Die innerpolitische Lage in Ungarn ist zweifellos positiver
einzuschätzen als in Polen oder der Tschecheslowakei. Die Ursache
dafür ist nicht zuletzt in den Ereignissen vom Oktober 1956 zu
sehen. Ohne diesen größten Volksaufstand in Osteuropa, der vor
dreißig Jahren die Welt erschütterte, wären die ungarischen
Verhältnisse um nichts besser als in den Nachbarländern. Und mit M.
Vajda muß man hinzufügen: »Ohne 1956 wäre es in Ungarn auch nicht
zu einer bürgerrechtlichen Opposition gekommen.« Ob verhaftet,
drangsaliert oder ausgewiesen, die Stimmen der Kritiker werden in
wachsendem Maße im In- und Ausland gehört. Das vorliegende Buch
behandelt die Geschichte der demokratischen Oppositionsbewegung in
Ungarn von ihren Anfängen bis in die frühen achtziger Jahre. Es
stellt die handelnden Personen und Gruppen vor, gibt einen
Überblick der Dissidentenliteratur und -organe und zeigt die
Erfahrungen mit staatlicher Zensur und Verfolgung. Zahlreiche
Dokumente unterstreichen die einzigartige Stellung von ungarischen
Intellektuellen und Oppositionellen im osteuropäischen Raum.
György Dalos, geb. 1943 in Budapest in einer jüdischen Familie, gehörte zur demokratischen Opposition Ungarns und lebte in den achtziger Jahren nach Aufenthalten in Berlin in Wien und Budapest. György Dalos wurde vielfach in Deutschland und Ungarn ausgezeichnet und war bis 1999 der Direktor des ungarischen Kulturinstituts in Berlin und im selben Jahr literarischer Leiter des Ungarn-Schwerpunkts während der Frankfurter Buchmesse. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter 1995 der "Adelbert-von-Chamisso-Preis", 2000 die "Goldene Plakette der Republik Ungarn" und 2010 der "Preis der Leipziger Buchmesse für Europäische Verständigung".§György Dalos lebt als Autor in Berlin.
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