript einsendet, …

Weiter lesen

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Rezensent Eberhard Rathgeb staunt schon beim Wiederlesen des ersten Satzes von Anna Seghers 1928 zuerst erschienenen Erzähldebüts über "die expressive Kraft" der jungen Schriftstellerin, die nicht einmal der äußerst politische Stoff bändigen könne. In dieser "meisterhaften Erzählung", schwärmt er, könne man Seghers' "erste kurze Ausfahrt auf das Meer der Sprache und ihrer Bilder" wieder entdecken. Schon Hans Henny Jahnn war, lesen wir, so fasziniert, dass er der jungen Autorin 1928 den Kleistpreis verlieh. Kurz skizziert Rathgeb auch den politischen Werdegang der Autorin und die Geschichte dieses Debüts, das nun im Rahmen der neuen Seghers-Werkausgabe neu herauskam. In diesem Zusammenhang erwähnt der Rezensent auch den Kommentar der Herausgeberin, die seinen Informationen zufolge Zusammenhänge zwischen der Erzählung und Seghers 1923 eingereichter kunstgeschichtlicher Dissertation über "Jude und Judentum im Werke Rembrandts" herausgearbeitet hat.

© Perlentaucher Medien GmbH

"Eine der großen Autorinnen des Jahrhunderts." F.A.Z.
Anna Seghers, geb.1900 als Netty Reiling 1900 in Mainz. Den Namen Anna Seghers führt sie als Schriftstellerin ab 1928. 1920-24 Studium in Heidelberg und Köln: Kunst- und Kulturgeschichte, Geschichte und Sinologie. Erste Veröffentlichung 1924: Die Toten auf der Insel Djal . 1925 Heirat mit dem Ungarn Laszlo Radvanyi. Umzug nach Berlin. Kleist-Preis. Eintritt in die KPD. 1929 Beitritt zum Bund proletarisch- revolutionärer Schriftsteller. 1933 Flucht über die Schweiz nach Paris, 1940 in den unbesetzten Teil Frankreichs. 1941 Flucht der Familie auf einem Dampfer von Marseille nach Mexiko. Dort Präsidentin des Heinrich-Heine-Klubs. Mitarbeit an der Zeitschrift Freies Deutschland . 1943 schwerer Verkehrsunfall. 1947 Rückkehr nach Berlin. Georg-Büchner-Preis. 1950 Mitglied des Weltfriedensrates. Von 1952-78 Vorsitzende des Schriftstellerverbandes der DDR. Ehrenbürgerin von Berlin und Mainz. 1978 Ehrenpräsidentin des Schriftstellerverbandes der DDR. 1983 in Berlin gestorben.

Blick ins Buch "Aufstand der Fischer von St. Barbara"


Leseprobe zu "Aufstand der Fischer von St. Barbara" von Anna Seghers

Frühmorgens, Anfang Oktober, fuhr Hüll auf dem kleinen, rostigen Küstendampfer nach St. Barbara. Er kam von der Margareteninsel. Nach dem Aufstand von Port Sebastian hatte er dort den Sommer über auf der Bank einer Hafenkneipe herumgelungert. Er hatte seinen Fuß ausgeheilt, der, wie es im Steckbrief hieß, infolge eines Schusses hinkte. Der Regen stand in der Luft. Ein Koppel Hammel, eingesperrt neben dem Maschinenraum, blökte. Der Geruch der Salzluft, der Tiere und des Maschinenöls vermischte sich zu dem einen süßen Geruch der Überfahrt. Hull verfolgte über dem Geländer die weiße Narbe, die das Schiff dem Meere riß, die wieder heilte und wieder riß und wieder heilte und wieder riß. Da kam ihm der Gedanke, er müsse sich das alles genau merken, nicht nur die Narbe, auch die Knöpfe an der Weste des Kapitäns, auch die Vögel in der Luft, auch den Geruch, alles, überhaupt alles. Neben ihm, außer den Tieren der einzige Passagier, hing ein Mädchen über dem Geländer. Sie döste zwischen ihren schwarzen Zotteln ins Wasser. Hatte er nicht ihr gelbes Halstuch öfters auf dem Strand der Margareteninsel zwischen den Schiffern und Soldaten herumflitschen sehen? Jetzt brachte sie zurück in das heimatliche Dorf ihren mageren, von den Fäusten der Matrosen ausgepreßten Körper, deren Liebe nicht mal ausgereicht hatte, um Armbänder an ihre braunen, grätendürren Arme zu ziehen. Er bekam plötzlich Lust auf sie. Wenigstens ihre Brust mußte er berührt haben, bevor der Streifen da hinten zu Land wurde. Aber das Mädchen schwenkte um ihn herum, legte sich über den Maschinenraum und rief dem Heizer etwas zu. Hull ging an das andere Ende des Dampfers. Sein Herz erfüllte sich mit Enttäuschung, als ob ihn wunder was für ein Mädchen im Stich gelassen hätte. Er sah wieder ins Wasser. Wieder bekam er eine Gier, sich alles genau zu merken. Auf einmal dachte er, daß das alles, seine unsinnige Lust nach diesem häßlichen, dürren Mädchen, seine Gier, sich alles genau zu merken, nichts andres als die Todesangst selbst war, von der er manchmal hatte sprechen hören. Es wurde Mittag. Er erschrak. Der braune Streifen war nicht mehr irgendeine Ferne, er war schon Land. Das war das Kreisrund Küste aus dem Feldstecher, die Steinhaufen von Hütten die Klippen entlang, die Maste stachen in die lebendige Luft, langsam schiebt sich der Riegel der Mole von der schmalen tiefeingefressenen Bucht. Es konnte trotzdem noch etwas dazwischenkommen, der Dampfer konnte noch umkehren, die Küste wieder zurücktreten. Da schrie der Dampfer, die Küste kam mit einem Ruck näher. Dann war es wieder still, graue, schläfrige Fahrt. Dann hüpfte die Schiffsglocke. Auf dem Landungssteg im Regen kauerten zwei Einheimische. Das Seil flog. Das Mädchen beugte sich tief herunter. "He, Marie, bist auch nicht fetter geworden!" - "Was an dir schon dran ist!" Der eine lachte, der andre, ein ganz junger, drehte den Kopf und betrachtete das Mädchen mit zugekniffenen Augen. Dann stutzte er. Er bemerkte Hull. Einen Augenblick gab es in seinem braunen gleichmütigen Gesicht beim Anblick des Fremden einen Ausdruck von Neugierde, Hoffnung und ein wenig Hochmut.

