Als Jakob Bräckle am 29. Oktober 1987 im neunzigsten Lebensjahr
starb, hatte er als einer der bedeutenden Maler Süddeutschlands
einen weiten und folgerichtigen Weg hinter sich gebracht. Geboren
in Winterreute bei Biberach, studierte er in den Jahren nach dem
Ersten Weltkrieg an der Kunstakademie Stuttgart, um anschließend in
seine nur scheinbar enge Heimat zurückzukehren, die er bis an sein
Lebensende nicht mehr verlassen sollte. Dort, auf den Feldern und
bei den Höfen und Häusern der Umgebung, fand er die Motive seiner
Bilder, die sich im Laufe von Jahrzehnten konsequenter Arbeit in
abstrahierender Weise zunehmend aller Details entledigten, um sich
ganz auf ihr Wesentliches zu beschränken. Diese Beschränkung, die
nicht zuletzt durch die zufällige Begegnung mit dem Werk Kasimir
Malewitschs vorangetrieben wurde, war in Wahrheit eine Klärung, ja
Reinigung. Mit eindringlicher Genauigkeit und großer Zuneigung hat
Arnold Stadler die zunehmende Vergegenwärtigung einer Gegend, aber
auch
eines Zeitalters aus persönlicher Wahrnehmung und eigener Erfahrung
nachvollzogen und so für auch uns nachvollziehbar gemacht.
Arnold Stadler wurde 1954 in Meßkirch geboren und wuchs auf einem Bauernhof im Nachbardorf Rast auf. Er studierte katholische Theologie in München und Rom, anschließend Germanistik in Freiburg und Köln. Seit 1995 lebt er überwiegend in Rast. 1989 erhielt er den Förderungspreis der Jürgen-Ponto-Stiftung. Es folgten zahlreiche weitere Preise und Stipendien. 1999 wurden ihm der Alemannische Literaturpreis und der Georg-Büchner-Preis zugesprochen. Arnold Stadler veröffentlichte bereits einen Gedichtband und mehrere Romane. 2009 erhielt er den Kleist-Preis, im Jahr 2010 den Johann-Peter-Hebel-Preis.