Die Konzeption des Archivs hat neue Positionen in Philosphie und
Kunst angeregt und ist zum Schlüsselbegriff der Wissens- und
Mediengeschichte avanciert. Die Popularität des Archivdenkens quer
durch die Disziplinen und Institutionen belegt, dass Archive ebenso
privilegierte Orte des Wissens darstellen wie Bibliotheken,
Sammlungen oder Museen. Der Band rekonstruiert zentrale historische
Positionen des Archivdiskurses und bildet die zeitgenössische
Debatte in Kunst und Wissenschaft ab.
Mit Texten von Aleida Assmann, Benjamin Buchloh, Michel de Certeau,
Jacques Derrida, Knut Ebeling, Wolfgang Ernst, Michel Foucault,
Bernhard Fritscher, Boris Groys, Stephan Günzel, Ulrich Raulff,
Paul Ricoeur, Monika Rieger und Cornelia Vismann.
Das Archiv zirkuliert. Es gehört zu den Schlüsselbegriffen der
Wissensgeschichte und ist in Philosophie und Kunst wie auch in
Kultur- und Medientheorie gleichermaßen anzutreffen: Das Archiv
wird als geläufige Metapher für kulturelles Gedächtnis, für
Bibliothek und Museum sowie für jede Art der Speicherung und
Überlieferung verwendet. Diese Inflation des Archivs zeigt an, dass
der privilegierte Ort des Wissens heute nicht mehr die Bibliothek
ist, sondern das Archiv. Vom Friedhof der Schrift hat es sich in
einen schillernden Topos der zeitgenössischen Kulturproduktion
verwandelt. In seinem Zeichen wurde das Wissen veräußerlicht,
verzeitlicht und verräumlicht und wird nun in sichtbaren
Architekturen und Apparaturen, Medien oder Techniken aufgesucht,
anstatt in Denkprozessen, Reflexionen und Mentalitäten. Solcherart
liefert das Archiv die Infrastruktur einer Theorie der Geschichte,
die nicht von einer Repräsentation, sondern von der Codierung des
Historischen ausgeht. Der Band rekonstruiert zentrale Positionen
des vielstimmigen Archivdenkens in Kunst und Wissenschaft. In den
Texten von Philosophen und Kunsthistorikern, Medien- und
Kulturwissenschaftlern changiert das Archiv zwischen Ort und
Methode, Institution und Konzeption. In diesem Spannungsverhältnis
stehen bereits die klassischen Archivtheorien von Michel Foucault,
Jacques Derrida, Michel de Certeau und Paul Ricur, wie auch die
neueren Beiträge zur Archivpraxis in Künsten und Medien von Aleida
Assmann, Boris Groys, Ulrich Raulff und Wolfgang Ernst. Ferner
beleuchten Einzelstudien die Geschichte von Archiven in Kunst und
Wissenschaft und diskutieren die Tragweite des Archivdenkens.
Knut Ebeling, geboren 1970 in Hamburg, lebt und lehrt in Berlin. Er studierte bei Gilles Deleuze in Paris und bei Friedrich Kittler in Berlin und ist Verfasser zahlreicher Texte zu Philosophie und zeitgenössischer Kunst.