Leseprobe zu "Aufstand der Fischer von St. Barbara" von Anna Seghers

"Der Aufstand der Fischer von St. Barbara endete mit der verspäteten Ausfahrt zu den Bedingungen der vergangenen vier Jahre. Man kann sagen, daß der Aufstand eigentlich schon zu Ende war, bevor Hull nach Port Sebastian eingeliefert wurde und Andreas auf der Flucht durch die Klippen umkam. Der Präfekt reiste ab, nachdem er in die Hauptstadt berichtet hatte, daß die Ruhe an der Bucht wiederhergestellt sei. St. Barbara sah jetzt wirklich aus, wie es jeden Sommen aussah. Aber längst nachdem die Soldaten zurückgezogen, die Fischer auf der See waren, saß der Aufstand noch auf dem leeren, weißen, sommerlich kahlen Marktplatz und dachte ruhig an die Seinigen, die er geboren, aufgezogen, gepflegt und behütet hatte für das, was für sie am besten war ..."

Kundenbewertungen zu "Aufstand der Fischer von St. Barbara" von "Anna Seghers"

1 Kundenbewertung (Durchschnitt 4 von 5 Sterne bei 1 Bewertungen ***** sehr gut)
***** ausgezeichnet
***** sehr gut
 
(1)
***** gut
***** weniger gut
***** schlecht
Schreiben Sie eine Kundenbewertung zu "Aufstand der Fischer von St. Barbara" und Gewinnen Sie mit etwas Glück einen 15 EUR buecher.de-Gutschein

Bewertung von Xirxe aus Hannover am 10.12.2010 ***** sehr gut
Irgendwann Anfang des letzten Jahrhunderts: Die Fischer von St. Barbara leben mehr schlecht als recht von ihrer Arbeit. Die Anteile, die sie von Reeder Bredel für ihre Fänge erhalten, reichen schwerlich zum Überleben. Doch Widerstand regt sich kaum, bis Hull auf die Insel kommt. Ihm gelingt es die Männer davon zu überzeugen, nur zu deutlich verbesserten Bedingungen die Arbeit wieder aufzunehmen. Es ist, als ob sie auf einen wie ihn nur gewartet hätten: Schnell sind sich alle einig, auch die aus den umliegenden Dörfern, und geeint treten sie vor die Vertreter der Reederei, um ihre Forderungen vorzubringen. Doch diese sind alles andere als bereit, den Wünschen der Fischer nachzugeben. Die Fronten verhärten sich, es kommt zu Auseinandersetzungen, einer stirbt und langsam beginnt der Bund der Streikenden sich zu lockern.
Die Autorin schildert eine frühkapitalistische Gesellschaft, deren Mitglieder sich ihrem Schicksal scheinbar ergeben haben und vom Leben nichts mehr erwarten, bis es einem Einzelnen gelingt, sie aus ihrer Lethargie zu reißen und auf ein gemeinsames Ziel einzuschwören.

So elend und trübselig das Leben der Bewohner von St. Barbara wirkt, so trist und grau erscheinen auch die Gegend und das Wetter. Anna Seghers beschreibt diese Welt in bemerkenswert ausdrucksvollen Bildern, die man so schnell nicht wieder vergisst ('Hull verfolgte ... die weiße Narbe die das Schiff dem Meere riss, die wieder heilte und wieder riss, und wieder heilte und wieder riss.' oder 'Dumpf und unbeweglich, bleigrau und regenschwer starrten Himmel und Erde gegeneinander wie die Platten einer ungeheuren hydraulischen Presse.').

Mit Ulrike Krumbiegel als Vorleserin wurde eine gute Wahl getroffen. Die spröde Sprache einzelner Personen (insbesondere Marie) vermittelt sie ebenso überzeugend wie die allgemeine schwermütige Grundstimmung, die dieses Buch beherrscht. Einziges Manko: Es sind viel zu wenig Abschnitte auf den CDs, die zudem auch nur schwierig festzustellen sind. Eine Pause mitten in einer CD ist somit nur unter erschwerten Bedingungen möglich.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Audio CD

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
War diese Bewertung für Sie hilfreich?
JA NEIN

Dem Autor für die Bewertung danken
Verstoß melden
Kommentieren Sie diese Bewertung

Sie kennen "Aufstand der Fischer von St. Barbara" von Anna Seghers ?
Tipp: Stöbern Sie doch mal ein wenig durch ausgewählte aktuelle Bewertungen in unserem Shop

2 Marktplatz-Angebote für "Aufstand der Fischer von St. Barbara" ab EUR 21,50

Zustand Preis Porto Zahlung Verkäufer Rating
wie neu 21,50 0,00 Banküberweisung mgl-buch 94,4% ansehen
wie neu 48,95 0,00 PayPal Quickwork Consultants 100,0% ansehen
Mehr von