Arabischer Frühling - Ben Jelloun, Tahar

Tahar Ben Jelloun 

Arabischer Frühling

Vom Wiedererlangen der arabischen Würde

Übersetzung: Christian Kayser
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Arabischer Frühling

Das Zentrum der Welt hat sich nach Nordafrika verlagert. Ägypten, Tunesien, Libyen. Welche anderen Länder werden noch folgen? Das Volk geht auf die Straße und besetzt die Plätze: Kifaya - es reicht! Manchmal solidarisieren sich Polizei und Militär und alles geht ganz schnell, in anderen Fällen wird die Revolte blutig unterdrückt. Diese Länder sind dabei, den Wert von bürgerlichen Freiheiten und der Autonomie des Individuums zu entdecken, erklärt Tahar Ben Jelloun. Es ist wie der Fall einer riesigen Berliner Mauer. Nichts wird mehr sein wie zuvor, weder in der arabischen noch in der westlichen Welt. Nach seinen Bestsellern über den Rassismus und über den Islam wendet sich der marokkanische Autor mit französischem Pass der unmittelbaren Aktualität zu, erklärt die kulturellen und historischen Hintergründe, stellt aber auch ein paar unbequeme Fragen an den Westen.


Produktinformation

  • Verlag: Berlin Verlag
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 127 S.
  • Seitenzahl: 128
  • Deutsch
  • Abmessung: 188mm x 118mm x 13mm
  • Gewicht: 127g
  • ISBN-13: 9783827010483
  • ISBN-10: 3827010489
  • Best.Nr.: 33198709

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Niklas Bender geht mit Tahar Ben Jelloun hart ins Gericht. Einen Trittbrettfahrer nennt er ihn, einen intellektuellen Opportunisten des alten protektionistischen Systems, der sich probeweise Opferrollen überstülpt und die Revolution erst begrüßt, wenn der Herrscher abgetreten ist und er selbst seine Protektion verloren hat. Nichts gegen Jellouns Verdienste als Autor exzellenter Romane, meint Bender. Doch auf den Aktivisten Jelloun kann die arabische Welt im Umbruch verzichten. Den aufklärerischen Wert des Buches (so erläutert der Autor einem westlichen Publikum z. B. die Bedeutung der Selbstverbrennung) sieht Bender angesichts, wie er findet, fragwürdiger "Höflingsqualitäten" des Autors (gegenüber der marokkanischen Monarchie) schwinden.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 18.04.2011

Jubelgesang
Der Marokkaner Tahar Ben Jelloun hat eine Hymne
auf die Revolutionen in der arabischen Welt verfasst
Die arabischen Despoten hätten auf ihre Dichter hören sollen. Dann hätten sie wissen können, dass die Liebe ihrer Völker pure Heuchelei ist, Selbstbetrug bestenfalls. Aber die Mächtigen des Maghreb und die Alleinherrscher in Ägypten und anderswo haben all die Bücher, die davon kündeten, wo die kalte Wut wohnt, allenfalls von ihren Zensoren lesen lassen. Weil die Despoten die Dichter verachten, so wie sie auch ihr Volk gering schätzen, waren sie nicht gewarnt. Für Tahar Ben Jelloun erzählen die aktuellen Aufstände daher vom „Wiedererlangen der arabischen Würde“.
Der Schriftsteller Jelloun wurde in Marokko geboren und lebt in Paris. Auch dort und in den anderen europäischen Metropolen hat man die Bücher der arabischen Autoren, trotz zum Teil glänzender Übersetzungen, zu wenig gelesen oder sie für literarische Fiktion statt für Gesellschaftskritik gehalten. In der Tat: Beschäftigt man sich heute mit den Romanen des inzwischen international zum Star aufgestiegenen Alaa al-Aswani oder den Satiren seines bei uns weniger …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 19.04.2011

Die komfortable Art der Revolution

Der in Paris lebende Marokkaner Tahar Ben Jelloun begreift sich als Sprachrohr der arabischen Revolution. Sein aktuelles Buch aber zeigt ihn nur als Trittbrettfahrer.

Im Französischen gibt es die Wendung "les résistants de la dernière heure", die Widerständler der letzten Stunde. Gemeint sind diejenigen, die sich ganz zum Schluss einer Sache anschließen, um noch auf der richtigen Seite zu sein. Tahar Ben Jelloun ist so ein Aktivist auf den letzten Drücker. Und nicht einmal diese Rolle erfüllt er ganz, zumindest, was sein Herkunftsland Marokko angeht.

Ben Jelloun publiziert einen Band zu den aktuellen Ereignissen, es heißt "Arabischer Frühling. Vom Wiedererlangen der arabischen Würde". Das Buch ist in Deutschland erschienen, in Frankreich wird es im Mai auf den Ladentischen liegen. Es handelt sich um eine Mischung aus essayistischen Reflexionen, literarischen Darstellungen und Zeitungsartikeln. Im Essayteil liefert Ben Jelloun einen "Erklärungsversuch der Ereignisse in den arabischen Gesellschaften". Die Novelle "Der Funke" erzählt, wie Mohamed Bouazizi zur Selbstverbrennung getrieben wurde - jener …

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"Jellouns schmaler Band gibt zahlreiche Hinweise zum Verständnis des Aufbegehrens. Es sind kluge Analysen." (Süddeutsche Zeitung)

"Jelloun versucht zu zeigen, dass es letztlich um die Anerkennung und die Würde der Menschen geht."
Tahar Ben Jelloun wurde 1944 in Marokko geboren und lebt in Paris. Er gilt als bedeutendster Vertreter der französischsprachigen Literatur des Maghreb. 2011 wurde Tahar Ben Jelloun mit dem Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis ausgezeichnet.

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